Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

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18. September 2016
nach Michael Scheuch
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Warum ist TTIP so unbeliebt?

Das Transatlantische Freihandelsabkommen ist Gegenstand heftigen bürgerschaftlichen Widerstands. Dieser Widerstand ist allerdings nur Ausdruck eines Phänomens, das auch die Vorbehalte gegen die EU in der gegenwärtigen Form, Steuerreformen, allgemeine Gesetzgebung und „die da oben“ umfasst.

Die kommentierenden Journalisten sind allesamt anscheinend etwas ratlos, wie denn in einer „Exportnation“ wie Deutschland eine solche Bewegung derartige Ausmaße annehmen kann. Nahezu hilflos die Berichterstattung, die versucht, zu „erklären“, warum hier so viele Menschen auf die Straße gehen.

Beispielhaft etwa die FAZ „Marschieren gegen TTIP„:

Es ist schon erstaunlich: Kein anderes Thema mobilisiert derzeit so viele Menschen wie diese beiden Abkommen, nicht der Klimaschutz, nicht der Terror, nicht die Flüchtlinge.

Das ist „natürlich“ falsch: das Thema Flüchtlinge mobilisiert mindestens ebenso viele Menschen, nämlich vor allem die unglaublich große Zahl an Ehrenamtlichen, die sich vor Ort für Flüchtlinge engagieren. Und mobilisiert sind natürlich auch die „besorgten Bürger“ allerorten, die auch in Demos und einfach nur im AFD-wählen „mobilisiert“ sind.

Allerdings liefert der Artikel eine recht aufschlussreiche Charakterisierung des Widerstands – und trifft schon einen Punkt:

Was sie umtreibt, sei die Sorge, dass sich in ihrem eigenen Leben etwas zum Negativen verändert, etwa weil europäische Standards in Gefahr geraten. Die möglichen Profite für die großen Konzerne aus der Pharmabranche, der Chemie- und der Automobilindustrie könnten da als Argument nur wenig überzeugen. Und auch die fast schon legendären 545 Euro, die ein EU-Bürger laut einer Studie bei einem Abschluss des Abkommens mehr in der Tasche hätte – wohlgemerkt nach zehn Jahren –, wiegen die persönlichen Sorgen der Bürgerinnen und Bürger nicht auf.

Und

Mit wirtschaftlichen Argumenten lasse sich kein Zweifler von TTIP überzeugen, meint auch der Hamburger Psychologe Erich Witte. Denn meistens seien es ganz partikulare Interessen, die einen Bürger zu einem Gegner des Abkommens machen. Er führt den Erfolg der Gegenbewegung vor allem auf die Komplexität des Abkommens zurück. Das Problem von TTIP sei, dass es alles regeln will. Das mache es von allen Seiten so angreifbar.

Diesen Artikel sollte sich mal der FAZ-typischere Ralph Bollmann durchlesen: Wenn die Falschen protestieren.

Freier Handel nützt allen, wenn man es langfristig und aufs Ganze betrachtet, da sind sich die allermeisten Ökonomen einig. Bis zu zwei Millionen neuer Jobs könnten Prognosen zufolge durch TTIP auf beiden Seiten des Atlantik entstehen, je zur Hälfte in Amerika und in Europa. So hat es zum Beispiel der Ökonom Gabriel Felbermayr ausgerechnet, der am Münchener ifo-Institut über die möglichen Folgen eines Handelsabkommens forscht.

Klingt super. Doch diese Heilsversprechungen des IFO-Instituts müssen sich mit diesen Nachrichten aus den letzten Tagen, Wochen und Monaten messen. Und das sind die Stichworte

Mehr Arbeitsplätze

Gerne wird auf die gute Beschäftigungslage in Deutschland, die niedrige Arbeitslosenzahl und mehr verwiesen. Allerdings: Beschäftigungsboom mit Kehrseite – Millionen Vollzeitstellen verschwinden. Auch wenn der Trend gegen Minijobs anhält, so bleiben doch viele Beschäftigungsverhältnisse prekär. Und das hat Folgen.

Und wie sieht es bei den Beschäftigten aus? Die leisten häufiger mehr als 48 Wochenstunden, arbeiten an Wochenenden. Ist das das „gerechte“ Ergebnis des erfolgreichen deutschen Wirtschaftens?

Wenn gutes Wirtschaftswachstum, die erfolgreiche Bewältigung der Kriste von 2008 und dieses „Exportweltmeister“ nicht dabei helfen, den Arbeitsmarkt grundsätzlich arbeitnehmerfreundlicher zu machen, warum soll TTIP mit seinen vagen Verprechungen daran etwas ändern? Die Reallohnentwicklung ist beunruhigend, so etwa der Chef des DIW.

Da war noch die Bertelsmann-Studie zu Kinderarmut.

