Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

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11/12/2015
von Michael Scheuch
Keine Kommentare

Jung=blöd? Über „Jugendangebote“

Ich wollte mir eigentlich noch ein bisschen Zeit lassen mit einer Bewertung der „journalistischen“ „Jugendangebote“, die in letzter und nächster Zeit so auf den Markt kommen. Allerdings quält mich Spiegel Online immer mit Links zu Storys bei „Bento“, und wer das Niveau von SPON ab und zu für etwas unzulänglich hält, der kann sehen: es geht noch unzulänglicher.

Da ist dann diese Geschichte „Mein Leben ohne WhatsApp: Warum wir alle darauf verzichten sollten“ , geteasert auf SPON, und schon mit der Kombination zweier journalistischer Formen, die ich eh nicht leiden kann: die „Erlebnis“-Geschichte oder biografische Erzählung gepaart mit dem „appellativen“ Vormundschaftsjournalismus. Schema: ich finde was gut/schlecht/vorbildlich und Du, lieber Leser/Konsument/Zuschauer sollst das aber bitte genau so finden. Das kann klappen, wenn dann eine Reihe guter Argumente folgen, was ein journalistisches Stück über die reine „Selbsterfahrungsnummer“ hinaus weiterbringt. Häufig ist das nicht der Fall. Vor allem wenn es um Themen geht, die Journalisten am Herzen liegen. Etwa Veganismus, Fahrradfahren, Marathonlaufen, Sharen. Sie wissen schon: Themen, die wieder und wieder und wieder kommen.

Zurück zum Thema. Der Teaser:

Vor einem Jahr habe ich WhatsApp gelöscht. Meine Freunde verstehen das nicht, aber ich kann den Ausstieg nur jedem empfehlen.

Das ist ein bisschen weniger als „Warum wir alle darauf verzichten sollten“, aber gut.

Im ersten Abschnitt „Verschlüsselung geht auch besser“ heißt es dann „Ich sorgte mich um meine Daten.“ Dafür muss es ja Gründe geben, oder? Hier die Belege:

Immer wieder las ich von der schlechten Verschlüsselung und den Sicherheitslücken.

Soso, mhmh, da beginnt dann für Journalisten die Pflicht zur Recherche.

Mittlerweile soll WhatsApp nachgerüstet haben

Ach. Soll. Also. Hat Whatsapp nun oder nicht? Kann man ja mal recherchieren.

Fotos und Gruppenchats zum Beispiel sollen immer noch unverschlüsselt übermittelt werden, berichten mehrere Medien

Und welche?

Schon hier könnte man den Einwuf wagen: was ist das denn für ein mekrwürdiges Format, das auf Links zu Quellen anscheinend lieber verzichtet? Was hat so etwas in diesem Internet zu suchen? Eine sehr kurze Recherche würde zu heise.de führen, wo man für Normalnutzer und für Experten analysiert hat, was es mit der angekündigten Whatsapp-Verschlüsselung so auf sich hat (man kann sich dann ein „soll“ im Text sparen, oder gar alle)

Immerhin folgt jetzt Service mit der Vorstellung von Threema und Signals (frisch mit Textsecure verschmolzen). Guter Ansatz! Als Vorteil von Threema wird dann aber hervorgehoben, dass es nicht so viele Menschen nutzen – so dass man nur wenige Nachrichten erhält und daher nicht so viele Nachrichten lesen muss. Hmm. Vorteil? Ich dachte immer, es sei der Sinn eines Messengers, Nachrichten zu bekommen.

Nächster Absatz, allerdings sehr kurz:

Endlich keine Kettenbriefe mehr

Sagenhaft der Text dazu:

Vielleicht sind die Kettenbriefe inzwischen ausgestorben.

Ich nutze Whatsapp schon eine Weile, mich hat noch kein Kettenbrief erreicht, auf Facebook gehört das allerdings mehr oder minder zur Plage. Aber: solche Nachrichten bekommt man nur von Menschen, mit denen man Kontakt hat – und die man nicht blockt. Es ist doch so einfach und bedarf keiner De-Installation von Whatsapp.

