Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

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04/20/2015
von Michael Scheuch
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DAdJ15 – Neue Nominierung faz.net

Liebe FAZ, was war ich doch eigentlich gespannt auf den Artikel unter dieser Überschrift: KAUM JEMAND LIEST DIE TTIP-DOKUMENTE. Der Widerstand gegen TTIP ist den führenden deutschen Medien ja schwer vermittelbar, aber wie würde Hendrik Kafsack, Wirtschaftskorrespondent in Brüssel, seine launige Unterstellung belegen?

Quelle: faz.net, 19.4.2015

Quelle: faz.net, 19.4.2015

Der Beleg folgt schlagend: anhand der Zugriffszahlen auf die Dokumente im Netz, verglichen übrigens dann originellerweise mit den Zugriffzahlen auf faz.net etwa zu Artikeln über Klopps Ausstieg beim BVB. Was die Unterschiede in den Klickzahlen aussagen? So ziemlich genau gar nichts.

Hallo, Herr Kafsack: kann es sein, dass Menschen die Unterlagen der EU-Kommission lesen können, ohne einen Klick zu generieren? Etwa weil das Dokument von ihrer Organisation einmal runtergeladen und dann weitergeleitet wurde? Kann das damit zusammenhängen, dass die Webseite der Kommission eine unglaublich miese Nutzerführung aufweist, so dass man nie genau weiß, was einen hinter einem Link etwartet? Noch dazu fast immer auf englisch? Oder liegt es daran, dass es mehr den Anschein einer PR-Aktion als eines “Bürgerinformationssystems” hat?

Quelle http://ec.europa.eu/trade/policy/in-focus/ttip/documents-and-events/index_en.htm#eu-position 19.4.2015

Quelle http://ec.europa.eu/trade/policy/in-focus/ttip/documents-and-events/index_en.htm#eu-position 19.4.2015

Kann es daran liegen, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden? Denn wie oft etwa wurde die Original-Pressemitteilung des BVB online aufgerufen im Vergleich zu den Aufrufen entsprechender Artikel in Online-Medien?

 

Immerhin muss er einräumen

Keine Aussage ist auf dieser Basis darüber möglich, wie lange sich die Nutzer auf der Internetseite mit den Verhandlungsdokumenten aufgehalten haben und wie intensiv sie sich mit den Dokumenten beschäftigt haben.

Ach. Umwerfend.

Man kann das Misstrauen gegen die “Mainstreammedien”, die ohnehin nur die Position der Regierenden und der Konzerne propagieren, bedauern. Oder befeuern.

KLarer Anwärter auf den “Dümmsten Artikel des Jahres 2015″.

 

 

 

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02/27/2015
von Michael Scheuch
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Aufmacher – Exklusiv – Blabla – Journalismus

Liebe SZ,

was ist denn an diesem Artikel so arg “exclusiv”?

Screenshot: sueddeutsche.de 27.2.2015

Screenshot: sueddeutsche.de 27.2.2015

Siehe vorhergehenden Blogeintrag (und da hatte es wohl das Manager-Magazin “exklusiv”)

Abgesehen davon, dass es “Deutsche Banken würden gerne Paypal Konkurrenz machen” heißen müsste, ist weniger schmissig, finden sich in dem Artikel nur in homöpathischen Dosen “exklusive” Informationen. Aber hauptsache ein EXKLUSIV draufgepappt.

Übrigens fällt mir gerade ein, dass die Banken ja schon ein tolles Online-Bezahlsystem namens Giropay haben – ein Verfahren, dass besonders deswegen [nicht] so beliebt ist, weil es sich eigentlich um Zahlen per Vorkasse handelt – der Händler hat die Kohle sofort, und was dann passiert, das schert das Zahlungssystem nicht. Und man muss seine Onlinebanking PIN eingeben. Alles in allem: ein echt tolles Verfahren. Zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Händler, nicht der Kunden. Das war ja bisher schon ‘ne Super-Konkurrenz zu Paypal.

