Es kann nicht sein …

Eine Formulierung stößt mir seit Wochen sauer auf, ich habe den Eindruck, dass diese extrem um sich greift:

„Es kann nicht sein, dass …“

Und dann blabla. Diese so neutral klingende, anscheinend von höherer Warte und absolute Normen sprechende Sprechblase, die nur vermeidet zu sagen „Ich bin der Meinung, dass“ Stattdessen „kann nicht sein“. Widerlich.

Was mir auch zu dem Interview mit dem gescheiterten SPD-OB-Kandidaten von Wiesbaden Roth einfällt. Da waren die Sozis halt im Kalenderlesen nicht gut genug und haben einen Termin verbaselt. Statt jetzt traurig beisammen zu sitzen, die Wunden zu lecken und Besserung zu geloben, wird auf die Trommel gehauen.

wusste ja jeder in Wiesbaden, ja sogar im ganzen Land, dass ich für die SPD antrete

Es weiß auch jeder, dass ich meine Steuern zahle, deswegen muss ich trotzdem eine Steuererklärung abgeben.

Lustig dann wieder

Unverzüglich wurde die Anmeldung ausgefüllt und dem Wahlleiter überbracht. Das war rechtlich notwendig und außerdem ein wichtiges Zeichen, um noch einmal kundzutun, dass ich wirklich Kandidat bin.

Hihi.

In einem Artikel habe ich gelesen, dass der Wahlleiter es hat kommen sehen, dass die Frist verpasst wird. Inzwischen bin ich auf ihn richtig wütend. Vor allem die Wähler wurden betrogen, dem Souverän wurde eine wichtige Wahlmöglichkeit genommen – fatal bei der ohnehin geringen Wahlbeteiligung bei der OB-Wahl.

Sagen wir es alle zusammen noch einmal: es war die Blödheit der SPD, die dem Wahlbürger die Wahlmöglichkeit genommen hat. Nichts anderes!

Jetzt gibt es dann noch ein juristisches Gutachten, mit dem die Sozis wedeln, von wegen Pflichten des Wahlleiters. Das erinnert mich an das formidable Gutachten der CDU in der Schwerzgeldkassenaffäre, in dem doch tatsächlich gestandene Juristen behauptet hatten, im Parteiengesetz stände nur, dass man einen Geschäftsbericht abgeben muss, nicht aber, dass dieser auch richtig zu sein habe. Originell!

Das Stern-Interview: http://www.stern.de/politik/deutschland/580061.html?nv=sb

Ich werde „Es geht nicht an“ „Es kann nicht sein“ im Auge behalten …