Kurz angemerkt: Fleisch-Berichte

Kommt die Ernährungsstudie der Landwirtschaftsministeriums, dann überschlagen sich die Vegetarier in den Redaktionen (miese Unterstellung) wieder mit irreführenden Überschriften:

Die Basis der Meldungen ist eine Umfrage, die Forsa für das BMEL (Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft) regelmäßig durchführt. Schon hier wird klar: die Aussage „Deutsche essen weniger Fleisch“ ist auf dieser Datengrundlage nicht zu machen. Schließlich wird nicht ermittelt, wie viel Fleisch ein Haushalt verzehrt. Wäre also die Überschrift „Deutsche sagen, sie essen weniger Fleisch“ richtig?

Richtiger ja, richtig noch nicht. Gefragt wurde

Den Befragten wurden anschließend verschiedene Lebensmittel vorgegeben, verbunden mit der Bitte anzugeben, wie häufig sie diese üblicherweise zu sich nehmen.

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/forsa-ernaehrungsreport-2020-tabellen.pdf;jsessionid=89C9C997EB53BB8E8B6F328E474C5A2D.internet2841?__blob=publicationFile&v=3

Die Antwort:

26 Prozent essen täglich Fleisch oder Wurst.

ebd.

Den Zeitvergleich hat wohl die Funke-Gruppe gemacht:

In der Umfrage „Ernährungsreport 2020“ gaben nur 26 Prozent an, täglich Wurst oder Fleisch zu konsumieren, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe in ihren Freitagsausgaben berichten. Im ersten „Ernährungsreport“ vor fünf Jahren waren es noch 34 Prozent.
Vor allem viele Männer haben den Angaben zufolge ihren Fleischkonsum reduziert. In der aktuellen Erhebung sagten 32 Prozent der Männer, dass sie täglich Fleischprodukte essen. In der Umfrage ein Jahr davor waren es noch 39 Prozent. Unter den Frauen verzehrt nur jede fünfte nach eigenen Angaben regelmäßig Fleisch.

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/nur-etwa-ein-viertel-der-buerger-isst-taeglich-fleisch-fleischkonsum-in-deutschland-hat-offenbar-deutlich-abgenommen/25871386.html

Wie man daraus ein „Die Deutschen essen offenbar deutlich seltener Fleisch als noch vor einigen Jahren.“ ist mir nicht klar. 1. Sie geben an seltener (!) Fleisch zu essen. 2. Ob sie damit mehr oder weniger Fleisch essen – das läßt sich vermuten, aber nicht belegen.

Die richtig richtige Schlagzeile wäre also: „Ein Teil der Deutschen gibt an, seltener Fleisch zu essen als in den letzten Jahren„. Unsexy, ich weiß.

Es ist wohl auch tatsächlich etwas weniger, aber das sagen andere Zahlen, etwa die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung kommen:

(…) haben die Menschen in Deutschland kaum weniger Fleisch verzehrt. Der Verbrauch pro Kopf lag mit 59,5 Kilogramm pro Kopf nur 600 Gramm unter dem Durchschnittsverzehr im Vorjahr. Das teilte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung am Mittwoch mit. Da durch die Züchtung von Nutztieren bei der Produktion von Fleisch viele schädliche Treibhausgase ausgestoßen werden, verzichten einige Verbraucher zugunsten des Klimas ganz oder teilweise auf Fleisch.
Trotz der großen Aufmerksamkeit für das Thema Klimawandel und des großen Zuspruchs für die Fridays-for-Future-Demonstrationen hält sich der Fleischverbrauch in Deutschland jedoch weiter auf hohem Niveau. Bei Geflügel blieb der Verzehr konstant bei 13,8 Kilo pro Kopf, beim Schweinefleisch sank er leicht von knapp 36 auf gut 34 Kilo.

https://rp-online.de/wirtschaft/59-5-kilogramm-pro-kopf-fleischverzehr-in-deutschland-kaum-gesunken_aid-50062945

Kann man sich ausrechnen: 600 Gramm weniger von rund 60.000 Gramm (60 kg) im Vorjahr, das macht einen Rückgang von einem Prozent.

Wer daraus jetzt einen Siegeszug der Fleisch-Abstinenz macht, der, nunja, übertreibt ein wenig. Zudem auch die Zahl derer, die sich selbst als Vegetarier bezeichnen (5%) oder als Veganer (1%) unverändert bleibt.

Das nur für den Fall, das ihr mal wieder ein „immer mehr Menschen …“ stoßt.

Rätselaufgabe zum Bild oben: Sortieren Sie die Schlagzeilen nach Irreführungspotential.

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