Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

22. Mai 2018
von Michael Scheuch
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Die FAZ lernt das anständige Korrigieren von Fehlern nicht – Spalier der Verlierer

Okay, die Bayern sind nicht die besten Verlierer, und nach dem Pokalfinale haben sie vielen, die die Bayern nicht mögen, den Gefallen getan, besonders arschig rüberzukommen, indem sie vor dem Gang in die Kabine nicht mal die Pokalübergabe abgewartet haben. Vorurteil erfüllt, alles klar.

Aber:

Wahrscheinlich lässt sich gar nicht mehr sagen, wer angesichts des DFB-Pokalfinales den Quatsch in die Welt gesetzt hat, die Bayern hätten der Eintracht „ein Spalier des Verlierers für den Sieger“ vorenthalten. Ich habe die 11 Freunde im Verdacht, die das sicher wieder sehr ironisch gemeint haben. In diesem Tweet:

Oder auch nicht. Der Liveticker ist ja auch kein typischer Tatsachenticker sondern so eine Art Kunstwerk. Kann man mögen, muss man nicht.

Ganz anderes Medium: die FAZ.

Deren vielgeteilter Beitrag zum Pokalifinale ist das Meinungsstück Die Bayern verlernen das anständige Verlieren von Michael Horeni.  Laut rivva.de 104 mal auf Twitter geteilt. Ich glaube mich erinnern, dass ich das auch als sinnlose Push-Meldung bekam.

Dort hieß es, und jetzt war ich verwirrt:

Quelle archive.org Snapshot der http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/fc-bayern-verliert-dfb-pokalfinale-gegen-frankfurt-kommentar-15599207.html vom 20.5.2018 11:53 Uhr.

Ich habe schon ein paar Pokalifinale gesehen, ich kann mich an ein solches Spalier partout nicht erinnern. Kann aber sein, dass ich bei Siegerehrungen gerne mal wegzappe, oder eingeschlafen bin, oder oder oder. Ich bin ja kein Sportreporter.

Ich finde da im Netz auf Youtube:

Auch da verloren die Bayern, da gab es das Spalier der Sieger für den Verlierer, Medaillen für den eben den, und danach gings nur noch um den BVB. Nix Spalier der Verlierer.

Heute will ich das nochmal nachschauen, gehe auf den Artikel (oben verlinkt), aber jetzt steht da:

Screenshot http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/fc-bayern-verliert-dfb-pokalfinale-gegen-frankfurt-kommentar-15599207.html 21.5.2018

Aus dem Spalier der Verlierer wurde „erwies dem krassen Außenseiter nicht die Referenz“.

Ups.

Das ist alles möglich, kann im Journalismus passieren. Ich mache auch Fehler. Hier. Und hier. (Hinter mir sitzt allerdings auch kein abnehmender Redakteur).

Allerdings ist der Fehler dann besonders peinlich, wenn in diesem Meinungsbeitrag ziemlich heftig auf die Bayern eingewatscht wird. Wenn der Satz der eigentliche Knackpunkt der Beschreibung des skandalösen Bayernverhaltens ist.

Aber: passiert.

Aber so sehr, wie sich die FAZ von den Bayern anständiges verlieren wünscht, genau so wünsche ich mir anständiges korrigieren. Ich dachte inzwischen, das hätte sich in den so genannten „Qualitätsmedien“ als Standard etabliert. Das habe ich wohl falsch gesehen.

 

 

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20. Mai 2018
von Michael Scheuch
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Großmäuligkeit: Jan Albrecht und die #dsgvo

Jaja, die DSGVO. Je mehr ich mich damit beschäftigen muss, desto größer wird mein Aggressionspotential.

Und im Augenblick macht sich das fest an Jan Albrecht, den die taz als Heilsbringer der Grünen feiert, und der sich selbst feste dafür feiert (man beachte das Bild), für die Datenschutzgrundverordnung so etwas wie verantwortlich zu sein.

