Meisterliche Doku-Reihe: O.J. Simpson – Made in America

Fünf mal 90 Minunten Doku, Archivmaterial, Interviews, Dramatik. Der Mord an Nicole Simpson und Ronald Goldman. Es geht um Rassismus, einen Sportstar, einen Millionär, eine rassistische Polizei, Indizien, eine wirklich skrupellose Verteidigung. Fünfmal 90 Minuten. eine Menge Holz. Und ab und zu scheitert die Reihe auch daran, dass Dinge nicht erklärt sondern nur erzählt werden. Und doch: ein Meilenstein.

Folge 1: Wie schwarz ist O.J.?

Im Prolog ist das Drama angelegt, und wir verstehen etwas besser College-Football, die Bedeutung von Herkunft und Rasse und wie sich O.J. selbst sieht.

Folge 2: In der Stadt der prügelnden Polizisten

Eine Beziehung in der Krise, die gewalttätige Seit von O.J. und der Polizei von LA. Eine am Ende fatale Mischung, denn Gerechtigkeit ist nie abstrakt sondern auf konkreten Gegebenheiten abgebildet.

Folge 3: Gerichtsdrama 1

Eine Staatsanwaltschaft, die bereits strategische Fehler macht. Verteidiger, die die Chance auf einen prestigeträchtigen Prozess sehen. Das Drama nimmt seinen Lauf, und, auch wenn alle das Gegenteil behaupten: es ist nicht weit weg von den in US-Anwaltsserien geschilderten Mechanismen.

Folge 4: Staatsanwaltschaft, Verteidigung, der Prozess und der Handschuh

Das Interview mit Ex-Polizist Mark Fuhrmann ist klar das Highlight. Denn rund um seine Aussagen, den Fund des Handschuhs und sein rassistisch geprägtes Interview. Er brachte die Argumentation der Staatsanwaltschaft zu Fall, und er wurde von der Verteidigung nach allen Regeln demoagogischer Kunst auseinandergenommen. Der im Schlussplädoyer mit Hitler verglichen wurde – weit drüber, weit drüber. Aber die Verteidigung hat früh klar gemacht, dass sie alles tun würde, um Simpson freizubekommen, „whatever it takes“. Sie haben die Rassismus-Karte wieder und wieder gespielt. Carl Douglas, auch im Verteidigerteam, bestreitet das auf der einen Seite, um es dann wieder zu bestätigen.

Aber die Polizei von LA hat am Tatort auch unglaublich geschlampt, und die Staatsanwaltschaft läuft in ihre eigenen Fallen

Dabei auch der Blick auf die Medien: wie viel über den Prozess berichtet wurde. Das Live-Footage auf CNN. Wie dann Quote vor Journalismus geht. Vieles daran zeigt: so etwas wie Klickbaiting gab es schon in den 90ern,

Folge 5: Der Prozess ist (nicht) vorbei

Wow. Ein Vormittag reicht den Geschworenen. Sie wollten nach neun Monaten Verfahren nach Hause. 266 Nächte getrennt von der Familie. Der Triumph für die schwarze Community, Simpsons versuche, seinen Platz zu finden, und immer wieder: Rassismus.

Gut erklärt wird nicht, dass es dann noch ein ziviles Verfahren gab. Und was O.J. in Florida macht. Und wie es genau zu dem fatalen Zwischenfall in Las Vegas kam. Irgendwie die Luft draußen, aber dennoch sehenswert. Für mich dann die unerwartete Connection: der Auftritt vom Kim Kardashian.

Photo by Tina Rataj-Berard on Unsplash