Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

13. April 2018
von Michael Scheuch
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Studies from hell: Alkohol

Studien sind die Sättigungsbeilage des Journalismus. Kein Tag ohne Studie, Umfrage oder Ähnliches. Manchmal sind diese Studien Käse, manchmal das, was Journalisten daraus machen. Verheerend: in so genannten Sozialen Netzwerken werden „Studienergebnisse“ unglaublich gerne geteilt. Und daher werden immer mehr Studien zu Berichterstattungsanlässen, und es entstehen auch mehr Studien, weil Firmen, Institutionen, NGOs und manchmal auch auf der Suche nach Drittmitteln oder Existenzberechtigung stehende Wissenschaftler immer mehr Studien erstellen.

Ein Ausbruch aus der Spirale der Studienberichterstattung scheint unmöglich.

Heute:


Sagenhaft. Hier der Text der Webseite dazu:

Ein internationales Forscherteam schreibt jetzt im Fachmagazin The Lancet: In den meisten Ländern sind die Grenzwerte zu hoch. Die Wissenschaftler haben in einer Mammutstudie fast 600.000 Menschen aus 19 Ländern über mehrere Jahre begleitet – die Hälfte von ihnen trank Alkohol, die anderen nicht.

Äh, nein, das haben Wissenschaftler nicht getan. Ordentlich verlinkt das Studiendesign. Kurz: die Wissenschaftler beziehen sich auf drei Datenbanken aus 19 „High Income Countries“ und 83 prospective studies und zum Justieren weitere 37 Studien mit 152.000 Teilnehmern. Kurz: es ist eine Meta-Studie. Alles klar, das macht man so, wenn man hohe Fallzahlen haben will. Das ist aber nicht „Wissenschaftler in einer Mammutstudie begleiten“. Die Wissenschaftler werten Datenbanken aus. Weiterlesen →

10. April 2018
von Michael Scheuch
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Pro-Tipp für Kollegen zum Thema #Dashcam

Die ganze Vorberichterstattung zum erwarteten BGH-Urteil krankt schon daran, dass sich wieder kaum jemand mit dem Thema vorher beschäftigt hat (dann aber Interviews führt oder schonmal Kommentare von sich gib (HRinfo)). Bevor nachher wieder Verwunderung auftritt: ja, eine ganz häufige Funktion bei echten Dashacams ist die Aufnahmefunktion inklusive Löschen nach 30 Sekunden bis 1 Minute, es sei denn, der Erschütterungssensor registriert einen Unfall. Dann bleibt die Aufnahme bestehen. Datenschützer glücklich? Möglich.

9. April 2018
von Michael Scheuch
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„Ich“ und die Krimis

Nur ganz kurz: die Kritik am deutschen Krimi-Wesen im TV in allen Ehren, ein Klassiker, jahrzehntealte geübte Medienkritiker-Praxis, und doch eigentlich was fürs Sommerloch, aber Hans Hoff muss mal (wieder), neudeutsch, ranten.  Krimi-Allergie: Folgt bald das böse Erwachen?

17 mal das Wort „Ich“ in zehn Absätzen. Großartiger Ego-Tripp.

Und die rhetorische Frage „Folgt bald das böse Erwachen?“ leider ohne jedes Indiz außer der eigenen Krimi-Abneigung und -Enthaltsamkeit

Und ich denke, dass es nicht mehr allzu lang dauern wird, bis es mir auch andere gleichtun werden.

Gibt es irgendein Indiz dafür?

Ach was.

Hiermit bewerbe ich mich zum x-ten Mal bei irgendwem als Kolumnist. Ich will das auch machen dürfen. Ich. Hallo. Ich!

 

Photo by Pawel Kadysz on Unsplash

9. April 2018
von Michael Scheuch
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Fischer vs. Burmester – Männlicher oder weiblicher Journalismus? Oder einfach kritisierbarer Journalismus?

Vielleicht muss ich diesen meinen Tweet ein bisschen erläutern:

Es geht um diese Kolumne von Silke Burmester beim Deutschlandfunk Kolumnisten muss man sich auch leisten können

Im Tweet verlinkt seine Erwiderung, und hier die Quelle allen Übels: Das Sternchen-System: Thomas Fischers Zeit-kritische Anmerkungen zum Medien-„Tribunal“ gegen Dieter Wedel

Die Vorgeschichte: Thomas Fischer ist Ex-BGH-Richter. Er hat(te) eine Kolumne bei Zeit-Online, und dem Internet gemäß immer sehr viel Platz, seine Gedankengänge zur Entfaltung zu bringen.