Wir haben es jetzt also mit Wirtschaftsvertretern zu tun, die heute TTIP als Segnung für den Arbeitsmarkt bezeichnen – das sind aber häufig dieselben, die uns vor geraumer Zeit vor der Einführung des Mindestlohns als Untergang des Abendlandes gewarnt haben. Das Abendland ist nicht untergegangen, und wer einmal in seiner Prognose so falsch lag, dem mag man die Frohe Botschaft vom Arbeitsmarktboom durch TTIP nicht glauben. Gerne folgt hier der Hinweis, dass immerhin ja in den Krisenländern Spanien, Portugal, Griechenland neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Doch auch hier die Frage – konkurrieren nicht die Arbeitnehmer dort dann mit den schlecht bezahlten Immigranten in den USA?

Der „Trickle-Down-Effekt“, kurz mit „geht es denen oben gut, dann fällt auch was für alle ab“ ist, vollkommen zurecht, als Argument diskreditiert. Und doch wird immer wieder versucht, dieses „das Hilft allen“ flach vorzubringen, etwa durch die famose „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

TTIP bedeutet mehr Handel, mehr Beschäftigung und daher mehr Wohlstand für Alle.

Die INSM (finanziert von den Arbeitgeberverbänden der Elektro- und Metallindustrie) entblödet sich nicht, in einer Anzeige in der taz (der ich die Einnahmen gönne) die TTIP-Gegner hier als Trump-Fans zu diskreditieren.  Die FAZ macht, durchsichtig, gerne mit. Dabei ist das rechte Völkchen, das TTIP und die Amis nicht mag, schon sehr im Blick der Organisatoren. Aber ist das nicht eigentlich einfach nur billig?

Großkonzerne

Ja, nicht nur die Großkonzerne finden TTIP Klasse, auch mittelständische und Familienunternehmer setzen sich dafür ein – ob die allerdings so ganz genau wissen, was sie da tun, das sei dahingestellt. Ich denke, ihnen geht es vor allem um den Abbau von Zöllen und eine Angleichung von Produktstandards, denn tatsächlich könnte man ja überlegen, dass man nicht für den US-Markt und den Europäischen Markt unterschiedliche Außenspiegel am Auto etc. braucht. Allerdings: Diese Einigungen könnte man auch so versuchen, und ein TTIP, das ausschließlich die Abschaffung von Zöllen und die Angleichung von Produktstandards will, da wäre wohl kaum Protest aufgekommen. Es ist aber die möglichst weitgehende Interpretation des Begriffes „nicht-tarifäre Handelshemnisse“, die das Problem ausmacht. Denn im Prinzip ist jede Art von Gesetzgebung ein nicht-tarifäres Handelshemmnis.

Und wenn international agierende Konzerne TTIP gut finden, dann muss man immer daran denken, wie diese Firmen ihrer Verantwortung für das Wirtschaftssystem gerecht werden:

Da ist zuerst mal die Deutsche Bank. Die rühmt sich zwar, ohne Staatsknete aus der Finanzkrise gekommen zu sein, aber das vielfältige Fehlverhalten der Bank holt das Institut jetzt ein – etwa bei der möglichen Strafe für Spekulationen um faule Hypotheken in den USA. Die Bank, Beispiel für deutsche Globalisierungssucht, hat in den zurückliegenden Jahren Schlagzeilen gemacht, vor allem durch Betrug – siehe Kasten am Ende dieses Artikels. Die Stichworte: Libor-Manipulation, Kirch-Pleite, Hypothekengeschäfte in den USA, Manipulation von Gold- und Silberpreisen, CO2-Zertifikate-Betrügereien, Zinsswap-Manipulationen. Und die Manager, die zu Beginn der 2000er Jahre und danach diese Praktiken verantworten müssen, die sitzen mit ordentlichen Pensionsleistungen und prima einkassierten Boni im Trockenen: Kopper, Breuer, Ackermann, Börsig. Muss das nicht auf den normalen Bürger zumindest befremdlich wirken – schließlich wurden die exorbitanten Gehälter der Herren immer mit besonders großem Talent und großer Verantwortung gerechtfertigt?

Die Affären und Skandale von Siemens sind schon wieder verdrängt, da tritt mit Volkswagen ein weiterer Akteur auf die Bühne, der verzweifelt daran arbeitet, das Ansehen der Deutschen Wirtschaft zu schädigen. „Abgas-Skandal“ klingt fast zu niedlich.

Ach ja, und da ist das Thema „Steuern zahlen“ – bei allen Unternehmen unbeliebt, aber bei multinationalen Konzern viel mehr. Dass gerade alle nach den Steuerdeals von Apple, Starbucks, Ikea usw. schauen scheint eine „anti-amerikanische“ Schlagseite zu haben, viele Bürger wissen aber ganz genau, dass auch deutsche Konzerne gerne in Luxemburg oder den Niederlanden Dependancen haben – und der verzweifelte Versuch der EU, in Sachen Besteuerung zu einer politischen Lösung zu kommen, auf einer ganz langen Bank liegt. Dass die EU-Kommission in Sachen Apple vorgeprescht ist, ist zwar bemerkenswert, aber schließlich trifft sie die Legitimationskrise die EU-Institutionen besonders hart – gerade wenn der Ex-Chef zu Goldman Sachs wechselt. Alles nach den Regeln, aber reicht das?