Im verlinkten Text reagiert er auf die aus seiner Sicht verderbliche Kritik an der DSGVO, die Enno Park und Sascha Lobo geäußert haben. Die Texte der beiden treffen auf mein höchstes Wohlwollen, etwa wenn Lobo schreibt:

Aber mir stößt vor allem der Geist des Datenschutzes auf, denn meiner Ansicht nach wird der Übergriffigkeit der Digitalkonzerne ein Paternalismus der Datenschützer entgegengesetzt. Das ist mein grundsätzliches Problem: Ein Kampf tobt darum, wer mir geilere Vorschriften machen darf. Ich sitze zwischen den Stühlen und fühle mich damit unwohl. Und ich fürchte, dass es vielen Menschen bald ebenso geht.

Enno Park über die, die jetzt „dran“ sind:

„Wir“, das sind Blogger, Arztpraxen, Fotografen, Onlinehändler, Influencer, Buchhaltungsbüros, Journalisten, Youtuber, kleine und große Vereine, Open-Source-Entwickler, Webdesigner, Coaches, Aktivisten, Berater oder Seelsorger – also genau diejenigen, die ganz offenbar immer wieder durch Datenmissbrauch auffallen und dringend mal strenger reguliert werden müssten.
Klar, die DSGVO reguliert auch die „Großen“. Aber wieviel ist eine Datenschutzreform wert, die Facebook gleich mal verwendet, um seinen Nutzern die automatische Gesichtserkennung unterzujubeln?

Jan Albrecht ist ein bisschen beleidigt ob der Kritik. Und hat sein Traktat daher „DSGVO – häufig gestellte Fragen, häufig verbreitete Mythen“ genannt. Mythen sind ja sowas wie Märchen, unwahre Tatsachenbehauptungen, unseriöses Zeug.

Wir bekommen selber vermehrt Anfragen und Beschwerden, auch aus der eigenen Partei. Befeuert wurde die Unsicherheit in jüngster Zeit leider noch durch Blogbeiträge u.a. von Sascha Lobo und Enno Park, die weite Verbreitung fanden. Beide Autoren schätzen wir ansonsten eigentlich sehr.
Daher sollen im Folgenden viele Fragen beantwortet werden, die wir immer wieder gestellt bekommen. Und anhand des Beitrags von Sascha Lobo soll beispielhaft gezeigt werden, welche verkehrten Annahmen oder Missverständnisse sich teilweise hinter der DSGVO-Panik verbergen.

Und jetzt geht’s los, immer feste druff auf die dämlichen Kritiker.

Wer den Text allerdings wie ich Anfang der Woche besuchte und jetzt „revisited“, der stellt fest: da hat sich der gute Jan Albrecht aber schwer überhoben. Wollte er ursprünglich darstellen, wie easy peasy diese DSGVO für „die Kleinen“ handhabbar sein, so musste er jetzt durch Update um Update zurückrudern: Weiterlesen →

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16. Mai 2018
von Michael Scheuch
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Zwangsabgabe und Studien und Umfragen und @dpa und … (Update/2 Reaktion)

Als fester Freier Mitarbeiter eines öffentlich-rechtlichen Senders halte ich mich in Sachen Rundfunkbeitrag zurück.

Aber in Sachen nachlässigem Journalismus zuckt es in meinen Fingern.

So stolpere ich über den Text Zwangsgebühr von ARD und ZDF vor dem Verfassungsgericht des Manager Magazin. Ein tiefes Seufzen entringt sich mir, wenn ich „Zwangsgebühr“ lese, und ich frage mich, wie dieser Kampfbegriff den Weg ins ganz normale Journalistenvokabular gefunden hat. 1)

Spannender aber noch ist der Text, der vor allem auf einer Meldung der dpa beruht, und hier, unabhängig vom Thema, haben wir es wieder mit journalistischer Schlamperei von dpa zu tun, die sich schon bei der Trinkwassernummer nicht mit Ruhm bekleckert hat. Das ist alles deswegen so ärgerlich, weil dpa-Meldungen in Redaktionen als sakrosankt gelten und einfach, ohne weiteren Check, übernommen werden.