Die nächste Zwischenüberschrift hat mich dann irritiert

Ich verpasse alles

Klingt schlimm, aber die Autorin findet das nicht so schlimm. Ich hatte allerdings bis dahin die Vorstellung, die einzelnen Absätze strukturieren den „Artikel“ nach Gründen „dafür“, auf Whatsapp zu verzichten, aber das muss ja nicht sein, das mit der Stringenz.

In meinen Augen verpasse ich nur eins: Ich bin nicht mehr ständig über alle Kanäle erreichbar. Ich lebe mein Leben, statt ständig anderen davon zu berichten.

Ach so, das mit dem berichten, das muss man ja, denn das steht in den AGB von Whatsapp, wer nicht jeden zweiten Tag ein Essensphoto postet der wird ausgeschlossen. Oder?

Über Absatz vier steht dann „Gibt es wirklich keine Nachteile? Doch!“

Vergessen werden

(..)Seit der Löschung des Accounts war ich deswegen zu einem Essen und zu zwei Geburtstagen offiziell nicht eingeladen.

Jetzt muss der „Artikel“ aber schnell zu einem Fazit kommen:

Es geht, es geht gut

Sagenhaft.

Erinnern wir uns jetzt an die Headline?

Warum wir alle darauf verzichten sollten

Dazu liefert die Autorin jetzt aber auch gar keinen Hinweis, ich gehe also davon aus, dass es einfach nur Clickbait ist, im Fazit ist auch nichts davon zu lesen, die Zusammenfassung der „Sicherheitsfrage“ hätte mit ein wenig Fakten und Links angereichert werden können, aber insgesamt: was bringt mir ein solcher Beitrag? Eine Autorin äußert ihre „Gefühle“ zum Thema Whatsapp, der für die Headline Verantwortliche packt ein bisschen Provokation rein, und am Ende steht ein: „Es geht, es geht gut“. Danke.

Was soll das? Wen spricht das an? Wer soll das mit Gewinn lesen? Wieviel davon ist Journalismus? Will das die „Zielgruppe“?

Ich weiß es nicht.

Gelabelt ist das übrigens mit

Screenshot: http://www.bento.de/gadgets/warum-wir-auf-whatsapp-verzichten-sollten-88782/ (11.11.2015)

Screenshot: http://www.bento.de/gadgets/warum-wir-auf-whatsapp-verzichten-sollten-88782/ (11.11.2015)

Was ist die Story? Ist das nicht eher „Meinung?“ Ich habe keine „Story“ gefunden.

Und darf ich noch ein Wort zur Gestaltung verlieren?

Unter den schrecklichen Symbolbildern zu „Sicherheit“ genießen Sicherheitsschlösser große Beliebtheit bei den „alten“ „neuen“ Medien – aber auch bei diesem hippen frischen Angebot?

Screenshot: http://www.bento.de/gadgets/warum-wir-auf-whatsapp-verzichten-sollten-88782/ (11.11.2015)

Screenshot: http://www.bento.de/gadgets/warum-wir-auf-whatsapp-verzichten-sollten-88782/ (11.11.2015)

Seufz. Auch. Wie RP-Online oder focus.de. Originell.

Das dritte Bild habe ich dann gar nicht verstanden, außer nach dem Internet-Motto: Katzen gehen immer? Und das leere Display ist auch toll.

Screenshot: http://www.bento.de/gadgets/warum-wir-auf-whatsapp-verzichten-sollten-88782/ (11.11.2015)

Screenshot: http://www.bento.de/gadgets/warum-wir-auf-whatsapp-verzichten-sollten-88782/ (11.11.2015)

Am Ende dann: Lala perfekt, Mädchen geht mit Luftballons die Straße entlang. Lala.

Liegt’s an der billigen Bildquelle? Das wäre zu einfach.

Screenshot: http://www.bento.de/gadgets/warum-wir-auf-whatsapp-verzichten-sollten-88782/ (11.11.2015)

Screenshot: http://www.bento.de/gadgets/warum-wir-auf-whatsapp-verzichten-sollten-88782/ (11.11.2015)

Ich weiß nicht, wohin das führen soll. Die Autorin, Fachgebiet „Religion, Musik und Filme“ hat dem Ressort „Tech“ mal keinen großen Gefallen getan. Vielleicht funktionieren solche Texte ja. Ganz sicher wenn sie auf SPON verlinkt werden. Die Klickzahlen sind voraussichtlich ok. Aber dennoch sollte sich das Angebot mal fragen: Was soll das?