Aus meiner Sicht sind es in der Regel folgende Hauptthemen, die er dabei perpetuiert:

  • Das geringe Allgemeinwissen über Juristerei im Allgemeinen und Strafrecht im Besonderen, in der Gesellschaft, aber vor allem bei Journalistinnen und Journalisten. Richtig unter die Decke bekommt man ihn mit der falschen Verwendung von Fachtermini. Gut, das kann einem bei einem eingefleischten Physiker auch passieren, nur wird dessen Fachvokabular nicht in allen möglichen gesellschaftlichen Debatten falsch bis mißbräuchlich verwendet (außer wohl in der so genannten Klimadebatte).
  • Die entweder absichtlich oder fahrlässig irreführende Verwendung von Statistiken, Studien und Umfragen – durch politische Parteien oder durch, schon wieder, Journalisten. Wie auf dem Fachgebiet der Jurisprudenz ist auch auf dem Fachgebiet der Empirischen Sozialforschung gesundes Halbwissen Trumpf. Häufig sind es bei ihm Probleme in der Auslegung der verschiedenen Kriminalitätsstatistiken, die seinen wortreichen Unmut erregen. Und immer dann, wenn er etwa der AfD oder den Innenministern unlauteren Umgang mit Zahlen, Daten, Fakten (ZDF) vorwirft, dann kann er sich des „linksliberalen“ Applauses auch sicher sein.
  • Der Ruf nach „strengeren Gesetzen“ und das grundsätzliche Mißtrauen oder der Ärger über die angeblich zu lasche / zu strenge / auf jeden Fall zu… Justiz. Nicht dass in seinen Augen alles gülden mit der Dritten Gewalt sei, dass ihr aber grundsätzlich zu wenig zugetraut wird, das nervt den Ex-BGH-Richter ganz gewaltig. Immer wenn nach irgendwelchen Vorkommnissen (etwa der Silvesternacht in Köln, na, bekommen wir die Jahreszahl noch hin) laut nach mehr Polizei und schärferer Justiz und neuen Gesetzen gerufen wird, dann ist Fischer ungelaunt.

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29. März 2018
von Michael Scheuch
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Facebook ist böse, Datenschutz aber auch – sagen die Verleger oder zumindest die FAZ

Das wäre alles so super: Facebook steht in der Kritik und am Pranger und unter Beschuss und alles Mögliche, und damit endlich mal einer dieser furchtbaren Konzerne (die anderen sind Google, Apple und Amazon), die den deutschen Medien angeblich so unfair das Leben schwer machen. Hurra, auf sie mit Gebrüll, könnte man denken, endlich zahlen wir Facebook seine Kundenorientierung und seine Werbepower heim. Kaum vorzustellen, mit welchem Schaum vor Mund ein öffentlich-rechtliches Gebilde unmissverständlich seine Übeltaten vorgehalten bekäme: Datenschutz! Abfischen von Freundesdaten! Aussitzen der Affäre!

Also wird in den Kommentaren Facebook, sagen wir mal, gerügt. Etwa bei diesem hier von Patrick Bernau Facebook ohne Freunde:

Für Facebook ist das eine gefährliche Entwicklung. Den Aktionären ist das nicht entgangen. Der Kurs des Unternehmens hat in der vergangenen Woche rund ein Siebtel verloren. Auch der Firmengründer Mark Zuckerberg musste reagieren: Er denkt öffentlich darüber nach, ob Regulierung nicht doch gut wäre. Wenn der Chef auf Gesetze hoffen muss, um das Vertrauen seiner Kunden zurückzugewinnen, dann steht es schlecht um ein Unternehmen.

