Ich bin weg

Hape Kerkeling ist vor allem aus RB-Zeiten ein geschätzter TV-Verbrecher, dem wir Sternstunden wie „Hurz“ und Königin Beatrix verdanken. Dass sich die ein oder andere Masche totgelaufen hat ist ihm nicht unbedingt vorzuwerfen, dass er irgendwelche Tanzsshows moderiert vielleicht schon.

Am meisten Eindruck hat er aber zuletzt mit seiner Pilgerreisenbeschreibung ICH BIN DANN MAL WEG hinterlassen, die ich nun per Hörbuch aufgenommen habe. Und ich bin ein wenig beeindruckt, ein wenig berührt und auf jeden Fall für diese sieben Stunden weg gewesen aus meinem Leben und habe das Gefühl, wenigstens ein bisschen diesen Weg auch zurückgelegt zu haben – das wird sicherlich der Grund für den großen Erfolg des Buches sein. Denn natürlich ist da auch viel Hape dabei, wenn er über Reisebekanntschaften berichtet, die direkt seinen Sketchen entsprungen sein könnten und wenn er sich ein wenig über diese lustig macht.

Eindringlicher ist er jedoch da, wo er die Motivation für den 600km Fußmarsch auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella beschreibt. Wo er die Fragen anspricht, die einen mit Ende 30 Anfang 40 so beschäftigen können. Und wo er, manchmal immer noch sehr verquer, über sein Verhältnis zu Gott berichtet. Dabei sind viele seiner Gedanken ziemlich anregend. Wenn er die Analogie zwischen der Kirche und dem Provinzkino zieht, dass nunmal mit seinen bescheidenen Mitteln einen großartigen cineastischen Schatz versuchen muss wiederzugeben.

Es scheint sich so auf fabelhafte Weise auf seinem Weg alles „zu ergeben“, so dass man geneigt sein könnte, das Ergebnis seiner Wanderung als Zufall oder eben als Erlebnis, wie es nur ein Promi haben kann abzuhaken. Aber mir scheint, dieser Pilgerweg hat tatsächlich im deutschen Komiker Spuren hinterlassen.

Wenn man, so wie ich derzeit, eingespannt ist bis zum überspannt sein, eine Vielzahl von Baustellen in seinem Leben und nicht mit allem was man tut glücklich ist – dann sehnt man sich ein wenig nach dieser Auszeit, die Kerkeling sich genommen hat. Nach diesem Entleeren des Lebens, der Reduktion der Bedürfnisse, dem Herunterschrauben auf Null was die Erwartungen anderer an einen selber angeht.

Ich bin dann mal weg heißt ja auch: ich mach das jetzt nur für mich. Vieles scheint Klischee, aber mich hat das sehr angesprochen. Sehr.

Erkenntnis des Tages: manchmal wäre ich gerne Komiker auf der Suche nach der Wahrheit.