Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

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10/25/2014
von Michael Scheuch
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Jugend ohne Kanal

Ich halte mich ja bei Themen, die direkt meine Arbeit und meinen Arbeitgeber tangieren, meistens eher zurück. Das betrifft auch den “Jugendkanal” von ARD/ZDF. Schließlich arbeite ich für ZDFInfo, eines dieser digitalen Unternehmungen, bei denen es auch darum geht, öffentlich-rechtliches Profil in Bevölkerungsgruppen zu tragen, die manchmal eher nicht so auf DAS ERSTE und das ZDF stehen.

Ich mag die Entscheidung der Ministerpräsidenten zum Jugendkanal nicht abschließend beurteilen, aber ich denke, dass ein linearer Sender sicher keine Antwort auf verändertes Medienkonsumverhalten gewesen wäre – alleine weil der sich ja die Frage stellen muss, was man um 20:15 zeigt, wenn alle anderen ihr schönstes Gewerk ins Schaufenster stellen, oder auch  von mir aus um 19:00 Uhr, wenn RTL viele Junge mit dem unsäglichen “Berlin – Tag und Nacht” erreicht.

Peer Schader hat bei DWDL ziemlich gut analysiert, was auch mir durch den Kopf ging.

Fakt ist: Die ARD erreicht mit ihrem abends dezidiert als Jugendprogramm positionierten Einsplus schon jetzt im linearen Fernsehen quasi keine jungen Zuschauer; und das obwohl über zwei Jahre Zeit war, die “junge Primetime” als Programm-Alternative im Fernsehen zu etablieren und dafür sämtliche Möglichkeiten des Senderverbundes zu nutzen, um dafür zu werben.

Die Behauptung der ARD, ein Jugendprogramm sei ohne eigenen TV-Kanal “schwerer” zu etablieren, ist Unfug. Die eigentliche Herausforderung wäre gewesen, einem Jugendprogramm im linearen Fernsehen überhaupt messbar viele Zuschauer zuzuführen.

Jetzt kann man zeitlos alles machen, was man glaubt, als ÖR-Sender machen zu können, um das Medienangebot der privaten Sender, der Profi-Youtuber und der privaten Youtube-Uploader zu ergänzen. Also Dinge, die es dort nicht gibt. Etwa gut recherchiertes Programm. Dazu spannend gemacht. Mehr als nur vor der Kamera zu zappeln und mit Jump-Cuts Tempo herstellen.

Schade, dass Daniel Bröckerhoff, einem der Vorzeige Web x.0-Journalisten dazu so gar nix einfällt und er das per ZAPP auch noch, anscheinend stolz, in die Welt hinausläßt.

[Kann ich es eigentlich typisch finden, dass ich das Video hier nicht embedden kann?]

Leider nicht einzubetten...

Leider nicht einzubetten…

Kann man allerernstens beklagen, dass die Ministerpräsidenten den Sendern nicht vorgeschrieben haben, wie sie ein Internetangebot zu gestalten haben? Ich hätte ja mal nicht das Geschrei hören mögen, wenn sie es getan hätten! Schade, dass persönliche Betroffenheit (als klubkonret-Autor) so zum “Mimimi” führt.

Kein Zwang zu 24/7-Senden, kein Zwang zum recyclen was das Zeug hält um Programmstrecken zu füllen. Wer hätte das gedacht, dass die Ministerpräsidenten die ÖR im Internet von der Leine lassen – ich schon mal nicht.

Warten wirs mal ab, ob die Chance genutzt wird.

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09/14/2014
von Michael Scheuch
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Nervensägig

Es ist wieder mal oder immer noch Zeit für viele tolle, kluge Gedanken zur Zukunft der Zeitung. Sollte man meinen. Erzählen sie einem. Und dann liest man die “neuen” Debattenbeiträge und ist ein bisschen entsetzt.

Die zuletzt gestartete Welle starteten drei Autoren in der FAZ “In eigener Sache” – die Prämisse lautet:

Die Zeitungen stecken in der größten Krise ihrer Geschichte. Das liegt nicht nur am Internet. Anlass genug, über unsere eigene Branche nachzudenken.

