Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

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08/10/2014
von Michael Scheuch
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LdT: Angriffe auf das mTAN-Verfahren

Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem erneuten Angriff auf das mTAN-Verfahren – mittels Nachbestellung einer SIM-Karte für die Mobilnummer, die für das Online-Banking benutzt wird. Erneut ist die Schadenssummer hoch. Das ist typisch, denn das Verfahren ist auch für die Angreifer aufwendig. Das ist die gute Nachricht für all jene, die eh knietief im Dispo sind: potentielle Opfer müssen schon mehr als ein paar hundert Euro als Angriffsfläche bieten.

Dreist versucht sich O2 aus der Verantwortung zu stehlen – offenbar hat man ohne genaue Identitätskontrolle die zweite SIM-Karte rausgerückt:

O2 konnte sich nicht erklären, warum die SIM-Karte ohne Vorlegen des Personalausweises freigeschaltet wurde. Salopp teilte der Mobilfunkanbieter mit: “Wir raten aus Sicherheitsgründen grundsätzlich von einer Nutzung des mTan-Verfahrens ab.”

Das dürfte das Unternehmen aber kaum aus der Schadensersatzpflicht entlassen, wenn dieses seiner vertragsgemäßen Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist.

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07/24/2014
von Michael Scheuch
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Amateure überall

Stefan Niggemeier hat zu Recht darauf hingewiesen: das Arbeiten mit Schwenks, Schärfentiefe und Bildelementen im Vordergrund: das geht gar nicht. Es wird Zeit, der Ästhetik im Fernsehen den Kampf anzusagen. Denn gerade die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Europas haben den Auftrag, vor allem bildlich langweilig zu sein. Seinem Beispiel kann ich nur die verdammungswürdige Unterhaltungsreihe Sherlock hinzufügen – die zu Recht ja immer wieder kritisiert wird. Hier nur ein paar verstörende Beispiele, ohne “das weiter recherchiert” zu haben. Alleine die ersten sechs stammen aus einem Zeitraum von nur 3 Minuten. Diese Schlüsselszenen muss ich folgenden kurz dokumentieren. Ich habe ja ein Screenshot-Programm.

Was optisch so daherkommt, das kann inhaltlich ja gar nichts sein. Daher gehe ich auf den Inhalt auch gar nicht ein.

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Sherlock, Staffel 2, Episode 3: Der Reichenbach-Fall.

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07/03/2014
von Michael Scheuch
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LdT: Ins Ausland fahren

Auf die Frage “Was hat die EU je für uns getan?” gibt es jetzt noch einen Antwortvorschlag: eine App gebaut. Auf Deutsch schön holprig “Ins Ausland fahren”, ansonsten “Going Abroad” heißt die App und sorgt dafür, dass man die Verkehrsregeln in anderen Ländern (der EU) abrufen kann. Ich selbst habe gemerkt, dass mit dem Wegfall der Grenzkrontrollen und der Einführung des Euro auch die Reisevorbereitung an und für sich ein bisschen nachlässiger werden. Dass in anderen Ländern ganz andere Regeln gelten, das merke ich manchmal erst dort (wie war das nochmal mit dem Tempo außerorts?).

Also ich finde es praktisch:

App für Android

App für iOS

App für Windows Phone

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06/28/2014
von Michael Scheuch
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Haltet den Dieb!

Zu den konsequentesten NSA-Verharmlosern und Technik-Dummys gehört Mitherausgeber Josef Joffe von der ZEIT. Dass er von Internettechnik keine Ahnung hat, das hat er schon sehr häufig unter Beweis gestellt, und dass er den amerikanischen Freunden beim besten Willen nichts Kritisches entgegensetzen kann auch. Neuestes Statement: NSA=harmlos, kommerzielle Datensammler=daswahrechteböse. Das passt gut zur Dämonisierungsstrategie gegen Google, die die Verlage mit allergrößter Hartnäckigkeit und unter Ausnutzung ihrer publizistischen Stellung verfolgen.