 

 

Ergiebiger und ausführlicher hat sich noch noch Torsten Dewi mit bento beschäftigt, und zwar hier und hier. Schön klingt „Spiegel-Kindergarten“.

 

 

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07/29/2015
von Michael Scheuch
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Hihihi, Ranking-Show bei Kress

Kopfschüttelnd bis zum Schleudertrauma blicke ich manchmal auf dieses Paralleluniversum der Journalisten.

Da war doch was: dieses ZDF mit einem Ranking-Skandal bei einer Unterhaltungsshow mit dem Titel „Deutschlands Beste“. In der Folgezeit stand dann mal alles, was das Ö/R-Fernsehen in Sachen Ranking machte in der Kritik, und das sicher meist zurecht. Besonders schön die wundervollen Ranking-Verrenkungen der Dritten Programme, die Stefan Niggemeier auf Korn genommen hat. etwa in seinem Beitrag „Ranking Shows – die traurigsten Klickzahlen des Nordens„. Tjaja, traurig.

Anderes Thema. Journalisten als Marken, ein wenig umstritten, ob nun der Journalist (und seltener Mal „die Journalistin“) im Web eine Marke werden sollen.

Und schon wird im Netz debattiert. Und, natürlich, gerankt. Bei kress.de

mithilfe unseres neuen Tools kressbeta,

schreibt kress.de ganz schön stolz, wow, ein neues Tool das Klicks zählt, das ist schon irgendwie der Hammer, das darauf noch niemand gekommen ist… Das ist schon fast ein bisschen krassalpha.

Votes heißen hier auch „Upvotes“ und die sind sicher ganz was anderes als das, was ich mir darunter vorstelle. Leider verrät dieses kressbeta zumindest auf der Abstimmungsseite nicht, wie es denn zählt, daher sind die sensationellen „430“ irgendwas für Tilo Jung mehr als nur langweilige Klicks. Auch wenn ich die „Downvotes“ nicht gefunden habe.

 

Quelle: https://kressbeta.de/questions/6 (29.7.2015)

Quelle: https://kressbeta.de/questions/6 (29.7.2015)

 

Sagt mal, alle Journalisten, die ihr nun dieses Ranking beachtet: nix gelernt?

 

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07/25/2015
von Michael Scheuch
2 Kommentare

Zwei bis drei kurze Anmerkungen zu Griechenland

Diese Wochen sind dramatische Wochen für Europa, und für die Frage, wie wollen wir zukünftig miteinander umgehen. Es geht um Griechenland, aber auch irgendwie auch um den ganzen Rest, allerdings nicht so, wie das Syriza sieht, dass nämlich die tapferen Hellenen den Rest der Europäer stellvertretend vom Joch des „Neoliberalismus“ und so weiter befreien. Es geht darum, im vorgegebenen politischen und wirtschaftlichem Rahmen einer Situation zu begegnen, die es eigentlich nach den Regeln der Europäer nicht hätte geben dürfen.

Allerdings ist es ja nie sehr klug, den Blick nur zurück zu werfen. Und schon gar nicht, wenn man unter Zeitdruck steht – was einigermaßen offenichtlich der Fall ist. Meine 2 Cent zur Debatte:

Die Medien in Deutschland präferien keineswegs nur einen Weg zur Lösung, bieten vor allem ein breites Spektrum an Erklärungen und Prognosen, und von der scharfen Verurteilung der Griechen bis zur Verdamnis der EU und der europäischen Politiker ist wirklich alles dabei. Einen oft beschworenen „Mainstream“ habe ich nicht gefunden, wenn auch bei klarer Verortung mancher Blätter klare „Präferenzen“ zu sehen sind. Manch eine Kolumne kommt dabei sehr heftig daher, doch darf sich „das Internet“ darüber ernsthaft mokieren? Starke Worte, rhetorische Axt und lautstarke Meinung sind nunmal kein Privileg der „neuen Medien“. (Ich lasse nur journalismusähnliche Angebote wie BILD etc. mal außen vor – hört auf, das als Journalismus zu bezeichnen …) Weiterlesen →

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06/21/2015
von Michael Scheuch
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Mediensplitter

Da wird der SPIEGEL seine Medienberichterstattung zukünftig ohne eigene Seite auf die sonstigen Inhalte verteilen.