Gut, schön, klar. Die Zukunft der Zeitung, manchmal auch des Journalismus, oder halt auch umgekehrt. Prima. Mal sehen, was es da zu lesen gibt.

Die Kritik dieser Bestandsaufnahme in recht ausführlicher Form kommt von Thomas Knüwer, der ja genau wie viele Journalisten (ja, ich denke ich auch) mit einem gewissen Klugscheißergen ausgestattet ist. Dafür wird er dann gerne angefeindet, aber merke: auch Klugscheißer haben mal recht.

Was er kritisiert und auch ich kritikwürdig finde, dass sind alle Sätze, die auf die Zukunft des Journalismus und der Zeitungen abzielen. Und das sind gar nicht so viele in diesem Artikel.

Szenario 1:

Wie also geht es weiter mit der Zeitung? Zwei Szenarien können wir uns ausmalen. Das erste trägt den Arbeitstitel: Es wird böse enden. Die Finanzierungsbasis der klassischen Zeitungen erodiert. Ein großes Zeitungssterben setzt ein. Einige Verlage retten sich, indem sie die alten Nebengeschäfte im Internet ausbauen, ihre Zeitungen aber aufgeben. In Gefahr geraten selbst die großen Namen.

Szenario 2:

Es wird doch noch gut: Eine neue Pressevielfalt entsteht. Einige wenige alte Verlagshäuser gehen als Sieger aus der Krise hervor.

Aber mehr als reines Wunschdenken ist das wirkich nicht. Geben die Autoren auch zu:

Ist das alles Wunschdenken? Ja, es ist Wunschdenken. So wünschen wir – die Autoren dieses Artikels – uns die neue Zeitungswelt.

Äh. Und dafür der ganze Aufriss?

Jetzt darf mal der Chef ran, Mathias Müller von Blumencron appeliert: Zwanzig Jahre Zeitung im Internet Schafft den Online-Journalismus ab.

Aber auch hier: ganz viel Historie, ganz viel Bestandsaufnahme, nette Anekdoten, aber Zukunft? Er stellt die Frage:

Wohin wird die Entwicklung führen?

Um diese Frage dann mal wieder entschieden nicht zu beantworten. Allenfalls mit einem sehr allgemeinen Bla Bla:

Journalismus braucht in den nächsten Jahren das, was gute Redaktionen immer getragen hat: jede Menge Idealismus.

Echt? Verleger, ich hör dir trapsen: Idealismus ja, Honorare nein? Und nein: Idealismus wird den Journalismus nicht retten.

Und dann, in den letzten drei Absätzen, kommt auch nichts mehr. Das ist nach all dem Vorlauf mit aufgeplustertem Wissen über den Werdegang des Online-Journalismus einfach beschämend wenig.

Und deswegen nervt diese Debatte so gräßlich: das Thema hatten wir vor 12 Monaten bei Cordt Schnibbens “2020 – Zeitungsdebatte” auf Spiegel Online schonmal.

Bis repetita non placent.Wie der Asterix-gebildete Lateiner sagt.

 

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09/09/2014
von Michael Scheuch
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LdT: Modernes Phishing

Heise berichtet, dass nach einem Urteil des Landgerichts Darmstadt ein Bankkunde auf dem Schaden durch Betrug beim Online-Banking sitzenbleiben wird. Er nutzte das Smart-TAN Verfahren, bei dem die Transaktionsnnummer per Flickercode auf ein Lesegerät übertragen wird. Zusammen mit der TAN erscheint auf dem Display des Zusatzgerätes auch die Kontonummer des Empfängers und die Überweisungssumme. Auch beim mTAN-Verfahren, bei dem die TAN per SMS auf ein Mobiltelefon gesendet wird, kommen auch diese “zusätzlichen” Informationen an. In Wirklichkeit, und das ist wenigen Kunden bewusst, handelt es sich um sehr essentielle Informationen. Denn nur wer die empfangenen Daten kontrolliert und erst dann die TAN zur Bestätigung im Online-Banking eingibt, der sorgt für die Sicherheit des Systems. Denn das Manipulieren einer Überweisung auf dem Weg vom (wahrscheinlich von Computerviren befallenen) Rechner des Kunden zur Bank ist ja nach wie vor eine leichte Übung für Kriminelle. Der Sicherheitsfaktor ist nicht die Übertragung der TAN zum Kunden, egal ob Smart- oder mTAN. Der Sicherheitsfaktor ist der Mensch, der die Überweisungsdaten nochmal checkt.