Im Text heißt es:

Einer Umfrage des Instituts YouGov vom Februar zufolge finden 44 Prozent der Befragten den Rundfunkbeitrag zu hoch – und 43 Prozent wollen ihn gar nicht mehr zahlen.

Wie immer heißt das Motto: ran an die Quelle!

Screenshot: https://yougov.de/news/2018/03/06/mehrheit-wunscht-sich-abstimmung-uber-rundfunkbeit/

Hier ist sie: Mehrheit wünscht sich Abstimmung über Rundfunkbeitrag, und dort heißt es, Anlass ist die Volksabstimmung in der Schweiz:

Auch in Deutschland wäre solch eine Abstimmung bei der Mehrheit (76 Prozent) erwünscht, wie eine aktuelle YouGov-Umfrage in Zusammenarbeit mit Statista zeigt.

Gründe für den Wunsch nach einer direkten Abstimmung haben vor allem etwas mit den Gebühren zu tun: 44 Prozent finden den Beitrag zu hoch, den sie aktuell zahlen. 43 Prozent möchten ihn sogar gar nicht mehr zahlen. Zwar findet es ein Viertel (28 Prozent) okay zu zahlen, die aktuellen Inhalte sind es ihnen jedoch nicht wert.

43 Prozent wollen keinen Rundfunkbeitrag zahlen. Naiv wie ich bin lese ich das so, dass das 43 Prozent derjenigen sind, die eine Abstimmung wünscht (76 Prozent). (Übrigens merkt man schon an der Rechnung 44+43+28 dass wir es hier auch mit einer Frage zu tun haben, die anscheinend mehrere Antworten zulässt!)

Das bedeutet: 43 Prozent von 76 Prozent wollen gar keinen Rundfunkbeitrag zahlen. Das sind dann, berechnet auf die Grundgesamtheit aller befragten, knapp 33 Prozent. Das ist zwar immer noch eine Menge, aber:

Es sind nicht die 43 Prozent der dpa-Meldung.

Damit ich nicht den Text falsch lese, den man auch falsch lesen kann, mache ich etwas Unerhörtes: ich frage die zuständige Data-Journalistin bei Yougov, ob denn meine Interpretation stimmt oder die Annahme der dpa. Yougov, und das finde ich prima, hat die Kontaktdaten direkt neben seiner Veröffentlichung. Und sie antwortet umgehend, auch das: vorbildlich! Ihre Antwort:

Genau, wir haben zunächst alle Deutschen gefragt, ob es eine Abstimmung geben sollte oder nicht.

Und dann haben wir alle befragt, die sich eine Abstimmung wünschen: „Aus welchem Grund/welchen Gründen sollte es, Ihrer Meinung nach, auch in Deutschland **eine direkte Abstimmung** darüber, ob es den Rundfunkbeitrag weiterhin geben sollte, geben? (Bitte wählen Sie alle zutreffenden Gründe aus)“

War das jetzt so schwer, dpa?

[Update] Und natürlich findet sich das Frage/Antwort-Spiel auf so vielen Seiten, und in so vielen Medien:

Screenshot: google.com

 

 

[Update 2] Und natürlich hat dpa recht:

Da nicht alle gefragt wurden, kann man auch nicht hochrechnen, wie viele insgesamt gar keinen Beitrag mehr zahlen würden, und außerdem waren ja Mehrfachantworten möglich. Danke.