 

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02/23/2015
von Michael Scheuch
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LdT Lachanfall – höchste Stärke

Okay, ich bin ein bisschen angeschlagen und daher eigentlich sehr grumpy, aber jetzt und hier muss ich dann doch bis zu einem schweren Hustenanfall lachen:

Deutsche Banken sagen Paypal den Kampf an

Screenshot manager-magazin.de 23.2.2015

Screenshot manager-magazin.de 23.2.2015

Bereits im Herbst 2015 will die GIMB das Pilotprojekt “Bezahlverfahren” (BV), die Marktreife ist spätestens zum Weihnachtsgeschäft 2016 geplant.

Weihnachten 2016? Wer weiß, ob es da Paypal noch geben wird. Wieder einmal sind deutsche Unternehmen aber so was von flott unterwegs in diesem Neuland.

Schauen wir uns eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte an: die Geldkarte.  Das lustige Mädel auf der Startseite behauptet “Ich hab sie und du hast sie auch” und lügt mir damit dreist ins Gesicht.

 

Screenshot Ausschnitt geldkarte.de 23.2.2015

Screenshot Ausschnitt geldkarte.de 23.2.2015

Denn mit meiner neuen Maestro-Karte von der Volksbank wurde ich darüber informiert, dass die Geldkartenfunktion nicht länger zur Verfügung steht. Die Volks- und Raiffeisenbanken werden sie bis 2018 komplett aus dem System verabschieden. Ich werde die “Geldkarte” auch nicht vermissen, denn ich hatte eigentlich keine Akzeptanzstelle in meinem Portfolio, spätestens seitdem ich RMV-Fahrtkarten recht einfach per App zahlen kann. Die Geldkarte hat sich nie durchgesetzt – sie kam zu spät, es gab keine großen und prominenten Akzeptanzstellen, und das Zahlen per Lastschrift oder PIN am Point Of Sales war fast genau so easy wie das Zahlen per Geldkarte – wobei man da noch auf die Guthabenaufladung achten musste. Ein prinzipiell doofes Prepaid-System mit enormen Kosten. Der Wikipedia-Artikel mit Hintergründen.

Und jetzt wird mit GIMB alles viel besser.

Ich denke da jetzt auch an den Angriff auf Whatsapp & Co. durch die Netzbetreiber namens JOYN. Erinnert sich wer?

Screenshot telekom.de 23.2.2015 (Tippfehler: sic!)

Screenshot telekom.de 23.2.2015 (Tippfehler: sic!)

Sowei bald auch bei 02.

Wow, das war wirklich der Whatsapp-Killer.

Ich muss husten und lachen. Hart.

 

 

 

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02/22/2015
von Michael Scheuch
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Diese Seite wurde gerade aktualisiert – eat this

So, jetzt auch die FAZ. Nach

Screenshot: sueddeutsche.de

Screenshot: sueddeutsche.de

und

Screenshot stern.de, 22.11.2014

Screenshot stern.de, 22.11.2014

mischt jetzt auch die FAZ beim Klickangeln mit. Und zwar noch eine Spur dreister.Screenshot faz.net 22.2.2015

Und dann noch dieses besch…. “Zur Startseite machen” – das habe ich übrigens (in einem Tab neben vielen anderen) und das mit der Folge, dass ich diese Klickhurerei ständig zu sehen bekomme. Erbärmlich.

02/20/2015
von Michael Scheuch
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Ein Putsch ist kein Putsch

Wer sich so richtig in Gefahr bringen will, der versucht derzeit über die Ukraine und die Rolle Russlands in seinem “Hinter-” oder auch “Vorderhof” zu schreiben. Vor allem die, die von den “Volksrepubliken” dort ohne den Zusatz “so genannt” oder “selbsternannt” schreiben, gehen sehr schnell unter die Decke. Differenzierungen sind nicht gern gesehen, und wer nicht die NATO und die USA für hauptverantwortlich hält, der dringt kaum durch.