Das Urteil ist daher konsequent – an der Technik liegt es diesmal nicht. Aber vielleicht sollten die Banken ein bisschen genauer darauf hinwiesen, wie wichtig die Endkontrolle der Überweisungsdaten ist. Dass ihre Online-Banking-Sicherheit keine technische Meisterleistung ist, sondern am Kunden und dessen Aufmerksamkeit hängt.

09/08/2014
von Michael Scheuch
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Frage: Klickfishing bei der SZ

Ich öffne manchmal Webseiten und lasse die dann im Browser offen. Oder öffne diese beim Starten. Seit geraumer Zeit macht dann sueddeutsche.de das da mit mir:

Screenshot: sueddeutsche.de

Ist das ein toller Service? Mich nervt das nur – manchmal ist übrigens auch kaum zu erkennen, was sich an der Startseite geändert hat (Service wäre es, das “aktualisierte” dann auch zu kennzeichnen. oder wäre das zu peinlich).

Oder will da jemand die Klickraten nach oben treiben. Das würde ich mal vermuten, aber vielleicht kennen sich andere mit SEO und Klickoptimierung besser aus.

Ich finds nervig.

 

 

 

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08/10/2014
von Michael Scheuch
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LdT: Angriffe auf das mTAN-Verfahren

Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem erneuten Angriff auf das mTAN-Verfahren – mittels Nachbestellung einer SIM-Karte für die Mobilnummer, die für das Online-Banking benutzt wird. Erneut ist die Schadenssummer hoch. Das ist typisch, denn das Verfahren ist auch für die Angreifer aufwendig. Das ist die gute Nachricht für all jene, die eh knietief im Dispo sind: potentielle Opfer müssen schon mehr als ein paar hundert Euro als Angriffsfläche bieten.

Dreist versucht sich O2 aus der Verantwortung zu stehlen – offenbar hat man ohne genaue Identitätskontrolle die zweite SIM-Karte rausgerückt:

O2 konnte sich nicht erklären, warum die SIM-Karte ohne Vorlegen des Personalausweises freigeschaltet wurde. Salopp teilte der Mobilfunkanbieter mit: “Wir raten aus Sicherheitsgründen grundsätzlich von einer Nutzung des mTan-Verfahrens ab.”

Das dürfte das Unternehmen aber kaum aus der Schadensersatzpflicht entlassen, wenn dieses seiner vertragsgemäßen Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist.

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07/24/2014
von Michael Scheuch
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Amateure überall

Stefan Niggemeier hat zu Recht darauf hingewiesen: das Arbeiten mit Schwenks, Schärfentiefe und Bildelementen im Vordergrund: das geht gar nicht. Es wird Zeit, der Ästhetik im Fernsehen den Kampf anzusagen. Denn gerade die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Europas haben den Auftrag, vor allem bildlich langweilig zu sein. Seinem Beispiel kann ich nur die verdammungswürdige Unterhaltungsreihe Sherlock hinzufügen – die zu Recht ja immer wieder kritisiert wird. Hier nur ein paar verstörende Beispiele, ohne “das weiter recherchiert” zu haben. Alleine die ersten sechs stammen aus einem Zeitraum von nur 3 Minuten. Diese Schlüsselszenen muss ich folgenden kurz dokumentieren. Ich habe ja ein Screenshot-Programm.

Was optisch so daherkommt, das kann inhaltlich ja gar nichts sein. Daher gehe ich auf den Inhalt auch gar nicht ein.

s7 s9 s8 s6 s5 s4 s3 s2 s1 s10

Sherlock, Staffel 2, Episode 3: Der Reichenbach-Fall.