 

 

1.) (Nicht ohne die Antwort zu kennen, aber das führt hier zu weit. Die FAZ arbeitet ja jetzt daran, den „Staatsfunk“ wahrheitswidrig salonfähig zu machen, also muss einen die „Zwangsgebühr“ nicht wundern, und ich verstehe langsam auch die Mechanismen, wie das AFD-Vokabular (wird man ja nochmal sagen dürfen) langsam in die Berichterstattung einsickern wird, ich warte auf die „Umvolkung“ ohne Anführungszeichen, und dann gebe ich die Hoffnung für den Journalismus auf).

 

Photo by Simson Petrol on Unsplash

 

 

13. Mai 2018
von Michael Scheuch
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Internet first, Bedenken auch (Update)

Es geht ja vielleicht ein bisschen unter, aber im politischen Tagesgeschäft ist die FDP eine so analoge Partei wie die anderen auch, von wegen „Bedenken second“. Und sich nicht zu schade, eine unbeantwortbare Anfrage an die hessische Landesregierung zu stellen:

Der Facebook-Datenskandal wird Thema in der hessischen Landespolitik. Die FDP-Landtagsfraktion verlangt von der Landesregierung Auskunft darüber, ob Facebook-Nutzer in Hessen oder möglicherweise auch Mitglieder der Regierung von der Affäre betroffen sein könnten.

Ich sach nochmal: „Bedenken Second“. Auf welcher Datenbasis die hessische Landesregierung das beantworten soll? Keine Ahnung.

Update 14.5.:

Das mit dem „Bedenken second“ war wohl keine so gute Idee, schwant wohl auch Christian Lindner. Neben der Bäckeranekdote gibt es laut FAZ Aufstieg aus der politischen Gosse auch diese Einsicht:

Das Plakat aus dem Bundestagswahlkampf, welches den Slogan trug, „digital first, Bedenken second“, sei womöglich etwas zu überschwänglich gewesen, sagte Lindner jetzt; Bedenken und kritische Reflexion könnten doch auch eine Handlungsanleitung sein.

 

13. Mai 2018
von Michael Scheuch
2 Kommentare

Studies from hell: Trinkwasser

Als die „Analyse“ der Grünen veröffentlich wurde, zuerst von der Saarbrücker Zeitung, machte die Meldung lauffeuermäßige Welle:

https://www.hna.de/wirtschaft/durchschnittlich-um-25-prozent-gestiegen-preise-fuer-trinkwasser-explodieren-in-deutschland-zr-9859013.html

https://www.hna.de/wirtschaft/durchschnittlich-um-25-prozent-gestiegen-preise-fuer-trinkwasser-explodieren-in-deutschland-zr-9859013.html

Eine Ursache: Journalisten und Veränderungswerte in Prozent. Sobald Journalisten „25 Prozent“ sehen und in ihrem Hinterkopf vielleicht gerade noch eine Inflation von unter „2 Prozent“ haben, dann explodiert etwas. Dass die Preisentwicklung, noch dazu falsch, über einen langen Zeitraum zu sehen ist (2005-2016, 11 Jahre), ist schwer zu erfassen. Ist das viel, wenig, ganz ok? Keiner weiß es.

Schuld daran ist unser Unvermögen, über längere Zeiträume mit Veränderungszahlen umzugehen. Das gilt ja etwa auch für den Zinseszins-Effekt, aber eben auch für die Auswirkungen von Inflation auf Kaufkraft.

Und schwupps, als ich diesen Artikel schreiben wollte, hat Stefan Niggemeier auf Uebermedien.de die Arbeit schon gemacht. Das Trinkwasserpreis-Debakel der deutschen Medien

Anders als die Umweltstatistik, auf die die Grünen sich beriefen, liefere aber die Preisstatistik vergleichbare Werte, erklärte das Statistische Bundesamt. Sie erhebt die Preise für die Wasserversorgung privater Haushalte. Danach sind die Preise für Trinkwasser zwischen 2005 und 2016 um 17,6 Prozent gestiegen. Das ist nur wenig mehr als die allgemeine Entwicklung der Verbraucherpreise, die um 16,1 Prozent zunahmen.