Daher vielleicht nur eine ganz kleine Anregung zum Nachdenken.

Häufiges Argument für die Lage in der Ostukraine und das (wie auch immer geartetete) Engagement Russlands ist der “Putsch” in der Ukraine, mit der ein gewählter Präsident aus dem Amt gedrängt wurde und Neofaschisten und Nationalisten, die das Land okkupiert hätten. Kurzum: die Regierung in Kiew ist illegitim und daher Widerstand Gebot der Stunde.

Immer, und immer wieder wird dieses ins Feld geführt, vor allem um die moralisch einwandfreie Situation für Russland und Befürworter eines “Neurussland” ins Feld zu führen.

Und dann:

Dann gibt es diesen Stattsbesuch in Ägypten mit einem möglicherweise etwas fragwürdigen Gastgeschenk. Das hat für viel Aufsehen gesorgt, mich aber interessiert mehr: in Äygpten haben wir es ganz klar mit einem Militärputsch zu tun, der jetzige Machthaber ist der damalige Putschist, und von einer Demokratie hat sich Ägypten meilenweit entfernt. Die USA haben ihre Militärhilfe eingefroren, und auch ansonsten hält sich die Unterstützung aus dem Westen für das neue Regime sehr in Grenzen.

Es gibt viele Unterschiede zur Ukraine, aber es gibt ein frappierendes Element: Putsch alleine, Nationalismus an und für sich, sind für Russland in zwischenstaatlichen Beziehungen kein Argument. Ich würde diese Hilfskonstruktion zur Kaschierung rein machtstrategischer  Überlegungen bitte nicht mehr lesen wollen.

 

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01/26/2015
von Michael Scheuch
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Media Terror

Zweierlei bliebe ja noch kurz anzumerken, zu einer aufmerksamkeitsstarken Story von SPIEGEL und SPON aus letzter Woche. Die Schlagzeile: Auswertung von TV-Sendungen: Medien berichten negativ über den Islam.

 

Screenshot Spiegel Online

Screenshot Spiegel Online

Das eine: diese Studie hat der so genannte “Auswertungsdienst”, ein wunderschönes Wort nebenbei, “Media Tenor” erstellt. Für die jungen Kolleginnen und Kollegen: dieser “Auswertungsdienst” hat eine Geschichte, die vom Wikipedia-Artikel tatsächlich ganz gut erzählt wird.

Außerdem dürfe die VorgängerfirmaMedien Tenor nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln der „Datenmanipulation“ bezichtigt werden. Nach einem von der ARD angestrengten Verfahren war Geschäftsführer Schatz aufgrund zahlreicher falscher Aussagen zu einer umfangreichen Gegendarstellung und zu Unterlassung verurteilt worden.

Nur weil irgendwo das Wort “Studie” draufpappt bedeutet das schließlich fast gar nichts.

Das hier ist ein ganz toller Einstieg in diesen Artikel:

Über Religionsgruppen wird in den Medien meistens mit negativer Tendenz berichtet. Zu diesem Schluss kommt der Schweizer Auswertungsdienst Media Tenor, der seit 2001 für seine Analyse zahlreiche Medien untersuchte. Eine der wenigen Ausnahmen sei Papst Franziskus, der oft gut wegkomme. Besonders kritisch sei die Tonalität in Berichten über den Islam.

Halten wir fest: Papst Franziskus ist eine Religionsgruppe. Vielleicht eine sehr kleine, aber eine Religionsgruppe.

So. Jetzt formulieren wir das mal um.

Über Wetter wird in den Medien meistens mit negativer Tendenz berichtet. Zu diesem Schluss kommt der Schweizer Auswertungsdienst Media Tenor, der seit 2001 für seine Analyse zahlreiche Medien untersuchte. Eine der wenigen Ausnahmen sei das Azorenhoch im Sommer, das oft gut wegkomme. Besonders kritisch sei die Tonalität in Berichten über den Hurrikane, Tornados und andere Stürme.

