No more Heroes

Als spätberufener Freund von Superhelden-Unterhaltung war ich natürlich sehr gespannt auf HEROES, und dank DVD-Leihe fanden dann auch die ersten beiden Folgen den Weg in meinen Player. Aber dabei wird es bleiben. Hauptgrund ist vor allem die vollkommen sinnlose Brutalität, die in diesen beiden Folgen ausgelebt wird. Spätestens als ein Zwischenschnitt auf eine abgetrennte Schädelplatte deutlich zu lange ausfällt und zudem kurz darauf noch wiederholt wieder, da habe ich „nein danke“ gesagt. SPON hat sich noch gefreut, dass die Serie auf DVD „ungeschnitten“ kommt, aber ich wäre wohl mit der FSK-12-Fassung von RTLII zufriedener gewesen. Anschließend sehen wir noch das Opfer eines Serienkillers, bluttriefend, und zwei ausgemusterte Mafiosi in einem Kofferraum, bluttriefend, da war es genug des Gemetzels.

Vor allem, da die explizite Gewaltdarstellung für die eigentliche Handlung vollkommen überflüssig ist – oder haben abgestumpfte Geister inzwischen jede Fantasie verloren? Vorstellungsgabe? Vielleicht gar Empathie? So mühselig die Darstellungen der Stripperin aus Rücksicht auf zensorische Einschnitte in den USA stattfand, so wenig interessiert die Amis ja Blut und Gedärm in jeder Form – Nippelgates sind da schlimmer.

Aber auch sonst: ein unbedingter Weiterkucker ist Heroes nicht, da ja der Grundplot einigermaßen bekannt ist: eine Reihe von Menschen auf der ganzen Welt entdecken Superheldenfähigkeiten an sich, vor allem das „Übliche“: Teleportation, Levitation, die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen, Unverwundbarkeit. Usw. usf. Dazu eine aufgebaute Bedrohung durch eine geheime Organisation und der Blick in eine apokalyptische Zukunft. All das: nichts superoriginelles Neues.

So wirkten die rund 90 Minuten für mich zu sehr als Serie vom Reißbrett: Schön Plotlines aufbauen, Verstrickungen anlegen – vielleicht kann so was ja schon ein Drehbuchcomputer. Die Charaktere: ebenfalls klischeebeladen.

Im Vergleich dazu 4400? Auch diese Serie hatte etwas konstuiertes, aber ein paar sehr spannende neue originelle Grundannahmen, begonnen mit der Rückkehr von „Entführungsopfern“, deren Probleme, sich in der neuen gemeinsamen Zeit zurecht zu finden. War insgesamt mehr dran. Vielleicht weniger Action, sicher weniger Blut. Und das ist gut so.