Es gilt also, ach, sich Zahlen und Zahlengrundlagen von „Analysen“ und „Studien“ anzuschauen, bevor man sie in die Welt hinausposaunt. Doch von diesem Anspruch ist die Medienwirklichkeit weit entfernt.

[Gerne würde ich für diesen einen Artikel etwas zahlen, leider erlaubt Uebermedien nur Monatsabos. Das sind mir aber zu viele andere Artikel nicht wert]

7. Mai 2018
von Michael Scheuch
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Meine Leseliste (18/10) Blockchain

So, diesmal eine kurze Leseliste, die gar nicht mal nur eine Leseliste ist, sondern auch ein Videotipp. Das Thema: Blockchain. Die wahrscheinlich gehypteste Technik seit Google Glases, sagt zumindest John Oliver in durchgehend sehenswerten 25 Minuten 21 Sekunden:

Immer dann, wenn etwas als absolutes Heilsversprechen daherkommt, dann müssen doch eigentlich bei Journalisten die Alarmglocken läuten. Denn kann es wirklich sein, dass das Paradies auf Erden Einzug hält, sobald alles in einer Blockchain ist, wir nur noch in Bitcoin zahlen, die Banken weg und das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt ist?

Ach was.

Hier noch der Artikel Blockchain is not only crappy technology but a bad vision for the future

Blockchain systems do not magically make the data in them accurate or the people entering the data trustworthy, they merely enable you to audit whether it has been tampered with. A person who sprayed pesticides on a mango can still enter onto a blockchain system that the mangoes were organic. A corrupt government can create a blockchain system to count the votes and just allocate an extra million addresses to their cronies. An investment fund whose charter is written in software can still misallocate funds.

An der Blockchain-Debatte zeigt sich exemplarisch, dass der Hang zum Universaljournalisten verheerend ist – schreib mal was zu Bitcoin. Und dann über den Milchpreis. Und die Russland-Sanktionen. Und den US/EU-Handelsstreit. Alles in einer Stunde.

Das kann nicht gut gehen. Schaut Euch den John Oliver an. Lustig, aber dennoch schreiben Journalisten weltweit Kryptowährungen und Blockchain hoch. Ich suche noch nach der richtigen Anwendung für diese Datenbanktechnologie.

Den wahrscheinlich dümmsten Artikel zum Thema kann ich leider nicht verlinken, er erschien in der DJV-Zeitschrift „Journalist“ und hieß „Ab in die Blockchain
Dezentral und transparent: Die Blockchain-Technologie ermöglicht neue journalistische Formate und neue Finanzierungsmodelle.“ Auch da: Buzzwords ohne Ende, aber auch keine Antwort auf die Frage: wie bekommt man Menschen dazu, für Journalismus zu zahlen.

Und das wäre die spannende Frage.

 

Photo by Caroline Methot on Unsplash

1. Mai 2018
von Michael Scheuch
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Storify Backup 2018: Meine liebe Re:Publica 2017

 Vorbemerkung

Das hier ist die Sicherheitskopie eines Storify, das ich im vergangenen Jahr angelegt habe, beim Besuch der RP17. Weiterbearbeitet und veröffentlich habe ich das dann aus einigen Gründen nicht, aber da Storify am 16.5. endgültig seinen Dienst einstellt, habe ich mir das gezogen. Ich veröffentliche das jetzt einfach mal so. Auf dem Weg zur RP18. Ich fürchte, ein Phänomen wird auch in diesem Jahr auftreten: die heillose Überfüllung der Säle. Das war schon im vergangenen Jahr der Grund, warum ich die Überschrift als Anschreiben an die Re:Publica so wählte: ich war es nämlich satt, in Säle nicht reinzukommen, stehen zu müssen, zu schwitzen.

Ich werde das Spiel in diesem Jahr nur bis zu einem gewissen Punkt mitmachen.

