Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

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01/26/2015
von Michael Scheuch
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Media Terror

Zweierlei bliebe ja noch kurz anzumerken, zu einer aufmerksamkeitsstarken Story von SPIEGEL und SPON aus letzter Woche. Die Schlagzeile: Auswertung von TV-Sendungen: Medien berichten negativ über den Islam.

 

Screenshot Spiegel Online

Screenshot Spiegel Online

Das eine: diese Studie hat der so genannte “Auswertungsdienst”, ein wunderschönes Wort nebenbei, “Media Tenor” erstellt. Für die jungen Kolleginnen und Kollegen: dieser “Auswertungsdienst” hat eine Geschichte, die vom Wikipedia-Artikel tatsächlich ganz gut erzählt wird.

Außerdem dürfe die VorgängerfirmaMedien Tenor nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln der „Datenmanipulation“ bezichtigt werden. Nach einem von der ARD angestrengten Verfahren war Geschäftsführer Schatz aufgrund zahlreicher falscher Aussagen zu einer umfangreichen Gegendarstellung und zu Unterlassung verurteilt worden.

Nur weil irgendwo das Wort “Studie” draufpappt bedeutet das schließlich fast gar nichts.

Das hier ist ein ganz toller Einstieg in diesen Artikel:

Über Religionsgruppen wird in den Medien meistens mit negativer Tendenz berichtet. Zu diesem Schluss kommt der Schweizer Auswertungsdienst Media Tenor, der seit 2001 für seine Analyse zahlreiche Medien untersuchte. Eine der wenigen Ausnahmen sei Papst Franziskus, der oft gut wegkomme. Besonders kritisch sei die Tonalität in Berichten über den Islam.

Halten wir fest: Papst Franziskus ist eine Religionsgruppe. Vielleicht eine sehr kleine, aber eine Religionsgruppe.

So. Jetzt formulieren wir das mal um.

Über Wetter wird in den Medien meistens mit negativer Tendenz berichtet. Zu diesem Schluss kommt der Schweizer Auswertungsdienst Media Tenor, der seit 2001 für seine Analyse zahlreiche Medien untersuchte. Eine der wenigen Ausnahmen sei das Azorenhoch im Sommer, das oft gut wegkomme. Besonders kritisch sei die Tonalität in Berichten über den Hurrikane, Tornados und andere Stürme.

Tatsächlich, da lehne ich mich mal aus dem Fenster, ergäbe eine gleich aufgebaute Media Tenor Analyse genau das. Nur was bedeutet das, wenn wir über Nachrichtenmedien nachdenken? Sind diese miesen Journalisten dem Wetter gegenüber voreingenommen? Vorbehalte gegen Wetterphänomene? Manipulation zu Lasten von Tiefdruckgebieten?

Oder ist nicht das alltägliche Nachrichtenauswahlmuster einfach das Nachrichtenauswahlmuster?

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01/14/2015
von Michael Scheuch
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iJournalismus

Ach, hört doch auf, Kollegen. Ist das wirklich notwendig?

Screenshot Spiegel Online 14.1.2015

Screenshot Spiegel Online 14.1.2015

Leaks? Am A… die Räuber. Fest steht doch wohl, dass Apple sich mit der Vorstellung eines Produkts im September 2014, das frühestens 7-8 Monate später auf den Markt kommen wird, einigermaßen blamiert hat. Bis dahin war es, für die Konkurrenz schwer erreichbare Routine, ziemlich schnell nach der Präsentation das Produkt auch im Markt zu haben – und das auch noch zumeist in ausreichender Stückzahl. Das Nach-Jobs-Apple hat bei der Apple Watch mit dieser Praxis gebrochen. Das fanden Marktbeobachter damals schon – nicht so eine gute Idee.

Und anscheinend greift man da auf bewährte Mittel zurück, das Ganze am köcheln zu halten: angebliche Leaks. Boah ey, das glaubt Apple doch im Ernst niemand mehr. Aber alle machen mit.

Screenshot Google News 14.1.2015

Screenshot Google News 14.1.2015

Bei den “Fachmedien” (hihihi) kann ich das ja vielleicht noch, mit gutem Willen, nachvollziehen, aber natürlich springt auch der Mainstream, hier nicht zufällig verkörpert durch SPON, auf.

Ach, hört doch auf, Kollegen.

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01/09/2015
von Michael Scheuch
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Versprochen – gebrochen

Jaja, Service zieht immer, das gibt Klicks, Auflage, Quote. Und dank Überschriften ist das ja so einfach, denken die, die die Überschriften machen. Etwa bei faz.net (Treibe ich mich da zu viel herum? Ja.)

Screenshot faz.net 9.1.2015

Screenshot faz.net 9.1.2015

Hier finden sie das günstigste Hotelzimmer. Wow.

Also, “hier” natürlich nicht im Sinne von: hier auf der faz.net-Seite.

“Hier” aber auch nicht im Sinne von: ich verrate Dir, wo Du, lieber Leser, liebe Leserin, das günstigste Hotelzimmer findest.

Sondern mehr so: “hier” im Sinne von: irgendwo.