Er versteigt sich zur Behauptung:

Die FTC zeichnet das Bild eines privaten Überwachungsmolochs, der die NSA (und BND und Co. sowieso) zum Amateurverein degradiert.

Dass die FTC als amerikanische Bundesbehörde durchaus auch ein Interesse daran haben könnte, von der NSA abzulenken, das kommt Joffe natürlich nicht in den Sinn. Und in seiner Verkennung technischer Möglichkeiten meint er doch glatt:

Die NSA weiß, wer mit wem von wo telefoniert oder gemailt hat. Für Präzis-Persönliches müssen die Ermittler im Inland (nicht im Falle des Kanzlerinnen-Handys) einen Bundesrichter bemühen.

Er ignoriert, welch reichen Schatz Meta-Daten darstellen. Die übrigens ein nicht zu fälschendes Abbild des Kommunikationsverhaltens eines Menschen zeigen. Gerade Journalisten müsste das mehr als nur beunruhigen.

Wie zielsicher Werbung ausgeliefert wird, das kann inzwischen jeder beurteilen (vielleicht mit Ausnahme von Josef Joffe, der anscheinend das Internet nicht nutzt): die Trefferquote individualisierter Werbung ist mau.

Natürlich solle man regulatorisch der Datensammelwut Grenzen setzen, die Werbenetzwerke und andere Akteure, die besinnungslos Daten sammeln sollte man in Schranken weisen.

Dazu gehören übrigens auch die Angebote deutscher Onlinemedien, hier DIE ZEIT, das Angebot von Josef Joffe, dass bei der Datensammelei mitmacht. Ghostery vermeldet 12 Netzwerke, die im Hintergrund meinen Aufruf seines warnenden Artikels registrieren. Lang lebe die Doppelmoral des “Haltet den Dieb”. ZEIT Online 26.6.2014

Überzeugt wäre ich vom Joffe’schen Impetus erst, wenn er sich mal schlau machen würde, was Meta-Daten wirklich sind und Zeit Online auf die Verwendung von Datensammeltools verzichten würde.

ZEIT Online 26.6.2014  Aber darum geht es ja nicht.

Lustig übrigens, wenn Joffe dann mal selber hart am Netz recherchiert:

Schlimmer aber: Was gesammelt wird, verschwindet nie wieder. Dieser Autor hat im Digital-Telefonbuch der USA seinen Namen eingegeben. Da findet er heute noch, wo er mit wem vor 30 Jahren gewohnt hat – und wie teuer das Haus inzwischen ist.

Ach was. Wow. Immerhin schafft er es nicht, daraus ein Bedrohungsszenario zu entwickeln. Statt solcher Sinnlosrecherche sollte er lieber mal die Telefondaten seiner Redaktion von einem Dritten analysieren lassen. Die finden ganz sicher schnell heraus, an welchen Geschichten die ZEIT-Redakteure gerade arbeiten und wer die wichtigsten Informanten sind. Das sollte Joffe beunruhigen, nichts anderes.

 

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06/25/2014
von Michael Scheuch
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Fehler in der Matrix

Mit zunehmendem Alter häufen sich die Deja Vu’s, und das ist nicht witzig. Heute mal wieder: Steuerstraftäter sollen den Führerschein entzogen bekommen. Fordert mal wieder ein Justizminister, und weil er von der SPD ist, muss der Zahnarzt und der Porsche dran glauben:

QUELLE: fAZ.netDas Thema ist wahnsinnig neu und aktuell. In den gefühlt letzten 20 Jahren kommt in fast jedem Sommerloch ein Hinterbänkler ode rmehr mit dem Fahrverbot für dies und das. Juristen sehen Führerscheinentzug im Zusammenhang mit Straftaten, bei denen sich nur schwer eine Verbindung zum Straßenverkehr herstellen läßt, kritisch bis verfassungswidrig. Wie das bei Juristen so ist: andere finden das eine tolle Idee. Und so enden solche Vorstöße dann gerne mal so:

