Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

07/24/2014
von Michael Scheuch
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Amateure überall

Stefan Niggemeier hat zu Recht darauf hingewiesen: das arbeiten mit Schwenks, Schärfentiefe und Bildelementen im Vordergrund: das geht gar nicht. Es wird Zeit, der Ästhetik im Fernsehen den Kampf anzusagen. Denn gerade die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Europas haben den Auftrag, vor allem bildlich langweilig zu sein. Seinem Beispiel kann ich nur die verdammungswürdige Unterhaltungsreihe Sherlock hinzufügen – die zu Recht ja immer wieder kritisiert wird. Hier nur ein paar verstörende Beispiele, ohne “das weiter recherchiert” zu haben. Alleine die ersten sechs stammen aus einem Zeitraum von nur 3 Minuten. Diese Schlüsselszenen muss ich folgenden kurz dokumentieren. Ich habe ja ein Screenshot-Programm.

Was optisch so daherkommt, das kann inhaltlich ja gar nichts sein. Daher gehe ich auf den Inhalt auch gar nicht ein.

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Sherlock, Staffel 2, Episode 3: Der Reichenbach-Fall.

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07/03/2014
von Michael Scheuch
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LdT: Ins Ausland fahren

Auf die Frage “Was hat die EU je für uns getan?” gibt es jetzt noch einen Antwortvorschlag: eine App gebaut. Auf Deutsch schön holprig “Ins Ausland fahren”, ansonsten “Going Abroad” heißt die App und sorgt dafür, dass man die Verkehrsregeln in anderen Ländern (der EU) abrufen kann. Ich selbst habe gemerkt, dass mit dem Wegfall der Grenzkrontrollen und der Einführung des Euro auch die Reisevorbereitung an und für sich ein bisschen nachlässiger werden. Dass in anderen Ländern ganz andere Regeln gelten, das merke ich manchmal erst dort (wie war das nochmal mit dem Tempo außerorts?).

Also ich finde es praktisch:

App für Android

App für iOS

App für Windows Phone

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06/28/2014
von Michael Scheuch
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Haltet den Dieb!

Zu den konsequentesten NSA-Verharmlosern und Technik-Dummys gehört Mitherausgeber Josef Joffe von der ZEIT. Dass er von Internettechnik keine Ahnung hat, das hat er schon sehr häufig unter Beweis gestellt, und dass er den amerikanischen Freunden beim besten Willen nichts Kritisches entgegensetzen kann auch. Neuestes Statement: NSA=harmlos, kommerzielle Datensammler=daswahrechteböse. Das passt gut zur Dämonisierungsstrategie gegen Google, die die Verlage mit allergrößter Hartnäckigkeit und unter Ausnutzung ihrer publizistischen Stellung verfolgen.

Er versteigt sich zur Behauptung:

Die FTC zeichnet das Bild eines privaten Überwachungsmolochs, der die NSA (und BND und Co. sowieso) zum Amateurverein degradiert.

Dass die FTC als amerikanische Bundesbehörde durchaus auch ein Interesse daran haben könnte, von der NSA abzulenken, das kommt Joffe natürlich nicht in den Sinn. Und in seiner Verkennung technischer Möglichkeiten meint er doch glatt:

Die NSA weiß, wer mit wem von wo telefoniert oder gemailt hat. Für Präzis-Persönliches müssen die Ermittler im Inland (nicht im Falle des Kanzlerinnen-Handys) einen Bundesrichter bemühen.

Er ignoriert, welch reichen Schatz Meta-Daten darstellen. Die übrigens ein nicht zu fälschendes Abbild des Kommunikationsverhaltens eines Menschen zeigen. Gerade Journalisten müsste das mehr als nur beunruhigen.

Wie zielsicher Werbung ausgeliefert wird, das kann inzwischen jeder beurteilen (vielleicht mit Ausnahme von Josef Joffe, der anscheinend das Internet nicht nutzt): die Trefferquote individualisierter Werbung ist mau.

Natürlich solle man regulatorisch der Datensammelwut Grenzen setzen, die Werbenetzwerke und andere Akteure, die besinnungslos Daten sammeln sollte man in Schranken weisen.

Dazu gehören übrigens auch die Angebote deutscher Onlinemedien, hier DIE ZEIT, das Angebot von Josef Joffe, dass bei der Datensammelei mitmacht. Ghostery vermeldet 12 Netzwerke, die im Hintergrund meinen Aufruf seines warnenden Artikels registrieren. Lang lebe die Doppelmoral des “Haltet den Dieb”. ZEIT Online 26.6.2014

Überzeugt wäre ich vom Joffe’schen Impetus erst, wenn er sich mal schlau machen würde, was Meta-Daten wirklich sind und Zeit Online auf die Verwendung von Datensammeltools verzichten würde.