Conclusio:

Als Verbraucher sollte man sich daher die Zeit nehmen und unterschiedliche Portale sowie Direktangebote der Hotels zu vergleichen.

Na dann mal vielen Dank für diesen tollen Tipp “hier”.

01/06/2015
von Michael Scheuch
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LdT: Jetzt Freibetrag “eintragen lassen” – nicht vergessen

Früher war das echt einfach: da kam die buntige Lohnsteuerkarte nach Hause und hat einen daran erinnert, dass man jetzt wieder den Freibetrag eintragen muss, etwa wenn man regelmäßig hohe Fahrtkosten als Werbungskosten ansetzen darf. Dann hat man Monat für Monat mehr Geld auf dem Konto und nicht erst nach der Steuererklärung. Diese regelmäßige Post kommt jetzt nicht mehr, also muss man selbst dran denken, in seinen Stammdaten den Freibetrag zum ersten mal eintragen zu lassen, oder die Angaben zu erneuern. Wie es geht: hier bei finanztip.de.

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01/05/2015
von Michael Scheuch
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Nominierung: DAdJ15 (1)

Für den “dümmsten Artikel des Jahres 2015″ gibt es schon am 5. Januar die erste Nominierung: DAX KONZERNE NUTZEN KAUM SCHLUPFLÖCHER der Faz(.net). Nach einer so genannten “Analyse der F.A.Z.” steht fest, dass zumindest in den Geschäftsberichten der DAX-Konzerne deren Steuerumgehungstrategien nicht zu finden sind.

Im jüngsten abgeschlossenen Geschäftsjahr, für das Zahlen vorliegen, überwiesen sie 25,5 Milliarden Euro an die Finanzämter. Gemessen am Vorsteuergewinn, entspricht dies ziemlich genau einer gewichteten Quote von 27 Prozent.

Wie sehr durch Transfers  in Billigsteuerländer die hiesigen Gewinne geschmälert wurden, das steht leider anscheinend nicht in einem eigenständigen Kapitel der Geschäftsberichte, etwa unter der Überschrift “Ins Ausland verschobene Gewinne”. Das wäre ja für eine Analyse der F.A.Z. schön gewesen, entspricht aber wohl nicht dem Branchenstandard.

Das ist natürlich doof für die Analysten der F.A.Z., wer mehr wissen will, der kann woanders den schlauen Kopf dahinterstecken, etwa sogar beim Handelsblatt Deutsche Firmen sparten mit Steuerdeals Millionen.

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12/07/2014
von Michael Scheuch
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Verbraucherschutz oder Kommerz – der ADAC hat sich entschieden

Ein bisschen traurg, dass der ADAC sich gegen die Ausrichtung als Verbraucherschutzorganisation hin zum kommerziellen Unternehmen entschieden hat. Folgt man zumindeste dem SPON-Artikel “Das ändert sich beim ADAC“:

Einen Fährentest wird es nicht mehr geben – der Verkauf der Tickets geht aber weiter, weil das laut ADAC von vielen Mitgliedern gewünscht wird. Auch ADAC-Tests von Batterien, Schneeketten und anderen Produkten und Dienstleistungen sowie die Pannenstatistik wird es wegen Interessenkonflikten nicht mehr geben.

Dass man nicht gleichzeitig testen und verkaufen kann, das leuchtet ein. Dass man dann auf Tests verzichtet ist dagegen vielsagend. Dann aber wirklich weg mit den Steuerprivilegien für den ADAC – fairer Wettbewerb mit anderen Anbietern.

Ein bisschend eprimierend für die Mitarbeiter in den entsprechenden Bereichen. Ich hatte immer den Eindruck, die machen ihren Job mit dem richtigen Impetus. Und ob sich so viel ändern wird? Es gibt nicht endlos viele Prüfstände für Crashtests in Deutschland, und Erfahrungen im Winterreifentest. Bisher hat man das ab und zu mit der Stiftung Warentest zusammen gemacht, jetzt wird man diese Dienstleistung an die Stiftung “verkaufen” – genau wie in anderen Bereichen andere Labors, die sowohl für die Stiftung als auch für Unternehmen arbeiten. Der Winterreifentest wird dann weiter vom ADAC kommen, ADAC steht dann halt nicht mehr drauf.

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11/23/2014
von Michael Scheuch
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Sterns schmutzige Titelfalle

Rudel- und Kampagnenjournalismus zählen zu den Erscheinungen, die den Medien das (Über-)Leben heute schwer machen. Denn die Anerkennung für journalistische Arbeit befindet sich im Sinkflug, und durch das Beharren auf alten Mechanismen (immer mehr von immer demselben, das Publikum will das so) und den Abbau von redaktionell erfahrenem Personal verstärkt sich dieser Effekt.

Als dieser Tage Stern Online die wunderbare Headline “Amazons schmutzige Rabattfalle” heraushaute, da konnte doch nur jemand von meiner Naivität damit rechnen, dass es sich um investigative Enthüllungen wallraffesken Ausmaßes handeln müsse.

Screenshot stern.de 22.11.2014

Screenshot stern.de 22.11.2014

Handelte es sich natürlich nicht.