Das hätte man, wenn man denn über TTIP als umfassendes Paket sprechen will, reintun können: Prinzipien der gleichmäßigen Besteuerung in der EU und den USA. Sind nicht auch unfaire Steuervorteile für Einige ein „Handelshemmnis“, dass andere Unternehmen am Markteintritt hindert? Vielleicht wäre die öffentliche Meinung etwas gnädiger mit dem Verfahren, wenn dafür gesorgt wäre, dass die Haushalte der Staaten ihren Teil am erfolgreichen Handel bekommen?

Wer „Anti-Amerikanismus“ angesichts der Kritik an den amerikanischen Multis schreit, der greift deutlich zu kurz: die Mehrzahl der TTIP-Gegner hat schon verstanden, das deutsche oder europäische Multis keinen Deut mehr dafür tun, dass unser Wirtschaftssystem anerkannt und „gemocht“ wird.

Schiedsgerichte

Dazu muss ich wenig schreiben, die Argumente „die gab es immer schon, das hat noch nie jemanden gestört“ gehören ins vor-demokratische Zeitalter – und frühere Abkommen sind mit heutigen kaum noch zu vergleichen – was vor allem an den Geschäftsinteressen der beteiligten Anwaltskanzleien liegen könnte. Dass Europäer besonders gerne klagen ist jetzt auch kein Ausweis der Legitimation dieser Verfahren. „Das haben wir immer schon so gemacht“ gilt übrigens in Firmen und bei Unternehmensgründern als No-Go-Argument.

So schön es ist als Argument pro Schiedsgerichte zu lesen, dass auch mal ein Land gegen ein Unternehmen gewinnt – so bleibt doch festzuhalten: Niemand mag Tabakkonzerne.

Ich schaue mir mal NAFTA an, ein Abkommen, mit dem die drei Länder USA, Kanada und Mexiko insgesamt nicht sehr glücklich zu sein scheinen – die Unternehmen möglicherweise schon.

Im verlinkten Artikel des Tagesspiegel heißt es:

In einem der allerersten Verfahren gegen Kanada klagte das US-Unternehmen Ethyl und zwang die kanadische Regierung, ein bestehendes Gesetz aufzuheben, das einen gesundheitsschädlichen Benzinzusatzstoff verboten hatte, und außerdem 13 Millionen US-Dollar Schadenersatz zu bezahlen.

Die US-amerikanischen Energiekonzerne Exxon Mobil und Murphy Oil gewannen eine Klage gegen die kanadische Regierung, die eine Entschädigung von 60 Millionen US-Dollar bezahlen musste, weil Kanada Ölkonzerne in einen Fonds für Forschung und Entwicklung zahlen lässt. Diese alle Unternehmen betreffende Regulierung hat den Zweck, wenigstens einen Teil der Profite der Rohstoffentnahme Kanadas ärmsten Provinzen zugutekommen zu lassen. Als die Unternehmen mit ihrer Klage vor kanadischen Gerichten gescheitert waren, haben sie auf das in Kapitel 11 niedergelegte Investor-Staat-Verfahren zurückgegriffen und recht bekommen.

Anhängig ist eine Klage des kanadischen Öl- und Gaskonzerns Lone Pine, der über eine US-Niederlassung gegen die eigene Regierung klagt, weil die Provinz Quebec wegen Umweltrisiken bei der Gasförderung ein Moratorium für Fracking erlassen hat. Gefordert werden 250 Millionen US-Dollar Schadenersatz.

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly fordert von der kanadischen Regierung 500 Millionen US-Dollar Entschädigung. Kanadische Gerichte hatten zwei Patente der Firma für ungültig erklärt, nachdem sie herausgefunden hatten, dass der Pharmakonzern unzureichende Beweise erbracht hatte, dass die Medikamente tatsächlich von langfristigem Nutzen wären. Das Unternehmen klagt nun mit dem Argument, dass seine künftigen Profiterwartungen beeinträchtigt seien.

Einer Public-Citizen-Studie von 2014 zufolge sind gegenwärtig Nafta-Investor-Staat-Verfahren im Wert von mehr als 12,4 Milliarden US-Dollar anhängig.

 

Soll einen das etwa TTIP-freundlich stimmen?

Grundannahme

„Was gut ist für die Wirtschaft, das ist gut für Dich“ – damit kann man heute niemandem mehr kommen. Kein Wunder also, dass es an Zustimmung zu TTIP fehlt. Und es fehlt anscheinend den Befürworten an gewichtigen Argumenten. Einfach nur gegen Chlorhühnchen-Gegner zu sein und diese zu diffamieren, das ist wirklich zu einfach, gell, Herr Bollmann. Noch schlimmer Herr Hank: „Demokratie ist überbewertet„.