ZEIT Online 26.6.2014  Aber darum geht es ja nicht.

Lustig übrigens, wenn Joffe dann mal selber hart am Netz recherchiert:

Schlimmer aber: Was gesammelt wird, verschwindet nie wieder. Dieser Autor hat im Digital-Telefonbuch der USA seinen Namen eingegeben. Da findet er heute noch, wo er mit wem vor 30 Jahren gewohnt hat – und wie teuer das Haus inzwischen ist.

Ach was. Wow. Immerhin schafft er es nicht, daraus ein Bedrohungsszenario zu entwickeln. Statt solcher Sinnlosrecherche sollte er lieber mal die Telefondaten seiner Redaktion von einem Dritten analysieren lassen. Die finden ganz sicher schnell heraus, an welchen Geschichten die ZEIT-Redakteure gerade arbeiten und wer die wichtigsten Informanten sind. Das sollte Joffe beunruhigen, nichts anderes.

 

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06/25/2014
von Michael Scheuch
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Fehler in der Matrix

Mit zunehmendem Alter häufen sich die Deja Vu’s, und das ist nicht witzig. Heute mal wieder: Steuerstraftäter sollen den Führerschein entzogen bekommen. Fordert mal wieder ein Justizminister, und weil er von der SPD ist, muss der Zahnarzt und der Porsche dran glauben:

QUELLE: fAZ.netDas Thema ist wahnsinnig neu und aktuell. In den gefühlt letzten 20 Jahren kommt in fast jedem Sommerloch ein Hinterbänkler ode rmehr mit dem Fahrverbot für dies und das. Juristen sehen Führerscheinentzug im Zusammenhang mit Straftaten, bei denen sich nur schwer eine Verbindung zum Straßenverkehr herstellen läßt, kritisch bis verfassungswidrig. Wie das bei Juristen so ist: andere finden das eine tolle Idee. Und so enden solche Vorstöße dann gerne mal so:

Quelle: Merkur onlineEine Meldung aus 2010, und hätte ich etwas mehr Zeit: ich würde noch mehr einschlägige Links für hin und her und hüh und hott finden. Möglicherweise kommt diesmal eine solche Regelung. Wahrscheinlich eher nicht. Wie würde denn ein Führerscheinentzug die Hinterzieher von Zweitwohnungssteuer unter den Berlinder MdB treffen? Eher gar nicht: die haben ja die Fahrbereitschaft des Bundestags. Womit aufgezeigt wäre, was für ein merkwürdiges Instrument der Führerscheientzug ist …

Mit solchen Deja Vus beleidigen Politiker mein Langzeitgedächtnis. Und mein Rechtsempfinden. Aber am meisten meine Abneigung gegen plumpen Populismus. Und ich frage mich: wie können solche Menschen Justizminister werden? Wie ernst nehmen sie Rechtsfragen in anderen Bereichen?

 

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06/18/2014
von Michael Scheuch
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Dreist und unverschämt

Betrachtet man die Niederungen der Regionalpolitik, dann stellt sich schnell heraus, dass nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte Landesminister werden. Etwa in Mecklenburg-Vorpommern. Ihre föderale Bedeutungslosigkeit versucht dann mancher mit “Klartext” zu kaschieren.

Was der dortige Innenminister zu Snowden und der Idee schreibt, diesem die Ehrendoktorwürde von Rostock zu verleihen, das ist schon …

Was hat Snowden denn für unser Land getan? Ich sehe nur, dass er sich von Putin für dessen PR einspannen lässt. Das müsste auch uns Ostdeutschen zu denken geben.

Ich bin seit 2006 Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern. Seit meinem Amtsantritt predige ich, vorsichtig im Umgang mit der Technik zu sein. Wer seinen Rechner einschaltet, muss sich bewusst sein, dass er von dem Moment an nicht mehr allein ist. Egal, wer sich da gerade reinhackt, (…)

Ein Internetausdrucker, der es ja schon immer allen gesagt hat. Wenn er so beschränkt leben will, dann darf er das. Er darf aber nicht erwarten, dass alle Menschen dieses Internet nicht wirklich nutzen wollen.

Zur Causa selbst:

Schauen Sie sich an, wer unsere Rostocker Ehrendoktoren sind. Albert Einstein, Max Planck, Fritz Reuter. Oder auch Joachim Gauck. Gauck ist ein Mann, der unstrittig sehr viel für unser Land getan hat.