 Das führte dann in einer Folge zu einigen Tweets mit Pro und Contra. Warum Daniel Bouhs das nicht so gut findet:

Das mit den Medienexperten gibt mir diese Woche doch ganz schön zu denken.

Wenn ich über diese Dinge hier stolpere:

In der FAS übernimmt Thomas Gottschalk die Medienkolumne „Die lieben Kollegen“ anlässlich des angekündigten Abschieds von Stefan Raab vom Flimmerkasten:

Neben einigen richtigen Bemerkungen schreibt er auch

Er hat fasziniert, weil er nie gelangweilt zur Sache ging und weil er etwas hatte, das im Fernsehen weitgehend verlorengegangen ist: eine gewisse Unberechenbarkeit.

Wer so was schreibt, der hat in den letzten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren keine Ausgabe von TV total mehr gesehen. Gelangweilt beschreibt es nur unzureichend, das hat Stefan Niggemeier richtig bemerkt.

Was also soll dieser Gastbeitrag? Weiterlesen →

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05/18/2015
von Michael Scheuch
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[Updated] Vorsicht Hetze …

[Edit] So, selber Rechenfehlergemacht, danke an für den Hinweis. Ich les so was ja.

[Update] Am Ende: das Social Media Experiment

Artikelanfang 1

Roland Tichy war bis September 2014 Chefredakteur der Wirtschaftswoche – die sich durchaus gut in der Krise der Print-Produkte schlug. Eifrig auf Twitter (vor allem wenn es um seine Erlebnisse bei Bahnreisen ging), irgendwie sehr digital, und so wurde er dann auch vom Holtzbrinck-Verlag weg zu „DvH-Ventures“ entsorgt, einem Konzernunternehmen für Beteiligungen an irgendwas mit Digitalem. Das ging aber auch nicht so arg gut, Anfang 2015 verließ er das Unternehmen.

Schon nach dem Abgang bei der Wiwo schwärmte Tichy von seinem neuen Internetauftritt „Tichys Einblick“ (http://www.rolandtichy.de/). In einem Interview mit turi2 behauptete er:

„Ich kann als erfahrener Journalist ausprobieren, wie sich unser Beruf in der digitalen Welt entwickelt. Ich muss nicht mehr jeden Tag an Auflage und Erlöse denken – sondern experimentiere ziemlich frei. Ich muss mich nicht durch einen Business-Plan bremsen lassen, sondern bin mein eigener Chefredakteur im Netz.“

Und er behauptet

„Dass viele Nutzer auf eine andere Farbe und eine originär journalistische Herangehensweise gewartet haben.“

Yeah.

einblicke

Quelle: http://www.rolandtichy.de/ 16.5.2015

Was Roland Tichy unter Journalismus versteht, das wird in den kommenden Monaten auf seiner Webseite deutlich. Und mit Journalismus hat das nicht viel zu tun. Auf jeden Fall holt er sich Kolumnisten an Bord wie Bettina Röhl, die schon in der Wiwo kolumnieren durfte, und den unverwüstlichen Hugo Müller-Vogg, mit dem er das Schicksal eines BILD-Kolumnisten teilt. Dazu kommt Frank Schaeffler, der mit seiner scharfen Kritik an der Euro-Politik sich aus der FDP diffundierte, usw. usf.

Am Anfang dachte ich, dass es da ein liberales Informationsangebot geben könnte, denn liberale Stimmen gibt es hierzulande zu wenige. Allerdings: intelligent-liberale. Die ernst nehmen, dass Liberalität und das staatliche Setzen von Rahmenbedingungen unabdingbar zusammengehören, dass Ungleichgewichte ausgeglichen werden müssen, und liberal sein mehr heißt, als auf das Recht des Stärkeren zu setzen. Weiterlesen →

05/18/2015
von Michael Scheuch
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Staat ist schlecht, es sei denn, er ist gut

Ich bin ja ein echter Fan von vielen Formen des „neuen Journalismus“, aber nicht automatisch Fan von jeder Form. Eine dieser Formen ist der dumm-liberale Auftritt von „Tichys Einblick„, der ja alles andere als Journalismus ist. Ich weiß auch nicht, warum ich da ab und zu hinblicke, aber es muss die gleiche Faszination sein, die dafür sorgt, dass wir unwillkürlich beim Anblick eines Unfalls auf der Gegenspur langsamer werden oder uns Unglücke oder Katastrophen im TV ansehen (immer hoffend, dass doch niemand zu Schaden gekommen sein möge).