Und dann ist noch das Phänomen „Lebendes Abkommen“ – nicht auf den Vertragstext mag es ankommen, sondern auf seine Fortentwicklung:

Der TTIP-Vertrag soll nämlich von Expertenkommissionen (vor allem dem Rat für regulatorische Kooperation/Regulatory Cooperation Body RCB) laufend fortgeschrieben, verändert und neuen Entwicklungen angepasst werden. Diese Expertenkommissionen sollen weitreichende Ergänzungen und Anhänge zum TTIP-Vertragswerk schreiben können – ohne dass die Parlamente diesen Änderungen zustimmen müssen. Der Vertrag könnte also nach seiner Ratifizierung ohne parlamentarische Mitwirkung grundlegend umgestaltet werden. Die Expertenkommissionen sollen allein mit Vertretern der Regierungen und Verwaltungen besetzt sein.

Soll das einen etwa TTIP-freundlich stimmen?

 

Hätten es die großen Konzerne und ihre Lobbyverbände geschafft, in den letzten 20-30 Jahren für jeden Menschen erfahrbar zu machen, wie die Liberalisierung des Wirtschaftens in vielen Bereichen tatsächlich umfassend zu mehr „Wohlstand für alle“ geführt hat, dann gäbe es diesen TTIP-Widerstand nicht. Der Blick in die südlichen Länder der Eurozone zeigt: keineswegs profitieren alle vom gemeinsamen Markt, und von der gemeinsamen Währung auch nicht – die Arbeitslosenzahlen dort sind erschreckend. Das versteht auch der Minijobber hier. Ein „Weiter so“, wie TTIP den Fortgang der Globalisierungsprozesse sieht, erscheint daher sehr unattraktiv.

Und natürlich ist es auch widersprüchlich, dass sich die deutsche Wirtschaft stolz den Außenhandelsüberschuss ans Revers heftet, dann aber die Verschuldungsquote anderer Länder beklagt. Wie soll es den gehen, wenn wir mehr exportieren, die Länder bei uns mehr Geld ausgeben als wir ihnen für Importe zahlen? Müssen sie dann nicht Schulden dafür machen?

Der Widerstand gegen TTIP ist Ausdruck des Leidens an einer Wirtschaftsordnung, bei der die meisten Manager und Unternehmer immer noch glauben (ja, wahrscheinlich glauben das nicht wenige!) dass alles, was ihren Unternehmen zu Gute kommt, automatisch gut für alle ist. Wobei ich mir bei den Multimillionen-Boni kassierenden Manager nicht sicher bin.

Der Widerstand gegen TTIP speist sich aus vielen Quellen – doch das mag die TTIP-freundliche Presse gar nicht analysieren. Und die Unternehmer, die das nicht verstehen können, müssen Nachhilfe buchen.

 

 

 

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29. Juli 2016
nach Michael Scheuch
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#viernheim – Soziale Medien im „Nachrichten“-Wettlauf

Die letzten Wochen waren keine guten Wochen für meinen Blick auf Relevanz und Bedeutung sozialer Medien. Ich bin schon lange auf Twitter und bei Facebook, manchmal auch in beruflichen Zusammenhängen, und da hat meine Leidenschaft für diese Medien schon gelitten. Aber zuletzt wurden der Takt an Blödsinn schon sehr angeheizt – natürlich durch Gewalt und Tod. Aber auch durch das Unvermögen, damit umzugehen. Irgendwie sind die Menschen via Timeline „dabei“ und möchten dann auch gerne etwas zum Strom der Informationen „beitragen“ – sei es durch Re-Tweets, durch das finden „abseitiger“ Quellen, aber nicht selten auch durch das schnelle Absondern von Meinung.

Das Beispiel, zu dem ich da mal Twitter intensiver gelauscht habe, war der „Amoklauf“ oder so in #Viernheim, in einem Kinopolis-Kinocenter, das ich manchmal auch besuche. Hier der Hintergrund:  Eine Woche nach der Geiselnahme (FFH) Kurzgefasst: ein 19-jähriger nimmt in einem Kinocenter Geiseln, schießt ein paarmal mit seiner Schreckschuss-Waffe, wird dann von der Polizei erschossen.

Am Tag selber war, wie typisch, die Nachrichtenlage verworren, es wurde von einer „Nachrichtensperre“ gesprochen, gemeint war aber wohl, dass sich die Polizei zunächst nicht äußern wollte. Die Rede war von Toten, von Reizgas und Verletzten. Auf den Nachrichtensendern immer wieder dieselben Videos von blaulichternden Einsatzfahrzeugen, dann Telefonschalten und Journalisten, dann Agenturmeldungen etwa mit Äußerungen des hessischen Innenministers, dann Polizei- und Katastrophenschutzaussagen vor Ort. Das übliche Durcheinander aus unbestätigten und falschen Meldungen.

Auf Twitter dann mal so:


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Vorhersagen
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Ja, das kommt hin ...
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Dass das dann nach Nizza, München, Ansbach in einer Tour so weiter geht: klarer Fall. Die klassischen Medien werden dafür beschimpft a. nicht so schnell zu sein wie die neuen Netzwerke b. keinen zuverlässigen Hintergrund zu bieten, und zwar bitte 10 Minuten nach der ersten Meldung und c. eh blöd zu sein.