Wieso so zahnlos? Verständnisvoll? Mitleidig? Der letzte Absatz: Weiterlesen →

29. März 2018
von Michael Scheuch
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Des Kremls Lobbyist: Russland kann es gar nicht gewesen sein

Auf der einen Seite haben wir, Medien und Bürger, ein Problem: sollen wir Theresa May und ihren Vorhaltungen gegenüber Russland trauen, was die Vergiftung des Ex-Agenten Skripal angeht? Es geht um Geheimdienstzeug, und um eine Geschichte, die wir in Roman und Film eher in der Fiktion ansiedeln würden. Auf der anderen Seite ist nicht alles, was wir merkwürdig finden, auch falsch.

Und dann gibt es Matthias Platzeck. Er ist augenblicklich gern genommener Interview-Gast in fast allen Medien, als Repräsentant des Deutsch-Russischen Forums prädestiniert, Verständnis für Russlands Herrscher Wladimir Putin zu haben und zu artikulieren. Klar, auch er soll etwas zur Ausweisung von Diplomaten aus westlichen Staaten sagen. Die vollkommen überforderte „Moderatiron“ bei hr-info stammelt sich durch das Interview. Der Versuch, mehr so pauschale Anti-Russland-Vorwürfe zu formulieren ist natürlich kein adäquater Umgang mit Platzeck, der ja nun nicht doof ist.

Umso mehr hat mich geärgert, dass er mit seinen eingeübten Argumentationsmustern einfach so durchkommt. Er hat sich für die Interviews dieser Tage vor allem einen Satz zurecht gelegt (auch bei tagesschau.de /Focus etc.):

„Wir handeln hier nach dem Motto: Wir erschießen erst mal den Verdächtigen und prüfen dann die Beweise.“

Da greift der Ex-SPD-Chef aber tief in die Kiste mit absurden Vorwürfen: im Gegensatz zu den toten Journalisten in Russland ist Russland selbst und sein Machthaber quicklebendig. Das Ausweisen von Diplomaten mag ein wenig aus der Mode gekommen sein, ist aber nach wie vor eher unter „Symbolpolitik“ denn unter aggressiver Aktion abzuspeichern. In dieser konzertierten Aktion sicher ein starkes Symbol – mehr aber auch nicht. Weiterlesen →

28. März 2018
von Michael Scheuch
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#Journalisten sind so berechenbar

Da hat es eine „Liebestesterin“ aber geschafft: der Spiegel (im Pay Angebot), ze.tt und wie sie alle heißen haben tolle Schlagzeilen

Da hat die PR-Agentur für das Buch „Lockvogel“ aber wirklich ganze Arbeit geleistet. Das war aber auch einfach, so sind Journalisten halt gestrickt: ein bisschen halbseidenes Thema, angeblich „originell“ und schon läuft das wie die Luzie. Hat vor ein paar Monaten mit dem angeblichen Tabu „Menstruation“ und dem Buch dazu auch geklappt, von der Lokalpresse bis zur taz und noch viel weiter wurde das „letzte Tabu“ ausgewalzt, was dafür spricht, dass das mit der Etikettierung als „Tabu“ ein Marketingtrick, nicht aber mehr war (suchen Sie jetzt nach „Menstruation“ bei news.google.de und alleine die Treffer aus dem März sind umfassend).

So wird es immer sein: es kommt die nächste Prostituierte, die ihren Job gerne macht. Der nächste Frauen-Porno. Oder eines der anderen Journalisten-Lieblingsthemen: „So habe ich mich auf meinen ersten Marathon vorbereitet“ oder andere Geschichten ums eigene oder fremde Laufen. Radfahren. Die Rückkehr des Tante Emma Ladens. Veganismus. Themen, die Journalisten halt gut finden.

 

Photo by Matthew Guay on Unsplash

27. März 2018
von Michael Scheuch
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Ein fast ganz guter Kommentar der FAZ zu Horsts Islam-Ding

Jasper von Altenbockum  hat dem neuen Innenminister mal ganz deutlich einen mitgegeben:

Er (Seehofer, Anm.d.Bloggers) verband den Satz, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, mit der Ankündigung, die Islamkonferenz wiederbeleben zu wollen. Wozu eine solche Konferenz, wenn der Islam doch gar nicht zu Deutschland gehört? Viel grundlegender ist aber ein anderer Widerspruch: Ein Staat, der Religionsfreiheit zu seinen wichtigsten Grundrechten zählt, kann seiner Gesellschaft nicht vorschreiben, welche Religion zu ihr gehört und welche nicht. Seine Aufgabe gegenüber jeglichen Glaubensgemeinschaften besteht darin, dafür zu sorgen, dass sich keine von ihnen anmaßt, diese Grundrechte zu verletzen.