Die schmutzige Rabattfalle von Amazon und ihrem Cyber-Monday, der Black Friday-Variante in Deutschland, ist, und das folgt knallharter investigativer Recherche in den Pressemitteilungen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (die sich anscheinend auch für weitgehend sinnfreies Amazon-Bashing nicht zu schade sind):

Viele der phantastischen Preisnachlässe beruhten auf einem Vergleich mit unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP)

Boah, das ist ja mal ein schmutziger Amazon-Trick. Diese Amis, die kommen auf Sachen. Da würden ja deutsche Möbelhäuser, Bin-ja-nicht-blöd-Märkte, Teppichhändler, Supermärkte, und wer auch noch, niemals drauf kommen. Niemals. Schmutzig, jawoll, schmutzig.

So schmutzig, dass allerdings im vergangenen Jahr dieses Fazit vom Cyber-Monday bliebt:

(…) eines mussten die Verbraucherschützer zugeben: “Preissuchmaschinen konnten die 50 damaligen Amazon-Angebote nicht knacken.”

Die Ersparnis mag also nicht ganz so groß sein, wie von Amazon versprochen und der eine oder andere Fieberanfall dürfte sich als übertrieben herausstellen. Dennoch kann man mit etwas Glück das eine oder andere Schnäppchen machen.

Das sind ja unglaublich schmutzige Tricks: die Angebote sind die günstigsten zu diesem Zeitpunkt. Und es werden Schnäppchen gemacht (dass es am Montag einen stern.de-Artikel zu den besten Schnäppchen geben könnte, mag ich nicht ausschließen). Das ist alles so schmutzig, dreckig, gemein, widerlich.

Dann setzt stern.de noch einen drauf: nach kurzer Zeit sieht der Artikel nämlich so aus:

Screenshot stern.de, 22.11.2014

Screenshot stern.de, 22.11.2014

Es ist die Klickfallenmasche, die die Süddeutsche schon so gerne einsetzt.

Darf ich ehrlich sein: das nenne ich schmutzige Tricks. Übergeigte Überschriften und dann noch eine Klickfalle für die Statistik.

So rettet Online übrigens Print nicht …

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11/03/2014
von Michael Scheuch
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Populismus at it’s best

Über das Thema “geplante Obsoleszenz” und meine Zweifel an einem massenhaften Phänomen und grundsätzlicher Taktik habe ich bereits geschrieben.

Die franzsösische Regierung möchte dem Phänomen, von dem nicht ganz klar ist, ob es denn eines ist, strafgesetzlich an den Kragen gehen: Frankreich will vorschnelles Altern von Geräten als Betrug ahnden. Juhu.

In den meisten Kurzmeldungen dazu wurde das Phänomen als gegeben hingenommen (wenn es ein Gesetz gibt, dann wird es das Delikt auch geben). Manchmal gibt es auch mehr Hintergrund.

Dass es schwer wird, Unternehmen den Vorsatz der vorzeitigen Alterung nachzuweisen, das ist schonmal klar.

Interessant finde ich die weiteren Gedanken aus Frankreich, die sich bei Telepolis finden. Danach soll bei Gütern ab einem bestimmten Warenwert die vorgesehene Nutzungsdauer angegeben werden (so ähnlich wie die Angabe auf Waschmitteln, für wie viele Waschgänge es reicht). Oder eine Zwangsangabe folgen, wie lange ein Hersteller Ersatzteile für ein Produkt vorrätig halten wird. Durchaus nachdenkenswert und sinnvoll, aber eben auf Kosten von “noch mehr Bürokratie” und noch mehr Angaben auf Verkaufsverpackuungen, die “eh keiner liest”.

Dann steht da noch

Und: die gesetzlich garantierte Garantiezeit wird auf zwei Jahre festgelegt.

Was dann mal wieder zeigt, dass der Autor vom Thema keine Ahnung hat, denn eine gesetzliche Garantie gibt es nicht, es handelt sich um die Gewährleistungsfrist, die im Augenblick EU-weit schon bei zwei Jahren liegt – allerdings kehrt sich nach sechs Monaten die Beweislast um, so dass der Kunde nachweisen muss, dass ein Schaden schon bei Verkauf des Geräts vorlag – was er regelmäßig nicht kann. Wahrscheinlich ist gemeint, diese Beweislastumkehr zu kippen.

 

Wie dem auch sei. Bevor ich mich aufrege rege ich mich lieber darüber auf:

So lange es solche Angebote gibt, und Menschen, die so einkaufen, halte ich die Obsolszenz-Debatte für an der Sache vorbeigehend:

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(Besonders Super ist der Schwenkefilter (sic!)) Screenshot: Mediamarkt 25.10.2014)

 

Dass diese Produkte für vier Euro nicht lange halten , schnell Elektroschrott werden und eine katastrophale Umweltbilanz haben, da brauchen wir nicht drüber reden. Abgesehen davon, dass sie wahrscheinlich ihren Zweck noch schlecht erfüllen. Gegen solche Produkte hilft aber kein Obsoleszenzgesetz zur Erfüllung populistischer Forderungen. Was hilft? Ich bin manchmal ratlos.