Ich war mal optimistischer was die Frage angeht, was das Netz für unser Wissen, unsere Informiertheit und unsere Kommunikation so tun kann.

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24. Juni 2016
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Exit Day

Vielleicht werden wir uns in einigen Jahren an diesen 24.6.16 ähnlich erinnern wie an 9/11. Wie wir die ersten Nachrichten zum Brexit morgens mitbekommen haben: per Twitter, im Radio, Fernsehen, Facebook, auf einer Newssite. Vielleicht fehlen die ikonischen Bilder, vielleicht ist es aber auch die häßliche Fratze von Nigel Farage. Auf jeden Fall dürfte dieser Tag ein ähnlich tiefer Einschnitt sein wie dieser Tag vor fast 15 Jahren. Denn nach diesem Tag passierten zunächst ein paar vorhersehbare Dinge, dann aber viele andere, nicht vorhersehbare. Vorhersehbar war 2001, dass für 9/11 irgendjemand von den USA bombardiert würde, und vielleicht war auch klar, dass es Afghanistan war. Aber dann wurde noch der Irak angegriffen, und danach, deutlich danach, stiegt DAESH zu IS auf. Guantanamo. Der unglaubliche Angriff auf die Privatsphäre aller Menschen der Welt. Eine Spirale aus Gewalt und Hass,

Bei den Folgen des Brexit gibt es ein paar vorhersehbare Folgen, und dann wird der Blick in die Zukunft düster. Vielleicht sortiert sich GB als harmloses Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraumes unspektakulär ein. Vielleicht aber auch nicht, und was das an Rückhalt für die Nationalisten in anderen Ländern bedeutet – schwer einzuschätzen.

Das Projekt Europa ist auf jeden Fall in der Krise. Und ein Faktor  beunruhigt mich dabei sehr: der Brexit ist nicht Folge einer Presse- und Desinformationskampagne der letzten beiden Jahre – er ist die Folge jahrzehntelangen Eindreschens auf die EU durch Politiker, Wirtschaft und Medien. Immer dann, wenn etwas Positives zu vermelden war, dann hat man es sich selbst ans Revers geheftet. Alles wirklich und nur vermeintlich Schlechte kam aus Brüssel. EU-Bashing ist auch in vielen anderen Ländern Europas seit Jahrzehnten geübte Praxis, auch von den Parteien, die heute, gestern, vorgestern so für die EU geworben haben.

Dieser langjährige Trend, entweder alles Schlechte auf die EU zu schieben oder bewusst an den dortigen Strukturen nur homöopathisch zu schrauben, wird sich auch in anderen Ländern zu schlechten Entscheidungen verfestigen.

Kein guter Tag für meine Kinder.

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11. Juni 2016
nach Michael Scheuch
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Andere Sportarten Mimimi

Es ist furchtbar mit diesem Fußball. So viele Menschen wollen sich das ansehen. Und die Fußballvereine wollen Geld damit verdienen. Aber immerhin: so viele wollen sich das ansehen. Mindestens gestern Abend mal die Hälfte von denen, die überhaupt die Glotze anhatten.

Und die Bundesliga: die wollen auch viele Menschen sehen. Schlimm, schlimm.

Also werden die Übertragungsrechte teurer. So ist das.

Aber es ist schon schlimm-schlimm. So dass die anderen Sportarten „darunter leiden“ – Mimimi der Handballer, Basketballer, Hallenhalma-Spieler. Beispielhaft in der FAZ  „Den Preis bezahlen die anderen Sportarten“.

Christoph Becker lamentiert:

Aber sind die Öffentlich-Rechtlichen nur diesem verpflichtet? Gehört zum Bildungsauftrag nicht die gesamte deutsche Sportkultur?

Bildungsauftrag, ganz klar. Oder auch: häh?

Dass die Handballer jammern, das ist normal. Immerhin hat der Deutsche Handball Bund 2015 rund 767.000 Mitglieder (Quelle: Statista) Aber Obacht: 2009 waren es noch ca. 847.000. Macht einen ziemlich satten Rückgang von 9,5 Prozent. Im Vergleich: der Deutsche Fußball Bund hat 6,88 Millionen Mitglieder – nach wie vor steigt die Zahl. Der Deutsche Basketball-Bund kommt auf 191.000 Mitglieder (Quelle). Man kann jetzt von diesen Zahlen ausgehend oder von realen TV-Quoten einfach gewichten, und zwar die Sendeminuten, und dann ist das jammervolle Bild geradegerückt. Der Radsport hat sich mit unseligem Doping selbst aus dem Spiel genommen, Leichtathletik kommt in Form von EM und WM sowie Olympischen Spielen zu Großereignissen auch ausführlich vor, und danach bewegen wir uns in vielen einzelnen, vielleicht schönen Nischen.

Und es ist doch vollkommen unredlich so zu tun, als seien die Vereine und Ligen der anderen Mannschaftssportarten keine kommerzielle Veranstaltung. „Bildungsauftrag“ – wenn dann über mangelnde Präsenz gejammert wird, dann geht es auch nicht zuletzt um Geld.

