Reflections 1

Die Ereignisse in Japan machen deutlich, wie sehr das Internet und alle damit verbundenen Medien die Wahrnehmung von Ereignissen verändert haben. Und offenbaren die erstaunliche Tatsache, dass offensichtlich das Leben und selbst Katastrophen wie die rund um die AKWs im Japans Nordosten für die modernen Kommunikationswege „zu langsam“ ablaufen. Während das Netz bereit ist, im sekundentakt „Neues“ zu verarbeiten, zu transportieren, kommentieren, mit weiteren Informationen anzureichern, passiert in Wirklichkeit nicht in jeder Sekunde etwas Neues. Tatsächlich entwickeln sich die Dinge, überraschenderweise, eher im Takt von Sondersendungen im TV, alle paar Stunden ein neuer Informationsbrocken. Das sorgt natürlich für Frustration auf Empfängerseite, wenn einfach nicht genug an harten Fakten zur Verfügung steht, um die Timeline zu füllen. Diese „Leere“ wird dann wettgemacht durch „Meinungsäußerung“ und sonstige Füllmasse, mal anregender, mal abtörnender Natur.

Und auch das Internet hat nichts daran geändert, dass man zunächst einmal nur als Beobachter hilflos dabeistehen kann.

In dieser speziellen Situation spielt natürlich auch eine Rolle, dass es nur ganz wenige Quellen gibt, auf die man sich derzeit verlassen kann und muss: die japanische Regierung und der Kraftwerksbetreiber. Es gibt keine weiteren Beobachter vor Ort, Fernsehbilder ersetzen nicht die Expertise von Dritten und unabhängige Messungen von Radioaktivität ist ebenfalls nicht möglich. Es ist dieser Flaschenhals, der Japan etwa von den Geschehnissen in Ägypten oder Tunesien unterscheidet, wo die Zahl der Quellen deutlich zugenommen hat. Aber selbst die Existenz weiterer Informationsquellen würde nichts daran ändern, dass wir erst viel später erfahren werden, was in den Reaktorkammern in Japan zu welchem Zeitpunkt stattgefunden hat. Auch die Primärquellen sind auf Vermutungen und Hochrechnungen angewiesen, denn die Sensoren in den Reaktoren dürften kaum noch Informationen über deren Zustand liefern, wenn sie denn die Wasserstoffexplosionen überstanden haben.

Faszinierende Entdeckung der Langsamkeit in Zeiten der Beschleunigung …