Rü:ckblick

Ausgabe 17: #rp17 oder „Love Out Loud“, wieder in der Station Berlin, diesmal bei eher schlechtem Wetter, aber das nur als Randbedingung. Ein Blick auf die Medienbranche, meine Sessions und mehr.

  1. Ein Thema: Fake News. Dazu gab es eine Menge. Allerdings, wer sich mit dem Thema schon intensiv beschäftigt hat – auch mit der Frage, wie weit uns dieser Begriff hilft, der muss ein bisschen graben, bis er etwas findet.
  2. Erstmal ganz einfach: der Einstieg ins Thema sozusagen aus der ZDF-Praxis. Mal kurz reinhörden, aber weiter führt das nicht.
  3. re:publica 2017 – Fakes, Leaks und Desinformation – Verlässlicher Journalismus im Nachrichtensturm
  4. Meine erste Session war etwas erhellender:
  5. re:publica 2017 – Prof. Dr. Frank Pasquale: The Automated Public Sphere
  6. Prof Frank Pasquale mit einem Einblick in die Struktur digitaler Öffentlichkeit, in der THE GUARDIAN und THE DENVER GUARDIAN so gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Das Recht auf „Freie Rede“ in den USA prägt auch den Umgang in anderen Ländern mit den Phänomenen, da nunmal Facebook etc. aus diesem Land kommen. Es gibt sogar das „Recht auf Lüge“, abgeleitet aus diesem „Supergrundrecht“. Er präsentiert auch Gegenstrategien.
  7. Wie Facebooks Algoritmen funktionieren, das ist ein Kernthema. Und das merkte man dann auch, in diese Session kam ich nicht mehr. Ab Minute 10:17. Leider kann man die Grafiken nicht wirklich lesen. Und die Masse an Einflussfaktoren für den Facebook Algorithmus lässt einen dann auch ratlos zurück
  8. FACEBOOKS ALGORITHMUS IMPERIUM – EINE VISUALISIERUNG
  9. Am Abend dann die Prdigt von Sascha Lobo. Der Saal: so geknüppelt voll, dass ich draußen gesessen und den Livestream gesehen habe. Ganz ehrlich: Hilflosigkeit geapart mit rhetorischer Stärke. Die ersteres aber kaum kaschieren kann. Daher eher eine Enttäuschung.
  10. re:publica 2017 – Sascha Lobo: Vom Reden im Netz.
  11. Wohl eine ganz gute Zusammenfassung:
  12. Am Ende von Tag 1: ein leichtes Gefühl der Unzufriedenheit.
  13. Am Beginn des Tages verstärkt sich das. Immerhin ist der Vortrag von Bertram Gugel „Sprungbrett oder Aufzug? Facebook, YouTube und Instagram kreieren und begraben Stars“ interessant, zeigt er doch die Mechanismen der Plattformen auf:
  14. Sprungbrett oder Aufzug? Facebook, YouTube und Instagram kreieren und begraben Stars
  15. Hier sind die Folien

1. Mai 2018
von Michael Scheuch
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Rezension: Fire & Fury – Im Weißen Haus von Donald Trump

Über ein Jahr nach dem Amtsantritt Trumps hat dieses Buch den klaren Nachteil, den aktuellen Entwicklungen deutlich hinterherzuhinken. Es zeigt auch, dass ich vor einem Jahr die Berichterstattung sehr intensiv verfolgt habe und diese auch ein anscheinend zutreffendes Bild der Lage im Weißen Haus gezeichnet hat. Das interessante ist, dass es gar nicht sehr um Trump geht, denn der ist schnell charakterisiert: sprunghaft, unbelesen, unkonzentriert, ADHS, manipulierbar, wirr, vergesslich. Und so geht es vor allem um das Kommen und Gehen des Personals im Weißen Haus, und insbesondere Steve Bannon war wohl wichtiger Gesprächspartner Wolffs, denn von ihm gibt es jede Menge wörtliche Rede. Richard Barenberg macht einen grandiosen Job, indem er den weinerlich-aggressiven Trump und den brummigen, zynischen Bannon entsprechend intoniert. Sehr gut.