Und zur untauglichen rechts-einholen-und-überholen Taktik der CSU:

Wo aber hört der Islam auf und fängt der Islamismus an? Um sich die Sache leichtzumachen, haben sich die AfD und offenbar auch Teile von CSU und CDU dazu entschlossen, beides einfach gleichzusetzen. Dadurch ist nur ein Islam vorstellbar, der dem Staat mit Gewalt die Scharia aufzwingen will. Die AfD braucht ein solches Feindbild, um nach außen und innen Stimmung machen zu können. Die CSU braucht es vielleicht nur vor der Bayernwahl; sie gefährdet damit aber die politische Lehre, die gerade die Union aus den zerstörerischen Kräften solcher früher konfessioneller Feindbilder gezogen hat.

Also Bravo und alles richtig gemacht, liebe FAZ? Nachdem Altenbockum den Unsinn der „gehört nicht zu Deutschland“-Debatte klar gemacht hat biegt er zu Recht zur Frage ab, was denn Juden von der Vereinnahmung als „christlich-jüdische“-Tradition halten müssen, endet dann aber leider mit der Antisemitismus und Muslime-Gleichsetzung:

Der Antisemitismus gehört aber hoffentlich ein für alle Mal nicht mehr zu Deutschland. Das und vieles andere mehr wird darüber entscheiden, ob der Islam zu Deutschland gehört. Eines Tages.

Das „Eines Tages“ macht dann alles wieder kaputt. Schade, FAZ.

Photo by Raphael Schaller on Unsplash

12. März 2018
von Michael Scheuch
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Meine Leseliste (18/8) Integration / Spitzers Thesendurchfall

Erfahrungen von der Integrationsfront

Ist jeder(r), der oder die sich mit den Problemen der Flüchtlingswelle von 2015 auseinandersetzt, automatisch Rechts oder gar Nazi? Sicher nicht. Die Gefahr ist allerdings, wenn man eine Bestandsaufnahme macht, groß, als ebensolche(r) beschimpft zu werden. Lesenswert der Beitrag Ein Kulturschock für beide Seiten aus der taz, in der Gerit Arlom berichtet, unter welchen Umständen er Deutsch als Zweitsprache in so genannten Integrationskursen unterrichtet:

Mehr als 20 Namen stehen auf meiner Liste, um 10 Uhr 30 sind immerhin 13 anwesend. Erfreulicherweise geht niemand nach der zweiten Pause um 12 Uhr wie sonst eigentlich immer. Ich lasse die fehlenden Teilnehmer inzwischen nachträglich ein Entschuldigungsformular ausfüllen, auf dem Gründe angegeben werden müssen. Mit jedem neuen Kurs werde ich strenger. Mehr und mehr finde ich mich in einer Rolle wieder, die ich nie wollte – die einer Erzieherin für erwachsene Menschen.

Der Bericht ist deshalb so wichtig, weil erzeigt, dass wir als Gesellschaft gut daran tun würden, den Menschen zuzuhören, die an der „Integrationsfront“ mit positiver Einstellung und Engagement arbeiten. Wenn diese um Hilfe rufen, dann ist es höchste Zeit. Bevor die Aufgabe unlösbar wird.

Diese Anmerkung in den Kommentaren scheint mir auch authentisch zu sein:

Ja, das mache ich beruflich seit 5 Jahren und kann Ihnen und dem Bericht nur beipflichten. Nur stört das die heile Latte-Macchiato-Welt von Menschen wie „Uranus“ oder dem Taz-Schreiberling Christian Jacob nicht, die ihre interkulturelle Kompetenz höchstwahrscheinlich aus regelmäßigen Besuchen des türkischen Restaurants um die Ecke beziehen. „Toleranz“ wird von Hardlinern als klassische westliche Schwäche ausgelegt. Zu ergänzen wäre dem Bericht von Gerit Arlom noch, dass man als Dozentin Glück haben muss, wenn man einen Träger hat, bei dem man unsere Regeln auch vermitteln darf. Gerade freitags erklären einem manche Teilnehmer frank und frei, dass die nicht erscheinen müssen, bei Nachfrage, seit wann das Freitagsgebet schon morgens um 8 beginne, stammeln sie etwas von Vorbereitung und außerdem sei dies ja Religionsfreiheit. Dies gilt freilich oft auch für die Kinder, die Schulpflicht muss da schon mal nachstehen. Darin werden sie ausgerechnet von linken Dozentinnen unterstützt, die Atheisten sind und in nicht wenigen islamischen Ländern um ihr Leben fürchten müssten. Vermutlich wäre eine Unterrichtsbefreiung am Freitag aber das, was Uranus unter gelungener Integration versteht. Christen und vor Allem Jesiden fassen sich bei uns freilich an den Kopf, aber deren Erfahrungen interessieren uns interessanterweise nicht so sehr.

Spitzer

Dieser Mann beeindruckt immer noch viele Eltern und Journalisten – man mag an der Welt verzweifeln. Und sagen wir mal so: ausgerechnet die Social-Media-Units der ÖR springen auf den Zug auf, weil er nun mal provoziert und daher Reaktionen hervorbringt, und die sind die neue Währung, vollkommen unabhängig ob Relevanz oder Firlefanz. Vernehmt meint tiefes Seufzen. Weiterlesen →

6. März 2018
von Michael Scheuch
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Meine #Leseliste (18/7): Dumme Talkshowparolen / Satire

Politisch oder korrekt?

In der taz am Wochenende gab es einen sehr hintergründigen Text über einen Meinungskampf an der Universität, im Kern geht es um „Wissenschaft“ contra „Haltung“, und da ist eine trotzkistische Gruppe (was es nicht alles noch gibt) im „Fight“ mit dem Historiker Baberowski. Zwar ist mir jemand, der Roland Tichy retweetet auch nicht grundsätzlich sympathisch, aber dennoch: eine Analyse diktatorischer Systeme muss erlaubt sein.

In Baberowski und Münkler trifft die Kritik zwei prominente Professoren, die das öffentliche Wort nicht scheuen und mit Medien umzugehen wissen; und in beiden Fällen ist auf studentischer Seite eine kleine linke Hochschulgruppe involviert, die Baberowski nur „die Sekte“ nennt.

Alexander Schnickmann, 23, blass, kahl, rundes Gesicht, dunkle Brille, schätzt die Herausforderung, schätzt den Dissens, schätzt deswegen auch Jörg Baberowski, für den er als studentische Hilfskraft arbeitet. „Alle haben die gleiche Meinung“, sagt er, „es ist eine große Blase an der Uni.“ Dazu gehören für ihn eine Portion Moralismus und Selbstbezogenheit, zählen Identitätsdiskurse, kulturalistisches Denken, all das, was man unter den Begriff Politische Korrektheit packt.

Mich erinnert das schon an meine Studienzeit, es scheint heute aber noch konfliktbeladener zu sein, da sind die teilnahmslos vor sich hin Studierenden, da die Aktivisten. Es bleibt wirklich schwierig, wenn es um die Rolle der Intellektuellen in Deutschland geht. Wann schalten die sich in aktuelle Debatten ein ohne sich durch allzu grundlegende Diskussionen selbst aus dem öffentlichen Diskurs zu nehmen?

Für mich aber der wichtigste „Satz“:

„Widerlegen Sie sich selbst, einmal am Tag, das tut gut“, sagt er. Das sagt sich so leicht.

Also der Appell, sich selbst, seine Aussagen und seine Überzeugungen, wieder und wieder auf den Prüfstand zu stellen. Das ist durchaus erstrebenswert.

Talkshow- oder AfD-Geschwätz

Thomas Fischer, selbst- und sendungsbewusster Ex-BGH-Richter vertritt von Zeit zu Zeit kontrovers diskutierte Meinungen, aber in aller Regel ist es eine Freude, seinen Argumentationsketten und Gedankengängen zu folgen – er kann dabei helfen, dieses „Widerlegen“ von sich selbst anzutreiben, wenn er gegen den Stachel löckt. In diesem Text bei Meedia hat er sich eine Talkshow vorgenommen, in der das apokalyptische Duo Reichelt/Plasberg das „gesunde Volksempfingen“ ausgepackt hat. Weiterlesen →