Wollten diese Institutionen ihre Sportfreunde mit Informationen und Bildern versorgen, dann bietet das Internet sehr preisgünstige Verbreitungswege – im Vergleich zu früher. Dann müssten sich mal alle „Kleinen“ zusammentun und jemanden finden, der ihren Sport ordentlich vertreibt. Aber es geht ja nicht darum, von Interessierten gesehen zu werden, es geht ums Geld.

Was mich persönlich ärgert: beim Fußball wird jede Schiedsrichterentscheidung in Superzeitlupen diskutiert – das würde ich mir vom Handball auch mal wünschen.

Allerdings darf der Ball im Luftraum über dem Torraum gespielt werden, das heißt, ein Angreifer darf vor der Torraumlinie abspringen und aus kurzer Distanz auf das Tor werfen, wobei der Ball die Hand verlassen haben muss, bevor dieser Spieler den Boden berührt. (Wikipedia)

Klingt wahnsinnig einfach, aber ein Blick auf das Spiel zeigt: viele Tore werden irregulär erzielt. Oder zumindest bleiben Zweifel – und Superzeitlupen dazu habe ich noch nie welche gesehen. Bei Handballfans ernte ich damit Schulterzucken – das ist halt so. Und außerdem nervt Handball durch die ständigen Unterbrechungen und die zweifelhafte Auslegung Foul/Nicht Foul. Das letzte Handball Spiel, das ich sah, war das EM-Finale – öfter als einmal im Jahr brauche ich das auch nicht. Und anscheinend auch sonst nicht viele.

 

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28. Mai 2016
nach Michael Scheuch
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Schockierende Schockstudien sind schockierend

Studien sind die Füller der Leerstellen im journalistischen Raum. Trägt ein Papier den Titel Studie, und sind die Inhalte a. kurios, b. abseitig oder c. irgendwie unterhaltsam, dann sind die Chancen gut, als Studie des Tages durchs Dorf getrieben zu werden. Das ist kein Phänomen dieses schrecklichen Internet-Zeitalters – das war schon immer so. Oh, wie wäre es noch mit d. schockierend.

Also schockierend. Zum aktuell Schockigsten nur ein paar Anmerkungen: Die Welt schreibt „SCHOCK-PROGNOSE 27.05.16 Deutsche müssen sich auf Rente mit 73 einstellen(Ich warne hiermit ausdrücklich vor diesem Link und dem besch.. selbststartenden Video. Es ist zum Kotzen!)

1. Pseudoinvestigativ

Ich liebe solche Absätze:

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) wartet jetzt mit einer neuen Schock-Prognose auf. Demnach müssen sich die Deutschen darauf einstellen, künftig erst mit 73 Jahren in Rente gehen zu können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse, die der „Welt“ exklusiv vorliegt.

Was heißt denn nun dieses „die der „Welt“ exklusiv vorliegt“? Ist das eine wunderbare journalistische Leistung? Ein echter bewundernswerter Scoop? Gnadenlos investigativ? Etwas, worauf man sich etwas einbilden kann, weswegen man es auch in den ersten Absätzen eines Beitrags unterbringt?

Ach was. Wie in allzuvielen Fällen hat sich doch das IW ein Medium ausgesucht, mit dem es auf einer Wellenlänge liegt und das groß genug ist, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen.

Anruf IW :“Wir haben da was, wollt ihr?“
Redakteur: „Na klar, her damit.“
IW: „Aber nicht zuviel dran rumpfuschen.“
Redakteur: „Machen wir nicht, ihr habt ja immer recht.“

Schwupps. „Exklusiv“.

Und warum eigentlich

Demnach müssen sich die Deutschen darauf einstellen, künftig erst mit 73 Jahren in Rente gehen zu können.

Das gälte doch nur dann, wenn „die Politik“ genau das macht, was das IW will. Okay, es gibt Anhaltspunkte, warum das so sein könnte, doch vielleicht kommt es ausnahmsweise nochmal anders. Weiterlesen →

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3. Mai 2016
nach Michael Scheuch
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Re:publica – ein etwas sehr deprimierender Abend

Meine zweite re:publica. 2013 hat es für ein umfangreiches Storify gereicht, vielleicht mache ich das auch noch, wenn ich wieder zuhause bin. Allerdings war mein Fokus in diesem Jahr auf die Mediaconvention gerichtet, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo für Bewegtbild und TV die Zukunft gemacht wird. Um es kurz zusammenzufassen: das war Nix. Da durften Unternehmensvertreter vor allem vortragen, was sie für tolle Produkte und Ideen haben. Und das war eher langweilig.

Dann aber gestern Abend Sascha Lobo und seine „Ansprache“ oder Predigt zur „Age Of Trotzdem“. Eine gute Zusammenfassung hier bei heise.

