Journalismus 2019 – und hier die Vorschau

Welches werden die Themen sein, die im laufenden Jahr Journalisten reizen? Es sind größtenteils dieselben wie im vergangenen Jahr. Und dem Jahr davor. Mehr, mehr mehr und immer mehr davon. Das Problem sind meist nicht die Artikel selbst. Manchmal ist es die Frage, mit welchem Themen man sich deshalb nicht beschäftigt:

  • Plastikmüll. Egal, ob es etwas neues zu berichten gibt: Plastik geht immer. Klickt online super. Bilder von verendeten Meerestieren gehen immer. Egal, wie viel Plastik aus Deutschland im pazifischen Ozean landet. Beispiel gefällig? Der aktuelle Teasertext bei SPON zum Thema: „Die Deutschen gelten als Weltmeister der Wiederverwertung. Tatsächlich tragen wir eine erhebliche Mitschuld daran, dass die Welt am Plastikmüll erstickt – weil viel weniger Plastik recycelt wird, als wir denken.“
    Problem nur: Ja, die Recycling-Quote ist gering, und wahrscheinlich wirklich geringer als offiziell angegeben. Nur heißt es im Artikel dann: „“In der ersten Stufe des langen Recyclingprozesses, dem Sammeln, seien die Deutschen noch sehr gut, sagt Wilts.“ Ja, stimmt. Danach wird vor allem verbrannt. Das ist ineffektiv und Quatsch. Aber an verbranntem Plastik erstickt die Welt nicht. Kein einziges Meerestier hat verbranntes Plastik im Bauch.
    Egal: Plastikmüll und der Jubel über das Strohhalmverbot werden auch 2019 prägen – auch weil es in Social Media geklickt und kommentiert wird wie blöd. Themen wie etwa die Berichterstattung über die Ökodesignrichtlinie werden weiter untergehen – obwohl sicher umweltpolitisch ähnlich relevant, nur leider etwas komplizierter. Wer jetzt sagt: „Ökodesignrichtlinie? Nie gehört!“ tja, dann Q.E.D. Ich finde dazu nur dreiArtikel aus dem vergangenen Jahr, zweimal in der taz und einmal in der WELT.
  • Pornos von Frauen. Ist klar, warum das immer wieder auftaucht.
  • Der Dorfladen. Entweder das Aussterben oder die Rückkehr.
  • Fahrradfahren. Rettet die Welt, meistens.
  • Joggen, laufen, rennen. Körperliche Fitness ist Journalisten wichtig, und in jedem Jahr berichten ein bis vier Exemplare dieser Gattung über ihren Weg zum ersten Marathon. Gähn.
  • Veganes Leben. Vegetarisches Leben. Finden urbane Journalisten wichtig. Allerdings: anscheinend wächst weder die Zahl der Veganer noch der Vegetarier signifikant. Rund ein Prozent sagen von sich, dass sie vegan leben, zwischen vier und sechs Prozent bezeichnen sich als Vegetarier. Es kann aber dennoch sein, dass der Fleischkonsum zurückgeht. Wenn die Fleischesser eben weniger Fleisch essen.
  • Tiny Houses. Ich bin nicht ganz sicher, ob dieser Berichterstattungstrend von 2018 einfach so weiter geht. Halte es aber für möglich.

Ich habe das ein oder andere sicher vergessen, das trage ich nach.

 

Photo by Elijah O’Donell on Unsplash