Äh. Echt jetzt? Er ist vor allem der Mann, dem zu Snowden und der Bedrohung der Freiheit im Netz nichts eingefallen ist.

Und mit den Ehrendoktorwürden ist das so eine Sache. Auf den ersten Blick mag man ja meinen, es sei eine Ehrung für denjenigen, an den sie verliehen wird. Auf den zweiten Blick (und mit Blick auf diese Rostocker Liste) wird klar: viel eher schmückt sich da eine (Provinz-?)Uni mit berühmten Namen, die eher wenig bis nichts mit der Einrichtung zu tun haben. Oder welche Unterstützung aus Rostock gab es für Albert Einsteins Werdegang?

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06/03/2014
von Michael Scheuch
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Voll böses Amazon

An der Berichterstattung und der Aufregung über Amazon scheine ich mich ja abzuarbeiten. Keine Panik: ich habe noch kein einziges E-Book dort verkauft. Und das mit dem Affiliate-Link sollte ich auch mal streichen. Aber jetzt geht es um die Buchhändler, die Verlage und das fortgesetzte Jammern, wie schlimm Amazon doch. sei.

Dabei trifft einen Konzern, der auch Verlage hat, eine ganz bedeutende Rolle bei der Geschichte: Bertelsmann. Anfang der Nullerjahre hatten es die Gütersloher in der Hand, einen eigenen Online-Buchvertrieb aufzubauen. Und haben es dann grandios versemmelt. Aus vor allem zwei Gründen.

Der erste: das Festhalten an Althergebrachtem. Nämlich dem Bertelsmann-Buchclub. Was für eine tolle Geschäftsidee, im Buchpreisbindungsdeutschland eine Kette mit vierteljärhlicher Kaufverpflichtung zu etablieren, die Hardcover etwas billiger auf den Markt brachte, in der “Buchclubausgabe”. Das war jahrzehntelang super erfolgreich, und warum sollte das nicht so bleiben? (Rhetorische Frage: die Zeiten ändern sich)

Also legte man 2001 die langsam im Aufbau befindliche Buchhandelsplattform bol.de mit dem Buchclub zusammen. Die FAZ schreibt dann auch noch treudoof neudeutsch “Bertelsmann setzt voll auf Community“:

Club-Mitgliedern soll BOL.com künftig als erweiterter Service auf der jeweiligen Club-Seite zur Verfügung stehen. Dadurch können sie zusätzlich zu dem beschränkten Clubangebot aus allen frei im Handel erhältlichen Medienprodukte bestellen. BOL-Kunden hingegen sollen automatisch auf die Sonderangebote im Club hingewiesen werden.

Ja, Hammeridee. Weiterlesen →

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05/28/2014
von Michael Scheuch
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Antibiotika-Missbrauch-Missbrauch

Es ist eine von diesen vielen Mitteilungen zum Thema Lebensmittelsicherheit, die uns fast jeden Tag erreichen, und auf die das Publikum inzwischen eher abgestumpft reagiert. Antibiotika in Wurstwaren, melden die GRÜNEN. Ich weiß eine Reihe ihrer Untersuchungen zu schätzen, etwa zu den Gewinnen der Energiekonzerne in den letzten Jahrzehnten oder zu den Auswirkungen einer Finanztransaktionssteuer.

Hier heißt es jetzt:

“Von 63 Wurst- und Schinkenproben wurden auf 10 Produkten ESBL-bildende Bakterien nachgewiesen (16 Prozent). Bei den Wurstwaren sind besonders die Mettprodukte (Mettbrötchen, Zwiebelmett) auffällig. Hier haben wir in 22 Prozent der Proben ESBL-bildende Bakterien gefunden (8 Proben von insgesamt 36).”

Das klingt schlimm, schlimm, schlimm. Und daher war das auch ideales Medienfutter. Hier mal die Googlesuche dazu.

Screenshot 28.5.2014Also: großes Bohei. Wie bei jeder Lebensmitteluntersuchung. Bis ich dann den Artikel bei der ZEIT gelesen habe und jetzt wieder einmal weiß, warum es gut ist. Journalisten zu haben.