Quelle: Merkur onlineEine Meldung aus 2010, und hätte ich etwas mehr Zeit: ich würde noch mehr einschlägige Links für hin und her und hüh und hott finden. Möglicherweise kommt diesmal eine solche Regelung. Wahrscheinlich eher nicht. Wie würde denn ein Führerscheinentzug die Hinterzieher von Zweitwohnungssteuer unter den Berlinder MdB treffen? Eher gar nicht: die haben ja die Fahrbereitschaft des Bundestags. Womit aufgezeigt wäre, was für ein merkwürdiges Instrument der Führerscheientzug ist …

Mit solchen Deja Vus beleidigen Politiker mein Langzeitgedächtnis. Und mein Rechtsempfinden. Aber am meisten meine Abneigung gegen plumpen Populismus. Und ich frage mich: wie können solche Menschen Justizminister werden? Wie ernst nehmen sie Rechtsfragen in anderen Bereichen?

 

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06/18/2014
von Michael Scheuch
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Dreist und unverschämt

Betrachtet man die Niederungen der Regionalpolitik, dann stellt sich schnell heraus, dass nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte Landesminister werden. Etwa in Mecklenburg-Vorpommern. Ihre föderale Bedeutungslosigkeit versucht dann mancher mit “Klartext” zu kaschieren.

Was der dortige Innenminister zu Snowden und der Idee schreibt, diesem die Ehrendoktorwürde von Rostock zu verleihen, das ist schon …

Was hat Snowden denn für unser Land getan? Ich sehe nur, dass er sich von Putin für dessen PR einspannen lässt. Das müsste auch uns Ostdeutschen zu denken geben.

Ich bin seit 2006 Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern. Seit meinem Amtsantritt predige ich, vorsichtig im Umgang mit der Technik zu sein. Wer seinen Rechner einschaltet, muss sich bewusst sein, dass er von dem Moment an nicht mehr allein ist. Egal, wer sich da gerade reinhackt, (…)

Ein Internetausdrucker, der es ja schon immer allen gesagt hat. Wenn er so beschränkt leben will, dann darf er das. Er darf aber nicht erwarten, dass alle Menschen dieses Internet nicht wirklich nutzen wollen.

Zur Causa selbst:

Schauen Sie sich an, wer unsere Rostocker Ehrendoktoren sind. Albert Einstein, Max Planck, Fritz Reuter. Oder auch Joachim Gauck. Gauck ist ein Mann, der unstrittig sehr viel für unser Land getan hat.

Äh. Echt jetzt? Er ist vor allem der Mann, dem zu Snowden und der Bedrohung der Freiheit im Netz nichts eingefallen ist.

Und mit den Ehrendoktorwürden ist das so eine Sache. Auf den ersten Blick mag man ja meinen, es sei eine Ehrung für denjenigen, an den sie verliehen wird. Auf den zweiten Blick (und mit Blick auf diese Rostocker Liste) wird klar: viel eher schmückt sich da eine (Provinz-?)Uni mit berühmten Namen, die eher wenig bis nichts mit der Einrichtung zu tun haben. Oder welche Unterstützung aus Rostock gab es für Albert Einsteins Werdegang?

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06/03/2014
von Michael Scheuch
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Voll böses Amazon

An der Berichterstattung und der Aufregung über Amazon scheine ich mich ja abzuarbeiten. Keine Panik: ich habe noch kein einziges E-Book dort verkauft. Und das mit dem Affiliate-Link sollte ich auch mal streichen. Aber jetzt geht es um die Buchhändler, die Verlage und das fortgesetzte Jammern, wie schlimm Amazon doch. sei.

Dabei trifft einen Konzern, der auch Verlage hat, eine ganz bedeutende Rolle bei der Geschichte: Bertelsmann. Anfang der Nullerjahre hatten es die Gütersloher in der Hand, einen eigenen Online-Buchvertrieb aufzubauen. Und haben es dann grandios versemmelt. Aus vor allem zwei Gründen.

