Kuscheloffensive des Billigfliegers?

Der Billigflieger Ryanair hat es mal wieder geschafft: an die Spitze einer Top-Five-Liste. Allerdings der Firmen mit dem schlechtesten Service in Großbritannien, das ergab eine Umfrage der britischen Verbraucherzeitschrift „Which?“. Das wundert auch kaum jemanden, denn den Kunden als potentielle Melkkuh für Zusatzkosten zu betrachten, das ist nun mal Firmenphilosophie.

Das gehört zu den Sachen, die man einfach berücksichtigen muss, wenn man Ryanair bucht: genau zu lesen, was denn die Bedingungen sind ist Pflicht. Etwa was die Größe des Handgepäcks angeht. Auch andere Gesellschaften haben da Richtlinien, aber bei der Lufthansa kann man sich ziemlich sicher sein, dass man mit Ricksack, Laptoptasche, Handtasche und zwei Plastiktüten doch noch an Bord gehen kann. Zumindest sehe ich das immer wieder. Das geht bei Ryanair nunmal nicht. Auch ich habe schon Gewicht vom Gepaäck ins Handgepäck umgeschichtet (weil die blöde Kofferwaage versagt hat). Geöffnete Koffer gehören beim Kofferabwerfen bei Ryanair dazu, und nach dem Zwiebelmodell Klamotten tragen auch.

Vielleicht hat es der Billigflieger aber übertrieben. Auf der Hauptversammlung bekam Firmenchef  O’Leary von einigen Aktionären zu hören, dass deren Familienmitglieder sich inzwischen weigerten, mit Ryanair zu fliegen. Und es muss eine Menge Fälle gegeben haben, in denen nur Millimeter darüber entschieden, ob das Handgepäck Handgepäck ist oder gegen große Zusatzkosten extra transportiert werden muss.

Das wirklich überraschende ist die Ansage O’Learys, so berichtet es etwa der Guardian, dass man zukünftig mehr darauf achten werde, den Kunden nicht mehr unnötig „anzupissen“.

Wenn man den Artikel allerdings genau liest, dann wird man feststellen, dass O’Leary es manchmal dann doch nötig findet, seine Kunden anzupissen. Allzu ernst darf man die Meldungen über den Kurswechsel hin zu einer kundenfreundlichen Firma dann doch nicht nehmen. Der Guardian schreibt:

»He said management would now be encouraging staff to be more lenient with customers on bag size.

„If it’s a millimetre over size, get on with it. We are not trying to penalise people for the sake of a millimetre, he said.«

Ein Millimeter, so großzügig sollen zukünftig die Bodenkräfte von Ryanair sein. Was bei zwei Millimetern zu viel ist – wage ich kaum zu prognostizieren.

Wer Ryanair fliegt, der sollte genau wissen, worauf er sich einläßt. Ich kenne inzwischen viele, die lieber ein paar Euro mehr ausgeben und reguläre Linie fliegen – schließlich sind da in einigen Zeitfenstern die Preise ja auch gesunken.

Prinzipiell könnte O’Leary Lufthansa und Co. richtig Schwierigkeiten machen, wenn Ryanair tatsächlich fühlbar kundenfreundlicher würde. Aber damit ist nicht zu rechnen. Bei zwei Millimetern hört der Spaß auf.