“Auch ist die Quote positiv getesteter Wurstproben mit 16 Prozent nicht mal so alarmierend, wie etwa die Ergebnisse niederländischer Forscher zu Hühnerfleisch: “Darin finden sich zum Teil in etwa 90 Prozent der Proben resitente Keime, die Resistenzenzyme produzieren”, sagt der Mikrobiologe und Arzt Ivo Steinmetz vom Friedrich-Loeffler-Institut an der Uniklinik Greifswald. Er hatte im Sommer vor zwei Jahren mit Wissenschaftlern der Charité in Berlin und dem Robert-Koch-Institut erstmals deutsches Hähnchenfleisch gezielt auf ESBL untersucht (Kola, Steinmetz et al., 2012). Das Ergebnis: Mehr als 40 Prozent der Proben wiesen resistente Keime auf. “

Was bedeuten könnte: das Thema ist nach wie vor wichtig, der Aufhänger aber eher so mindergut.

Und es bedeutet auch: die wichtigsten Werkzeuge eines Journalisten sind

  • sein Misstrauen: ist eine Meldung eine Neuigkeit oder wieder mal so gemacht, dass die meisten sie für eine Neuigkeit halten,
  • seine Fähigkeit, Zusammenhänge herzustellen,
  • sein Gedächtnis – gab es da nicht mal schlimmere Zahlen?
  • und sein Archiv – das wird wieder wichtiger werden, wenn Google demnächst Dinge vergisst.

Sonst stumpft das Publikum einfach weiter ab.

 

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05/15/2014
von Michael Scheuch
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Digitale Spaltung reloaded

Oh, was sprießen jetzt die Serviceangebote zum Thema “so lösche ich meine Google-Links“, und das ist durchaus legitim, denn den Wahnsinn, der nun folgt, den hat ja alleine der EUGH zu verantworten.

Aber wie geht es wirklich weiter? Aus meiner Sicht ein paar mögliche Szenarien der Zukunft, die auch in kombinierter Form auftauchen können:

Szenario 1: Google hat ein neues Geschäftsfeld: die Personenauskunft gegen Geld. Es geht bei dem Urteil zum Löschen von Links um das “Veröffentlichen” der Links, die Zugänglichmachung von Verbindungen für jeden. Die Linkziele sind nicht das Problem. Google kann (und muss) weiter Links sammeln, wird aber nicht mehr alle Veröffentlichen. Doch unter welchen Umständen könnte man daraus einen Rechercheservice machen, vergleichbar mit einer Detektei? Das müsste man prüfen. Vielleicht kann man gegen Geld auch Rechercheaufträge anstoßen, die erst durch die Beauftragung zu einer Linksammlung führen. Und wenn nicht Google das macht: andere Anbieter werden es machen.

Szenario 2: Google.com liefert nach wie vor die in Europa verbotenen Links, darf dann aber keine in europa aquirierte Werbung mehr zeigen. Das wird eher knifflig.

Szenario 3: Jetzt können russische und chinesische Suchmaschinen mal zeigen was sie können – solange sie keine Dependance un Europa aufmachen und hier Geschäfte machen wollen. Die informierteren Teile der Netznutezrschaft werden sich Suchmaschinen suchen, die nichteuropäisch sind.

Klar ist aber vor allem: es wird die Normaluser geben, die ein von Google nur noch eingeschränktes Angebot bekommen, es wird Menschen geben, die auf exotische Suchmethoden umsteigen können, und es wird die geben, die es sich leisten können, Spezialcrawler zu bezahlen. Die Infoelite qua Geld. Dass Behörden und Geheimdienste ohnehin … geschenkt.

Das Internet hat für den Bürger etwas mehr Waffengleichheit im Kampf um Informationen geschaffen – plötzlich waren viele Daten nicht mehr exklusiv den Eliten, den Medienmachern, den Firmen vorbehalten. Sondern für einen viel weiteren Personenkreis erreichbar. (Ob “verarbeitbar”, das ist etwas anderes) Zuletzt beginnt der Rückschlag: Informationen wieder nur für Wenige, die Reichen und die Gatekeeper.

So hatte ich mir die Fortentwicklung des Netzes eigentlich nicht vorgestellt.

Weitere Links zum Thema:

e-comm: Google muss doch vergessen – das Supergrundrecht auf Datenschutz und die Bowdlerisierung des Internets 

Thomas Stadler: Wer gegen Netzsperren ist, muss auch das EuGH-Urteil zu Löschpflichten von Google ablehnen

Nico Lumma: Die Sache mit dem EuGH-Urteil und dem Recht auf Vergessen

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05/13/2014
von Michael Scheuch
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Schwarzer Tag für Verbraucher

Der EUGH hat heute ein Urteil gefällt, bei dem er bemerkenswerterweise nicht der Empfehlung des Generalanwaltes folgte, sondern Google als Suchmaschine dazu verpflichtet, auf Verlangen Links zu Angeboten mit Daten zu einer Person zu löschen.

