Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

Mediensplitter

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Da wird der SPIEGEL seine Medienberichterstattung zukünftig ohne eigene Seite auf die sonstigen Inhalte verteilen.

 Das führte dann in einer Folge zu einigen Tweets mit Pro und Contra. Warum Daniel Bouhs das nicht so gut findet:

Das mit den Medienexperten gibt mir diese Woche doch ganz schön zu denken.

Wenn ich über diese Dinge hier stolpere:

In der FAS übernimmt Thomas Gottschalk die Medienkolumne „Die lieben Kollegen“ anlässlich des angekündigten Abschieds von Stefan Raab vom Flimmerkasten:

Neben einigen richtigen Bemerkungen schreibt er auch

Er hat fasziniert, weil er nie gelangweilt zur Sache ging und weil er etwas hatte, das im Fernsehen weitgehend verlorengegangen ist: eine gewisse Unberechenbarkeit.

Wer so was schreibt, der hat in den letzten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren keine Ausgabe von TV total mehr gesehen. Gelangweilt beschreibt es nur unzureichend, das hat Stefan Niggemeier richtig bemerkt.

Was also soll dieser Gastbeitrag?

Tüchtig zur Sache beim Bashing der Öffentlich-Rechtlichen geht es in der FAZ und auf faz.net immer dann, wenn Michael Hanfeld das Wort ergreift. Umso verblüffender dann dieser Beitrag: Für die Freiheit heißt es da, wenn geschildert wird, wie erfolgreich die Deutsche Welle die weitere Finanzierung gerettet hat. Wenn er konstatiert

was Aufgabe der Deutschen Welle ist: die Stimme für die Pressefreiheit zu erheben.

dann muss das doch sehr verblüffen, denn beim restlich öffentlich-rechtlichen System sieht er doch den Staatseinfluss durch die Rundfunkräte als eines der größten Übel der Neuzeit. Daher auch die Begeisterung für ein „Gutachten“ eines „jungen Berliner Think-Tanks“.

Jetzt ist die Deutsche Welle nunmal zwar öffentlicht-rechtlich organisiert, erhält sein Geld aber direkt aus dem Bundeshaushalt und die sonst so arg gescholtenen Politiker bestimmen direkt über das Budget. Und seine Aufgabe ist zwar „Journalismus“ – allerdings, „unter der Aufsicht der Bundesregierung“ und mit dem Auftrag „Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich zu machen – und insgesamt das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker fördern“ (Quelle: Wikipedia). Nach §61 des Deutsche-Welle-Gesetzes unterliegt der Sender nur einer Rechtsaufsicht, nicht aber einer Fachaufsicht durch die Bundesregierung. Belegt das bei dieser Konstruktion die Staatsferne? Immerhin scheint Michael Hanfeld hier den Gesetzestext und die Realität für identisch zu halten. Immerhin sind fünf von 17 Mitgliedern direkt von Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat benannt. Aber hier ist es „Freiheit“, bei den anderen Sendern „Staatsnähe“.  Das erkläre mir wer will.

Muss ich es noch irgendwem sagen: ich wär so gerne Kolumnist. Dann könnte ich alles schreiben was ich will, ob mit Ahnung oder ohne, und ich bekäme dafür Geld, Aufmerksamkeit, Lob. Okay, ich darf hier in meinem Blog vor mich hinschreiben, mit viel Ahnung oder ohne, aber dafür gibts weniger vom Vorgenannten. Hans Hoff darf bei DWDL vor sich hinschreiben, hat dabei schonmal betont, dass er kein Journalist sei, und dann ist ja gut. Dafür steht er zu seinem Image als „Totalrumnörgler„. Das ist toll, denn heute hat er sich 20 Minuten „Rote Rosen“ angesehen und konnte so schon wieder auf die billigste Art und Weise eine Kolumne füllen. Das ist neben billig auch noch langweilig, und Totalrumnörgler finde ich im Internet an jeder Ecke, ohne dass die Geld dafür bekommen.

Aber das Nörgeln über Soaps, leichte Fernsehfilme und irgendwas mit Tieren ist ja nur die eine Seite, die andere ist der Wunsch den Menschen vorschreiben zu wollen, was sie gut finden müssen, was daher die Sender senden müssen, etwa Broadchurch und diese vielen tollen amerikanischen Serien und so. Wie erfolgreich „Rote Rosen“ ist, das muss ja nicht kümmern

Im Wochenschnitt generierte die Familienserie 19,6 Prozent Marktanteil – der beste Wert seit Beginn des Formats. Über 19,2 Prozent im Wochenschnitt kam die Serie bis dato noch nie hinaus. Auch beim Publikum zwischen 14 und 49 Jahren lief es ganz wunderbar. Die zurückliegenden fünf Episoden des Formats generierten hier 9,8 Prozent. Zum Vergleich: Der Schnitt der aktuell laufenden Staffel liegt eigentlich bei 6,7 Prozent – und somit übertraf man diesen jüngst um ziemlich genau drei Prozentpunkte. (Quotenmeter)

Publikumsverachtung ist der gegenseitige Vorwurf von Medienkritikern an Medienmacher und zurück. Muss das eigentlich sein?