Lobo ist gern gebuchter Redner, gern gelesener Kolumnist, scharfsichtiger Einordner. Ein Typ, der es schafft, die Stage 1 abend sehr rappelvoll zu bekommen, und Wohlwollen schlägt ihm größtenteils entgegen, und selbst wer nicht wohlwill, der will doch meistens hören, was er zu sagen hat. Keine „Rede zur Lage der Nation“ soll es sein, ist es aber irgendwie dann doch.

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Und er muss dann konstatieren: die Vorratsdatenspeicherung gibt es doch, aller dagegen geschriebener Artikel zum Trotz. Und in diesem, vielleicht von den Teilnehmer als „unserem“ betrachteten Netz haben andere inzwischen lautstark die Meinungsmacht an sich gerissen. Alleine die Zahl der Facebook-Follower der AFD im Vergleich zu denen anderer Parteien. Der Hate-Speech. Propaganda. Irgendwie haben „die Anderen“ das Netz sehr gut verstanden und wissen es zu nutzen. Immer provozieren, um im Gespräch zu bleiben, immer hart an der Grenze des Justiziablen und über die Grenze des guten Geschmacks hinaus.

Die Bestandsaufnahme ergibt: Weiterlesen →

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30. April 2016
nach Michael Scheuch
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Reizthema TTIP

Da Barack Obama die Hannovermesse besucht und das transatlantische Freihandelsabkommen ein Thema ist, sieht sich die ZEIT befleißigt, die Anti-TTIP-Bewegung, die in Deutschland sehr (laut-)stark ist mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Oder was man heute so nennt. Der überzeugte Transatlantiker Josef Joffe und Herausgeber der Zeit dürfte sich sehr über den Artikel „Im Empörungswahn“ von Steffen Dobbert gefreut haben. Denn im Prinzip unterstellt er den Gegnern von TTIP Irrationalität, Antiamerikanismus, Politikverdrossenheit, Blindheit gegenüber den Segnungen des unbeschränkten Handels und vieles mehr. Schon in der Einleitung heißt es nämlich:

Beim Thema TTIP sind Politikverdruss und Antiamerikanismus fast zum Selbstzweck geworden. Der Protest ist blind für die Vorteile: Das Handelsabkommen ist Europas Chance

So, jetzt erwarte ich eine fundierte Auseinandersetzung in dem doch sehr langen Text mit den Argumenten der Gegner.

Bekomme ich aber nicht. Die Verteidigung von TTIP hat diese Struktur

Antiamerikanismus

Auf der Diffamierungsskala ist Antiamerikanismus als Vorwurf zwar noch deutlich hinter Antisemitismus angesiedelt, wird aber auch gerne als Keule geschwungen. Ziemlich kurz argumentiert er:

Immerhin hat die Europäische Union bereits mehr als 30 Freihandelsabkommen mit anderen Staaten verhandelt. Gegen keines war der Protest so laut, so groß und so weit verbreitet wie gegen die Transatlantic Trade and Investment Partnership zwischen der EU und den Vereinigten Staaten von Amerika, besonders in Deutschland. Ergo: Viele Menschen gehen nicht gegen das Handelsabkommen, sondern gegen den Handelspartner auf die Straße, Antiamerikanismus als Antrieb.

Dieses Ergo könnte doch ein Pseudo-Schluss sein: vielleicht hat das nicht mit den US-Amerikanern zu tun, sondern ganz rational damit, dass es hier um das mit Abstand größte Handelsvolumen aller ausgehandelten Verträge geht. Und auch gegen das multilaterale Abkommen ACTA und das EU/kanadische CETA hat es in der Vergangenheit durchaus lautstarke Proteste gegeben. Mithin also kein zwingender „Ergo“-Schluss, denn Dobbert da ausgemacht hat. Weiterlesen →

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5. März 2016
nach Michael Scheuch
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Wählen gehen

Es sind Kommunalwahlen in Hessen. Mit dem ganzen „Panaschieren und Kumulieren“, das mal als ganz tolle Sache zur Stärkung der demokratischen Meinungsäußerung verkauft wurde, ist das nicht für allzuviele attraktiv. Vor allem weil sich zwar viele für die große politische Bühne interessieren, weniger aber für das, was vor der Haustür passiert. Lokale Nachrichten im Netz sind ja auch eine Seltenheit, und bezahlen mag man ja schon nicht für den „großen“ Journalismus, wieso dann für den Kleinen. Und außerdem liegt da journalistisch vielleicht noch mehr im Argen als im Großen.

Sich dagegen über Schlaglochpisten oder fehlende oder sinnlose Neubauprojekte, verfallende Infrastruktur, marode Schulen etc. ein wenig aufregen, das bekommen viele Menschen noch hin. Zuzuordnen, wer dafür verantwortlich ist, das schon weniger, vor allem da das mit den Parteien auf kommunaler Ebene so eine Sache ist: Vorurteile gegenüber CDU/SPD/etc. sind eigentlich nur schwer auf die konkrete Politik auf kommunaler Ebene zu übertragen.