Wohl gemerkt: es geht um Suchmaschineneinträge zu existierenden Seiten. Es geht nicht darum, Inhalte von Webseiten zu löschen. Die Suchmaschine wird verkrüppelt.

Man kann das hochjubeln als Sieg der Bürger in Sachen Datenschutz über eine Krake, und da Google gerade bei “allen” auf der Shitliste steht, ist der Jubel allumfassend. Tatsächlich als “Sieg der Verbraucher” habe ich das in den Hörfunknachrichten gehört, und alle Klatschen. Juhu. Datenschutz. Juhu.

Schön für Betroffene: sie müssen jetzt nicht mehr gegen die Betreiber von Internetseiten vorgehen, wenn sie Inhalte aus dem Netz haben wollen, sondern wenden sich zum “Unsichtbarmachen” an Google. Während es gegenüber Inhalteanbietern schwer sein kann, Inhalte loszuwerden, so ist Google jetzt und ab heute ein viel lohnenderes Ziel.

Das gilt vor allem für Inhalte, die vollkommen legal im Netz stehen. Die weder Persönlichkeitsrechte verletzen oder unwahre Behauptungen sind. Bisher: keine Chance, die loszuwerden. Jetzt: ein großer, dicker Hebel.

Und jetzt frage ich mal, wem das besonders nützen könnte.

Richtig: allen Abzockern, Betrügern, zwielichtigen Gestalten. Unternehmen und Unternehmer, die lügen und betrügen. Schonmal eine Pleite hingelegt haben und weitermachen.

Der bisher geltende Tipp, sich vor einem Vertragsabschluss im Internet mal ein Bild vom zukünftigen Vertragspartner zu machen, ist Makulatur.

Denn die braven Bürger, die freuen sich am Recht gegenüber dem bösen Google, aber die Abzocker werden das ganz schnell als “Weißewestemaschine” erkennen. Und dann wird man etwa von seinem Bauträger nicht mehr wissen, dass er schon Käufer hat hängen lassen, nichts von unzufriedenen Kunden erfahren.

Denn Thomas Stadler schreibt:

Der Volltext enthält noch einen bemerkenswerten Aspekt. Der EuGH spricht davon, dass Informationen erst durch Google einer allgemeinen Öffentlichkeit (“general public”) zugänglich gemacht werden, was bedeutet, dass sie ohne Google nur einer eingeschränkten Öffentlichkeit zugänglich sind. Google kann danach selbst bei Inhalten, die im Netz rechtmäßig veröffentlicht wurden, nicht länger davon ausgehen, dass auch die Indizierung für die Googlesuche stets rechtmäßig ist. So manche Berichterstattung zu dem Urteil, erscheint mir nicht ganz zutreffend. Anders als SPON schreibt, geht es nicht nur um die Löschung sensibler persönlicher Daten, sondern um personenbezogene Daten ganz allgemein.

Ich progonstiziere mal: der normale Bürger wird eher selten daran gehen, seine Spuren im Netz zu verwischen – aber je dubioser ein Angebot oder ein Anbieter sind, desto mehr Energie wird er darauf verwenden, aus Googles Ergebnisliste zu verschwinden. Und mit der tollen Erfindung des “Unternehmenspersönlichkeitsrechts” gibt es Unmengen an Möglichkeiten.

Ganz tolle Sache.

 

Das Ganze passt übrigens gut zur publizistischen Welle gegen Google, mindestens mal von den deutschen Verlegern losgetreten, die auch im TV ihre Fortsetzung findet. Meist eher faktenschwach, aber meinungsstark.

 

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05/12/2014
von Michael Scheuch
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LdT: Steuervermeidungsschlupflöcher und Rhetorik

Ich beschäftige mich “gerne” mit dem Thema: die Rhetorik aus der Politik zu Steuervermeidungsstrategien multinationaler Konzerne und die Konfrontation mit tatsächlichem politischem Handeln.

Die Süddeutsche zeigt heute mal, dass da Welten dazwischen liegen.

Nach Schätzungen von Experten gehen dem deutschen Fiskus durch die Tricksereien großer Konzerne pro Jahr mindestens fünf Milliarden Euro verloren. Weil die Multis ihre Gewinne über Grenzen verschieben können, zahlen sie, gemessen an der Betriebsgröße, 30 Prozent weniger Steuern als Firmen, die nur in Deutschland tätig sind. Zum Schaden für den Staat kommt also noch ein Wettbewerbsnachteil für kleinere Betriebe hinzu.

Hier kann man das neue Wort “Lizenzboxen” lernen und was darunter zu verstehen ist.