Lustig war diese Woche auch die Frage, ob lineares TV den Webvideo-Award übertragen muss. Bei kress.de meldet sich mal eine „Medienwissenschaftlerin“ zu Wort. Das bürgt doch für Qualität:

Ein rundum gelungener Abend also, der trotzdem Fragen aufwirft: Mussten gleich vier ARD-Sender am Sonntag zeitgleich mit dem Webvideopreis-Best-of das gleiche Programm ausstrahlen? Nachdem es auf EinsPlus und im Internet bereits live übertragen wurde und natürlich auch auf Youtube zu finden war?

Nein, sagt die Journalismus-Professorin Verena Renneberg von der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Berlin: „Es gibt keinen vernünftigen Grund, den Webvideopreis vier Mal zu zeigen.“ Alleine Organisation und Planung würden finanzielle Kapazitäten binden. Renneberg glaubt auch nicht daran, dass sich in den Dritten Programmen nachts die heiß begehrte junge Zielgruppe der Anstalten befindet.

Echt jetzt? Wenn vier Sendeleitungen dasselbe Signal durchsteckten, dann kostet das „finanzielle Kapazitäten“ für „Organisation und Planung“? Das verrät schon arg viel Ahnung über das, was Geld kostet. Und wann die Jüngeren TV sehen – wann, wenn nicht spät Abends und Nachts?

Superduper auch das Gegenrezept:

„Mit Wiederholungen von ‚Tatort‘ und ‚Polizeiruf 110‘ wären die Sende besser gefahren.“

Das hab‘ ich jetzt auch noch nirgendwo gelesen, dass mal jemand der ARD-Familie noch mehr Wiederholungen nahelegt …

Aber besonders krude bleibt mal wieder der Satz

Und dass es dort Künstler gibt, die deutlich mehr Zuschauer haben, als viele Sendungen auf ARD, ZDF, den Dritten und den zahlreichen Spartenprogrammen der Anstalten.

Ja, das gibt es wohl. Aber in welchem Umfang? Als „viele Sendungen“? Wer ist denn in der Lage, das Sehvolumen auf Youtube mit dem Sehvolumen auf TV zu vergleichen?

Gerne wird dann Le Floid genannt, der ja sowas mit Nachrichten da macht Da gibt es dieses Video (willkürlich ausgesucht)   Wenn zwei sich streiten STIRBT der Dritte (deine Frau schmeckt übrigens nach Fisch!) mit 1.011.422 Zuschauern. Rechnen wir mal grob mit: 1 Mio. Das Video ist 4:20 Minuten lang. Sagen wir ruhig, es ist 5 Minuten lang. Nehmen wir dazu an, alle Zuschauer hätten sich das Video komplett angesehen. Das macht 5 Millionen Sehminuten. Boah. In drei Jahren.

Kommen wir zu einer Sendung des hessischen Rundfunks von gestern. „Alte Hofgüter“, Knallerprogramm. 120.000 Zuschauer. 45 Minuten lang.

Quelle:  http://www.hr-text.hr-online.de/ttxHtmlGenerator/index.jsp?page=362&subpage=2 21.6.2015

Quelle: http://www.hr-text.hr-online.de/ttxHtmlGenerator/index.jsp?page=362&subpage=2 21.6.2015

Das heißt: im Schnitt 120.000 Zuschauer, es waren sicherlich mehr, die mal so ein paar Minuten reingeschaut haben, aber die Quote nimmt an, es waren 120.00 die die Sendung von vorne bis hinten gesehen haben. Macht: 120:00 * 45 = 6,3 Mio. Sehminuten. Da muss LeFloid drei Jahre dran stricken. (Und richtig schlimm ist es, wenn anzunehmen ist, dass „Alte Landgüter“ mehrfach wiederholt wird und weitere Zuschauer erreicht  – wovon man ja mal ausgehen kann …)

Also, Youtube und Webvideo sind zwar tatsächlich und sicher „die Zukunft“, doch im Augenblick ist es für das TV-Bashing noch etwas früh.

Also: braucht wer diesen Medienjournalismus?

 

 

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