Es wird noch einmal aufgeblättert, welches Personal da Einzug gehalten hat, und wo die Konfliktlinien vor den Augen des Präsidenten und hinter seinem Rücken verlaufen: Bannon, die „traditionellen“ Republikaner, und „Javanka“, das Team um Jared Kushner und Ivanka Trump. Das Kriegsglück wogt dabei hin und her.
Meine Learnings:
* Trump telefoniert allabendlich mit seinen Millionärsfreunden und lässt sich von ihnen beraten. Rupert Murdoch und andere nehmen so direkten Einfluss auf die Politik
* Trump ist so untauglich als Präsident, wie wir es wahrnehmen.
* Der Einfluss der US-Milliardäre auf die Politik, etwa am Beispiel der Mercers, ist unglaublich groß. Nicht auszudenken, wenn die AfD hierzulande über ähnliche Ressourcen verfügen würde. Aber halt: gab es da nicht die aus unerfindlichen finanziellen Quellen bezahlten Anzeigen, Plakate, Postwurfsendungen, Wahlkampfzeitungen?

Der Satz, der bei mir am meisten hängen blieb (der Nachteil von Hörbüchern ist die fehlende Chance, Dinge zu markieren, anzustreichen!) hat aber nur indirekt mit Trumpismus und Bannonismus zu tun:

„Amerika ist ein unaufmerksames Land, zersplittert und zerstreut. Vielleicht war es Barack Obamas eigentümliche Tragödie, dass sogar er, der begeisternde Veränderer und Kommunikator, kein großes Interesse wecken konnte. Und es könnte die zentrale Tragödie der Nachrichtenmedien sein, dass ihr altmodischer, ja geradezu unbedarfter bürgerlicher Glaube, Politik sei die höchste Form der Nachrichten, mit dazu geführt hat, dass sie sich von einem Massen- in ein Zielgruppengeschäft verwandelt haben. Leider ist auch die Politik selbst immer mehr zu einer Angelegenheit für Experten geworden.“

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30. April 2018
von Michael Scheuch
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Das süße Gift der Vorschusslorbeeren

Immer dann, wenn ich euphorische Vorabmeldungen zu TV-Formaten lese, dann muss ich hieran zurückdenken:

Screenshot http://www.spiegel.de/kultur/tv/gottschalks-neue-ard-show-zugabe-zugabe-zugabe-a-802751.html

Das war am 9.12.2011. Die Euphorie anläßlich der Vorstellung der allvorabendlichen Sendung von Thomas Gottschalk: grenzenlos. Kuzmany, an anderer Stelle als „Der Kuzy“ als Meister der ironischen Selbstdistanzierung vorgestellt, ist hier alles andere als ironisch oder gar distanziert.

Aber dann, je länger die Pressekonferenz läuft, desto klarer wird: Diese Wurstigkeit, die so weit geht, dass er sich nicht einmal den Titel seiner Show gemerkt hat, diese vollkommene Entspanntheit, die Thomas Gottschalk heute wie in seinen besten Momenten ausstrahlt, sie ist Grundlage und Hoffnung dafür und darauf, dass „Gottschalk Live“ tatsächlich eine großartige Sendung werden könnte. Denn Gottschalk hat das alles nicht nötig – und um so freier kann er agieren

Im folgenden stellt Kuzmany fest, eigentlich sei es vollkommen egal, welches Konzept, welchen Stil, welche Redaktion etc. die Sendung habe, denn darauf komme es ja nicht an:

Das alles ist Staffage und tote Materie. Lebendig wird die Sendung allein durch ihren Moderator, und wenn er es schafft, in seiner Show auch nur die Hälfte der guten Laune auszustrahlen, die er bei dieser Präsentation an den Tag legt, dann wird sie ein Erfolg.  (…)

Das muss man alles nicht wissen, denn das einzige was zählt für „Gottschalk Live“, ist Thomas Gottschalk selbst und das, was ihm genau in der richtigen Sekunde einfällt und einfach so über die Lippen kommt.