Tatsächlich, da lehne ich mich mal aus dem Fenster, ergäbe eine gleich aufgebaute Media Tenor Analyse genau das. Nur was bedeutet das, wenn wir über Nachrichtenmedien nachdenken? Sind diese miesen Journalisten dem Wetter gegenüber voreingenommen? Vorbehalte gegen Wetterphänomene? Manipulation zu Lasten von Tiefdruckgebieten?

Oder ist nicht das alltägliche Nachrichtenauswahlmuster einfach das Nachrichtenauswahlmuster?

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01/14/2015
von Michael Scheuch
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iJournalismus

Ach, hört doch auf, Kollegen. Ist das wirklich notwendig?

Screenshot Spiegel Online 14.1.2015

Screenshot Spiegel Online 14.1.2015

Leaks? Am A… die Räuber. Fest steht doch wohl, dass Apple sich mit der Vorstellung eines Produkts im September 2014, das frühestens 7-8 Monate später auf den Markt kommen wird, einigermaßen blamiert hat. Bis dahin war es, für die Konkurrenz schwer erreichbare Routine, ziemlich schnell nach der Präsentation das Produkt auch im Markt zu haben – und das auch noch zumeist in ausreichender Stückzahl. Das Nach-Jobs-Apple hat bei der Apple Watch mit dieser Praxis gebrochen. Das fanden Marktbeobachter damals schon – nicht so eine gute Idee.

Und anscheinend greift man da auf bewährte Mittel zurück, das Ganze am köcheln zu halten: angebliche Leaks. Boah ey, das glaubt Apple doch im Ernst niemand mehr. Aber alle machen mit.

Screenshot Google News 14.1.2015

Screenshot Google News 14.1.2015

Bei den “Fachmedien” (hihihi) kann ich das ja vielleicht noch, mit gutem Willen, nachvollziehen, aber natürlich springt auch der Mainstream, hier nicht zufällig verkörpert durch SPON, auf.

Ach, hört doch auf, Kollegen.

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01/09/2015
von Michael Scheuch
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Versprochen – gebrochen

Jaja, Service zieht immer, das gibt Klicks, Auflage, Quote. Und dank Überschriften ist das ja so einfach, denken die, die die Überschriften machen. Etwa bei faz.net (Treibe ich mich da zu viel herum? Ja.)

Screenshot faz.net 9.1.2015

Screenshot faz.net 9.1.2015

Hier finden sie das günstigste Hotelzimmer. Wow.

Also, “hier” natürlich nicht im Sinne von: hier auf der faz.net-Seite.

“Hier” aber auch nicht im Sinne von: ich verrate Dir, wo Du, lieber Leser, liebe Leserin, das günstigste Hotelzimmer findest.

Sondern mehr so: “hier” im Sinne von: irgendwo.

Conclusio:

Als Verbraucher sollte man sich daher die Zeit nehmen und unterschiedliche Portale sowie Direktangebote der Hotels zu vergleichen.

Na dann mal vielen Dank für diesen tollen Tipp “hier”.

01/06/2015
von Michael Scheuch
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LdT: Jetzt Freibetrag “eintragen lassen” – nicht vergessen

Früher war das echt einfach: da kam die buntige Lohnsteuerkarte nach Hause und hat einen daran erinnert, dass man jetzt wieder den Freibetrag eintragen muss, etwa wenn man regelmäßig hohe Fahrtkosten als Werbungskosten ansetzen darf. Dann hat man Monat für Monat mehr Geld auf dem Konto und nicht erst nach der Steuererklärung. Diese regelmäßige Post kommt jetzt nicht mehr, also muss man selbst dran denken, in seinen Stammdaten den Freibetrag zum ersten mal eintragen zu lassen, oder die Angaben zu erneuern. Wie es geht: hier bei finanztip.de.