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07/03/2014
von Michael Scheuch
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LdT: Ins Ausland fahren

Auf die Frage “Was hat die EU je für uns getan?” gibt es jetzt noch einen Antwortvorschlag: eine App gebaut. Auf Deutsch schön holprig “Ins Ausland fahren”, ansonsten “Going Abroad” heißt die App und sorgt dafür, dass man die Verkehrsregeln in anderen Ländern (der EU) abrufen kann. Ich selbst habe gemerkt, dass mit dem Wegfall der Grenzkrontrollen und der Einführung des Euro auch die Reisevorbereitung an und für sich ein bisschen nachlässiger werden. Dass in anderen Ländern ganz andere Regeln gelten, das merke ich manchmal erst dort (wie war das nochmal mit dem Tempo außerorts?).

Also ich finde es praktisch:

App für Android

App für iOS

App für Windows Phone

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06/28/2014
von Michael Scheuch
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Haltet den Dieb!

Zu den konsequentesten NSA-Verharmlosern und Technik-Dummys gehört Mitherausgeber Josef Joffe von der ZEIT. Dass er von Internettechnik keine Ahnung hat, das hat er schon sehr häufig unter Beweis gestellt, und dass er den amerikanischen Freunden beim besten Willen nichts Kritisches entgegensetzen kann auch. Neuestes Statement: NSA=harmlos, kommerzielle Datensammler=daswahrechteböse. Das passt gut zur Dämonisierungsstrategie gegen Google, die die Verlage mit allergrößter Hartnäckigkeit und unter Ausnutzung ihrer publizistischen Stellung verfolgen.

Er versteigt sich zur Behauptung:

Die FTC zeichnet das Bild eines privaten Überwachungsmolochs, der die NSA (und BND und Co. sowieso) zum Amateurverein degradiert.

Dass die FTC als amerikanische Bundesbehörde durchaus auch ein Interesse daran haben könnte, von der NSA abzulenken, das kommt Joffe natürlich nicht in den Sinn. Und in seiner Verkennung technischer Möglichkeiten meint er doch glatt:

Die NSA weiß, wer mit wem von wo telefoniert oder gemailt hat. Für Präzis-Persönliches müssen die Ermittler im Inland (nicht im Falle des Kanzlerinnen-Handys) einen Bundesrichter bemühen.

Er ignoriert, welch reichen Schatz Meta-Daten darstellen. Die übrigens ein nicht zu fälschendes Abbild des Kommunikationsverhaltens eines Menschen zeigen. Gerade Journalisten müsste das mehr als nur beunruhigen.

Wie zielsicher Werbung ausgeliefert wird, das kann inzwischen jeder beurteilen (vielleicht mit Ausnahme von Josef Joffe, der anscheinend das Internet nicht nutzt): die Trefferquote individualisierter Werbung ist mau.

Natürlich solle man regulatorisch der Datensammelwut Grenzen setzen, die Werbenetzwerke und andere Akteure, die besinnungslos Daten sammeln sollte man in Schranken weisen.

Dazu gehören übrigens auch die Angebote deutscher Onlinemedien, hier DIE ZEIT, das Angebot von Josef Joffe, dass bei der Datensammelei mitmacht. Ghostery vermeldet 12 Netzwerke, die im Hintergrund meinen Aufruf seines warnenden Artikels registrieren. Lang lebe die Doppelmoral des “Haltet den Dieb”. ZEIT Online 26.6.2014

Überzeugt wäre ich vom Joffe’schen Impetus erst, wenn er sich mal schlau machen würde, was Meta-Daten wirklich sind und Zeit Online auf die Verwendung von Datensammeltools verzichten würde.

ZEIT Online 26.6.2014  Aber darum geht es ja nicht.

Lustig übrigens, wenn Joffe dann mal selber hart am Netz recherchiert:

Schlimmer aber: Was gesammelt wird, verschwindet nie wieder. Dieser Autor hat im Digital-Telefonbuch der USA seinen Namen eingegeben. Da findet er heute noch, wo er mit wem vor 30 Jahren gewohnt hat – und wie teuer das Haus inzwischen ist.

Ach was. Wow. Immerhin schafft er es nicht, daraus ein Bedrohungsszenario zu entwickeln. Statt solcher Sinnlosrecherche sollte er lieber mal die Telefondaten seiner Redaktion von einem Dritten analysieren lassen. Die finden ganz sicher schnell heraus, an welchen Geschichten die ZEIT-Redakteure gerade arbeiten und wer die wichtigsten Informanten sind. Das sollte Joffe beunruhigen, nichts anderes.