Der Rest ist Geschichte. Und bei mir ein feines kleines Lächeln.

 

Nicht unerwähnt bleiben sollten aber die Volten, die Kuzmany noch geschlagen hat, seine irre Hingabe an Gottschalk bis zum finalen Akt. Etwa die quasi päpstliche Audienz mit Selfie: Weiterlesen →

29. April 2018
von Michael Scheuch
1 Kommentar

VRM: Aversionen gegen mein Lokalblatt und das Gejammere über den Niedergang des Journalismus

Liebe Leute, irgendwann ist auch mal gut. Seitdem die ehemalige Verlagsgruppe Rhein-Main, jetzt VRM, das DARMSTÄDTER ECHO übernommen hat, hadere ich jeden Monat damit, dieses Abonnement aufrecht zu erhalten. In kleinen Dosen liefert mir die Zeitung zwar noch Informationen, die ich glaube zu brauchen, de facto macht das aber nur einen kleinen Teil des Umfangs aus, den ich bezahle. „Lokaljournalismus“ als Königsdisziplin und seine Bedeutung bekommen wir auf jeder Verlegertagung als Sonntagsrede serviert, daneben werden dann aber Redaktionen ausgedünnt, falsche Schwerpunkte gesetzt und somit alles getan, um ja keine Neu-Abonnenten zu bekommen. Denn relevant und wichtig für das örtliche Zusammenleben kann man nur einen rudimentären Prozentsatz der Berichterstattung finden – meistens die unreflektierte Nacherzählung von Ereignissen, gerne Seniorennachmittage oder Vereinsgedöns. Kommunal- und Lokalpolitik wird nur in Ausnahmefällen kompetent begleitet, ansonsten eher nur abgebildet – und zwar anhand offizieller Termine, was Politikern Gelegenheit bietet, Dinge in der Versenkung verschwinden zu lassen, indem es dazu einfach keine Pressetermine gibt. Andererseits gibt es dubiosesten Bürgerbewegungen die Chance, ihre noch so absurden Anliegen mit Hilfe ordentlicher Pressearbeit ganz oft ins Blatt zu bringen.

Dieses Wochenende: Nix aus meinem Heimatort, immerhin 16.000 Einwohner, im Blättchen – das schafft das dämliche Anzeigenblättchen auch. Dafür eine Seite darüber, wie jetzt die Freibäder saisonfit gemacht werden. Der arme Redakteur muss dann, wie jeden Tag, nicht nur einen Artikel schreiben, sondern auch einen (zumeist vollkommen überflüssigen) Kommentar – in dieser Manie knüpft das Blatt an die Regelung der Tagesthemen an. Kommentieren auf Teufel komm raus, egal ob es was zu kommentieren gibt. So auch diesmal: im Kommentar steht nichts, was nicht auch ausführlich im Artikel vorgekommen wäre.

Symptomatisch für die Entfernung, die die „Lokalzeitung“ zu meiner lokalen Umgebung entwickelt hat, sind die erzdämlichen Veranstaltungs-Highlights, die auf einer ganzen Seite präsentiert werden. Denn sie spielen an folgenden Orten, in Klammern die Entfernung zu meinem Wohnort

  • Wiesbaden (53 km)
  • Bad Schwalbach (75,3 km)
  • Mainz (51 km)
  • Mainz (47 km)
  • Frankfurt (48 km)
  • Mainz (51 km)
  • Darmstadt (Hurra, 14 km)
  • Wiesbaden (53 km)

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