Der erste: das Festhalten an Althergebrachtem. Nämlich dem Bertelsmann-Buchclub. Was für eine tolle Geschäftsidee, im Buchpreisbindungsdeutschland eine Kette mit vierteljärhlicher Kaufverpflichtung zu etablieren, die Hardcover etwas billiger auf den Markt brachte, in der “Buchclubausgabe”. Das war jahrzehntelang super erfolgreich, und warum sollte das nicht so bleiben? (Rhetorische Frage: die Zeiten ändern sich)

Also legte man 2001 die langsam im Aufbau befindliche Buchhandelsplattform bol.de mit dem Buchclub zusammen. Die FAZ schreibt dann auch noch treudoof neudeutsch “Bertelsmann setzt voll auf Community“:

Club-Mitgliedern soll BOL.com künftig als erweiterter Service auf der jeweiligen Club-Seite zur Verfügung stehen. Dadurch können sie zusätzlich zu dem beschränkten Clubangebot aus allen frei im Handel erhältlichen Medienprodukte bestellen. BOL-Kunden hingegen sollen automatisch auf die Sonderangebote im Club hingewiesen werden.

Ja, Hammeridee. Weiterlesen →

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05/28/2014
von Michael Scheuch
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Antibiotika-Missbrauch-Missbrauch

Es ist eine von diesen vielen Mitteilungen zum Thema Lebensmittelsicherheit, die uns fast jeden Tag erreichen, und auf die das Publikum inzwischen eher abgestumpft reagiert. Antibiotika in Wurstwaren, melden die GRÜNEN. Ich weiß eine Reihe ihrer Untersuchungen zu schätzen, etwa zu den Gewinnen der Energiekonzerne in den letzten Jahrzehnten oder zu den Auswirkungen einer Finanztransaktionssteuer.

Hier heißt es jetzt:

“Von 63 Wurst- und Schinkenproben wurden auf 10 Produkten ESBL-bildende Bakterien nachgewiesen (16 Prozent). Bei den Wurstwaren sind besonders die Mettprodukte (Mettbrötchen, Zwiebelmett) auffällig. Hier haben wir in 22 Prozent der Proben ESBL-bildende Bakterien gefunden (8 Proben von insgesamt 36).”

Das klingt schlimm, schlimm, schlimm. Und daher war das auch ideales Medienfutter. Hier mal die Googlesuche dazu.

Screenshot 28.5.2014Also: großes Bohei. Wie bei jeder Lebensmitteluntersuchung. Bis ich dann den Artikel bei der ZEIT gelesen habe und jetzt wieder einmal weiß, warum es gut ist. Journalisten zu haben.

“Auch ist die Quote positiv getesteter Wurstproben mit 16 Prozent nicht mal so alarmierend, wie etwa die Ergebnisse niederländischer Forscher zu Hühnerfleisch: “Darin finden sich zum Teil in etwa 90 Prozent der Proben resitente Keime, die Resistenzenzyme produzieren”, sagt der Mikrobiologe und Arzt Ivo Steinmetz vom Friedrich-Loeffler-Institut an der Uniklinik Greifswald. Er hatte im Sommer vor zwei Jahren mit Wissenschaftlern der Charité in Berlin und dem Robert-Koch-Institut erstmals deutsches Hähnchenfleisch gezielt auf ESBL untersucht (Kola, Steinmetz et al., 2012). Das Ergebnis: Mehr als 40 Prozent der Proben wiesen resistente Keime auf. “

Was bedeuten könnte: das Thema ist nach wie vor wichtig, der Aufhänger aber eher so mindergut.

Und es bedeutet auch: die wichtigsten Werkzeuge eines Journalisten sind

  • sein Misstrauen: ist eine Meldung eine Neuigkeit oder wieder mal so gemacht, dass die meisten sie für eine Neuigkeit halten,
  • seine Fähigkeit, Zusammenhänge herzustellen,
  • sein Gedächtnis – gab es da nicht mal schlimmere Zahlen?
  • und sein Archiv – das wird wieder wichtiger werden, wenn Google demnächst Dinge vergisst.

Sonst stumpft das Publikum einfach weiter ab.