Deshalb fühlen sich wohl viele ein wenig ratlos, wen oder was sie am Sonntag wählen sollen. Und mir geht es ja auch so: vor Ort wird bei uns viel erzählt, aber glaube ich wirklich daran, dass die jetzige „Opposition“ auf weitere Erhöhungen der Grundsteuer verzichten wird? Ist irgendein Konzept glaubwürdig? Konkret hier in Seeheim: die SPD fordert mal wieder, dass das Einkaufszentrum am Grundweg attraktiver zu gestalten sei. Ja klar, wer ein bisschen Gedächtnis hat, der weiß, dass das ein Oldie ist. Und nach der Wahl stellt man dann wieder fest, dass das Einkaufszentrum Privatbesitz ist und man nur wenig Einfluss auf dessen Gestaltung nehmen kann.

Ich könnte das fortführen, aber das würde von meinem Anliegen fortführen. Und das heißt AFD. Dieseg unappetitliche rechte Gruppierung will in viele Landkreistage und sonstige Kommunalparlamente. Und darf sich da gute Chancen ausrechnen, weil es ja vielen wie mir geht: wen soll man ernsthaft wählen?

Diesmal muss es heißen: das kleinere Übel, oder einfach nur irgendwen. Damit die AFD nicht von einer niedrigen Wahlbeteiligung und vom „Das wird man ja wohl noch mal wählen dürfen“ profitiert. Die Kommunalwahlen stehen so im Schatten der Landtagswahlen kommende Woche, aber sie werden ein Signal ausgeben. Und das darf nicht heißen: auch in Hessen bekämen die Populisten vom rechten Rand um die 10-20 Prozent.

Also, Leute, geht wählen. Wenn ihr im Großen und Ganzen mit Eurem Umfeld zufrieden seid: dann wählt die, die Regieren. Wenn nicht, die anderen, auch wenn ihr keine Hoffnung auf Besserung habt. Aber lasst die AFD draußen stehen. Das wird man doch noch versuchen können …

12. Februar 2016
nach Michael Scheuch
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Karo zu einfach

 Ich weiß ja auch nicht, warum ich heute Morgen zum ersten mal den SPON-Link „Die Lage – Morning-Briefing“ geklickt habe. Auf jeden Fall: begeistert sein kann ich nicht, wenn mir der „Politikchef, SPIEGEL ONLINE“ da mal gleich seine Meinung zum Ausgang der Vorwahlen in New Hampshire um die Ohren haut:
Screenshot www.spiegel.de / 10.2.2016

Screenshot www.spiegel.de / 10.2.2016

Billige Populisten und Rattenfänger haben das Rennen gemacht? Wenn er Richtung Trump zielt, dann liegt er nicht sehr weit daneben. Aber Bernie Sanders? „Billig“? „Rattenfänger“? Meinungsfreudig ist ja ganz ok, aber diese billige und rattenfängerische Gleichsetzung zweier sehr unterschiedlicher Kandidaten-Kandidaten – ist das überhaupt noch irgendwie – sinnvoll?  Werft einen Blick auf das unten verlinkte Video:

 

Bernie Sanders Foresight About the Middle EastU.S. Senator Bernie Sanders is the only candidate we can trust to make prudent decisions as Commander-in-Chief of the military. Right in-line with veteran Congresswoman Tulsi Gabbard…

Posted by Our Amazing World on Mittwoch, 3. Februar 2016

Da ist jemand schon lange im politischen Geschäft, wenn auch nicht wirklich tief im Establishment angekommen. Mit Analysen und Meinungen. Und auf der anderen Seite ein Milliardär, der reicher sein könnte, wenn er sich überhaupt nicht unternehmerisch betätigte hätte, (auch wenn man an der Rechnung zweifeln kann, weil es so viele Unbekannte hat – darunter die Frage, wie viel Geld Trump wirklich schwer ist) der in der Regenbogenpresse ein Dauerabo hatte, eine eigene „Soap“. Der klar Anti-Establishment und Contra-Washington daherkommt, indem er politische Debatten im Grundatz „America-Great-Again“ vermeidet.

Und die beiden können mit den selben Begriffen belegt werden? Kann man machen, muss man aber, bitte, bitte, nicht. Hier ein Blick auf den „Radikalen“ Sanders.

Die Gleichsetzung Trump/Sanders folgt einem merkwürdigen journalistischen Muster, und möglicherweise auch der Vorstellung, dass man dem Leser, der Leserin nur Karo einfach vorsetzen kann. Dabei ist das alles etwas komplizierter.Deshalb bin ich immer so bauchschmerzig mit dem Begriff „Populismus„. Er ist zu schwach als Analysekategorie und wird gerne falsch gebraucht.

 

 

Komplizierter ist es übrigens auch mit Bernie Sanders außenpolitischer Kompetenz, hier ein Artikel von Vox zum Thema und den unrealistischen Vorstellungen des Unabhängigen, der für die Demokraten kandidieren will. Immerhin gibt es bei ihm ein paar Vorstellungen und Programme, über die man diskutieren kann. Bei „ich bomb sie weg“-Trump ist das deutlich schwerer.