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Zumindest das ist, auch wenn man das bedauern mag, unbestreitbar.

Obwohl: ich habe manchmal bei Studien zu „Todesursachen“ und deren Wahrnehmung den Eindruck, man könne, indem man, sagen wir, irgendeinen Lebensfaktor streicht, Trinken, Rauchen, Essen, gar nicht mehr sterben.

Die aktuelle „Studie“ sagt: ungesunde Ernährung tötet mehr Menschen als das Rauchen. Beispielhaft der Artikel bei der Süddeutschen, aber wie bei jeder derartigen Studie gibt es großes Hallo in allen Redaktionen:

Auf Kosten schlechter und unausgewogener Ernährung geht demnach jeder fünfte Todesfall weltweit. Das Ausmaß des Leidens summiert sich damit auf jährlich ungefähr elf Millionen Tote und 255 Millionen beeinträchtigte Lebensjahre rund um den Globus.
„Die Studie bestätigt, was wir lange vermutet haben“, sagt Christopher Murray vom Institute of Health Metrics und Evaluation von der University of Washington, das federführend an der Auswertung beteiligt war. „Schlechte Ernährung fordert weltweit mehr Tote als jeder andere Risikofaktor.“

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-risikofaktor-todesfaelle-1.4396727

Ich darf also wieder Rauchen gehen.

Die Wissenschaftler hatten 15 Faktoren ausgewertet, mit denen sich die Qualität der Ernährung gut erfassen lässt. Gesundes Essen zeichnet sich demnach dadurch aus, dass es viele Früchte, Vollkorn, Nüsse und Samen sowie ausreichend Obst und Gemüse enthält und nicht so viel rotes Fleisch, Salz und gesüßte Getränke konsumiert werden. Außerdem sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu empfehlen, wie sie in fettem Seefisch und vielen Pflanzenölen enthalten sind.

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-risikofaktor-todesfaelle-1.4396727

Das ist naturgemäß wieder ganz tückisch, weil 1. die Menschen Auskunft über ihre Ernährungsweise über einen langen Zeitraum geben müssen und es traditionell schwierig ist, ob die ihren Konsum auch richtig angeben. Und 2. hier schon Vorannahmen getroffen werden, was „gut“ und was „schlecht“ sei.

Ich danke Richard Friebe vom Tagesspiegel, der mit der gebotenen gesunden Skepsis an die Veröffentlichung herangeht. Das Problem ist nämlich gerne, dass die Studien sich auf einen Faktor, hier die Ernährung, konzentrieren und andere, Lebensstandard, Luftqualität etc, außer acht lassen, und, wie immer, wird aus Korrelation gerne Kausalität.

Es ist nicht die einzige Beschränkung solcher Berechnungen. Der Hauptkiller, den die Studienautoren um Christopher Murray von der University of Washington ausgemacht haben, ist bei Fachleuten höchst umstritten. Drei Millionen Todesfälle soll allein zu hoher Salzkonsum pro Jahr verursachen. Jüngere Studiendaten und neue Auswertungen existierender Studien legen aber etwas anderes nahe: Tägliche Salzmengen von sechs Gramm oder ein bisschen mehr, die die Autoren der Lancet-Studie bereits als problematisch einstufen, scheinen Personen ohne spezielle Vorerkrankungen jedenfalls gar nichts auszumachen. Es mehren sich vielmehr die Hinweise, dass die empfohlenen geringen Mengen von gut drei Gramm sogar ungesund sein könnten

https://www.tagesspiegel.de/wissen/ungesunde-ernaehrung-nur-killer-auf-dem-teller/24183518.html

Irritierend mag für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, von mir gerne als Ökotrophologen-Taliban bezeichnet, das hier sein:

Zu viel Fleisch und Softdrinks hatten jedoch im Vergleich zu den zuvor genannten Faktoren weniger nachteilige Effekte. „Im Mittelpunkt der politischen Debatten standen in den vergangenen Jahrzehnten Fett, Zucker, Salz, dabei zeigt unsere Erhebung, dass der Mangel an gesunden Nahrungsmitteln ein größerer Risikofaktor ist“, sagt Murray.

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-risikofaktor-todesfaelle-1.4396727

Das würde ich aber gerne auch unter: kann sein, kann auch nicht sein, abbuchen.

Die Frage ist, was ist denn die häufigste Todesursache, wenn wir alle Studienergebnisse ernst genommen haben und das Leben aller Menschen radikal geändert haben? Oder sterben wir gar nicht mehr?

Noch ein Lesetipp von mir zum Thema „Modeerscheinungen beim Essen“: der radikale Udo Pollmer zur Zwangs-veganen Ernährung von Schweinen:

Natürlich liegt die miese Fettqualität auch daran, dass der Gesetzgeber eine artgerechte Fütterung verboten hat. Den Schweinen wird heute eine strikt vegane Kost mit viel Soja verabfolgt, obwohl dies den Tatbestand der Tierquälerei erfüllt. Denn eine vegane Fütterung ist bei Allesfressern nicht artgerecht – stört aber keinen Tierschützer. Begonnen hatte der Irrsinn mit der Idee vom fettarmen Schwein. Die Ärzteschaft drohte damals der Bevölkerung mit dem Herztod durch Cholesterin, die Metzger reichten die Forderung an die Mäster weiter und diese an die Züchter. Heraus kam ein Borstenvieh, das wider seine Natur schlank war und – krank. Die Tiere waren so stressanfällig, dass sie krepierten, wenn bloß eine Stalltür zuflog.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/udo-pollmers-mahlzeit-veganes-futter-fuer-schweine-ist.3522.de.html?dram:article_id=445612

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