Von Gutem Willen geleitet

Meine Journalismusvorschau ist übrigens bisher voll aufgegangen.

Neuester Text: Schluss mit dem Konsum für die Tonne! von Vivien Timmler auf Webseite der Süddeutschen Zeitung – sicher auch im Blatt selbst. im zweiten Absatz eine, unbestreitbar, Tatsachenbahauptung.

Deutschland ist Europameister im Wegwerfen. 220 Kilo Plastikverpackungen wirft jeder Deutsche im Jahr in die Tonne. Das ist absurd viel. Und es wird nicht weniger, im Gegenteil: Die Flut an Verpackungsmüll schwillt weiter an.


Wow. Was für eine Zahl. Im vorliegenden Text werden eine Menge Dinge verlinkt, nicht aber die Quelle für diese Zahl.

Liebe SZ, liebe Frau Timmler: Wo kommt diese Zahl her?

Die 220 kg pro Kopf-Zahl, die ich kenne, stammt aus der PM „Verpackungsverbrauch in Deutschland“ des Bundesumweltamtes zu den Zahlen von 2016 (neuere habe ich auch keine gefunden).

Hier heißt es (ich schreibe das nicht zum ersten Mal):

In Deutschland fielen 2016 insgesamt 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an. Das ist ein Anstieg um 0,05 Prozent gegenüber 2015, so der aktuelle Bericht des Umweltbundesamtes (UBA) zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungen in Deutschland. Dies entspricht 220,5 kg Verpackungsabfall pro Kopf.

https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/verpackungsverbrauch-in-deutschland-weiterhin-sehr

Ein Unterschied: Verpackungsabfall. Nicht Plastikabfall. Und, vielleicht auch nicht unwichtig:

Der Anteil von privaten Endverbrauchern an der Gesamtmenge betrug 47 Prozent (insgesamt 8,52 Millionen Tonnen). Das sind 103,5 kg pro Kopf.

Oh. Wie sollen wir denn dann die im Artikel genannten 220 kg. Plastik pro Jahr wegwerfen?

Und es gab gute Nachrichten:

Immerhin: Der Verbrauch von Kunststoffverpackungen der privaten Endverbraucher nahm minimal ab von 25 kg auf 24,9 kg pro Kopf.

Damit wären wir bei 24,9 kg die „jeder Deutsche im Jahr in die Tonne wirft“.

Das mit den guten Nachrichten war übrigens schon immer so eine Sache:

Dafür wurden mehr Glas- und Aluminiumverpackungen verwendet, was darauf schließen lässt, dass diese Kunststoffverpackungen ersetzen. Glas und Aluminium sind in der Herstellung jedoch sehr energieintensiv. Maria Krautzberger: „Kunststoff durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen ist nicht immer ökologisch sinnvoll. Besser ist es, weniger Verpackungsmaterial zu nutzen und die Verpackungen weniger aufwändig zu gestalten.“

Okay, soweit meine Quelle. Aber welches ist Eure, SZ?

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