 

Immer gut für einen journalistischen Crash ist Bettina Röhl, jetzt auf der Webseite von Roland Tichy als Kolumnistin dilettierend. Weiterlesen →

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05/05/2015
von Michael Scheuch
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Der Film mit den Aliens und Twitter und so

Wie schlecht müssen eigentlich die Arbeitsbedingungen im Online-Journalismus sein, wenn solche „Artikel“ den Weg ins Web schaffen?

Screenshot n-tv App 5.5.2015

Screenshot n-tv App 5.5.2015

Es sind nicht nur die Tippfehler, es ist auch das sprachlich unbedarfte Zusammenstoppeln von Informationsfetzen („Die Chefin heißt Präsidentin“). Manchmal Falschen dazu, laut imdb.com betrug etwa das weltweite Einspielergebnis 1997 bereits rund 817 Mio. US-$. Und ich habe mehr als ein Alien-Raumschiff gesehen.

Ich mache mich aber nicht über den Kollegen oder die Kollegin (mit dem unschönen Kürzel bad lustig) sondern denke, dass solche Meldungen nur einem enormen Arbeitsdruck geschuldet sind. So ist Online-Journalismus nicht gut aufgestellt. Tatsächlich sind diese Meldungen bei spezialisierten Portalen vielleicht viel viel besser aufgehoben …

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04/20/2015
von Michael Scheuch
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DAdJ15 – Neue Nominierung faz.net

Liebe FAZ, was war ich doch eigentlich gespannt auf den Artikel unter dieser Überschrift: KAUM JEMAND LIEST DIE TTIP-DOKUMENTE. Der Widerstand gegen TTIP ist den führenden deutschen Medien ja schwer vermittelbar, aber wie würde Hendrik Kafsack, Wirtschaftskorrespondent in Brüssel, seine launige Unterstellung belegen?

Quelle: faz.net, 19.4.2015

Quelle: faz.net, 19.4.2015

Der Beleg folgt schlagend: anhand der Zugriffszahlen auf die Dokumente im Netz, verglichen übrigens dann originellerweise mit den Zugriffzahlen auf faz.net etwa zu Artikeln über Klopps Ausstieg beim BVB. Was die Unterschiede in den Klickzahlen aussagen? So ziemlich genau gar nichts.

Hallo, Herr Kafsack: kann es sein, dass Menschen die Unterlagen der EU-Kommission lesen können, ohne einen Klick zu generieren? Etwa weil das Dokument von ihrer Organisation einmal runtergeladen und dann weitergeleitet wurde? Kann das damit zusammenhängen, dass die Webseite der Kommission eine unglaublich miese Nutzerführung aufweist, so dass man nie genau weiß, was einen hinter einem Link etwartet? Noch dazu fast immer auf englisch? Oder liegt es daran, dass es mehr den Anschein einer PR-Aktion als eines „Bürgerinformationssystems“ hat?

Quelle http://ec.europa.eu/trade/policy/in-focus/ttip/documents-and-events/index_en.htm#eu-position 19.4.2015

Quelle http://ec.europa.eu/trade/policy/in-focus/ttip/documents-and-events/index_en.htm#eu-position 19.4.2015

Kann es daran liegen, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden? Denn wie oft etwa wurde die Original-Pressemitteilung des BVB online aufgerufen im Vergleich zu den Aufrufen entsprechender Artikel in Online-Medien?

 

Immerhin muss er einräumen

Keine Aussage ist auf dieser Basis darüber möglich, wie lange sich die Nutzer auf der Internetseite mit den Verhandlungsdokumenten aufgehalten haben und wie intensiv sie sich mit den Dokumenten beschäftigt haben.

Ach. Umwerfend.

Man kann das Misstrauen gegen die „Mainstreammedien“, die ohnehin nur die Position der Regierenden und der Konzerne propagieren, bedauern. Oder befeuern.

KLarer Anwärter auf den „Dümmsten Artikel des Jahres 2015“.