Krimis aus Italien

FormdesWasssers Wie schon die von mir sehr geschätzten Romane von Fruttero und Lucentini wirft auch der gerade von mir goutierte erste Band der Geschichten um den sizilianischen Comissario Montalbano keinen sehr schmeichelhaften Blick auf den Zustand dieses wunderschöne Lands namens Italien. Mord und Totschlag erwartet man ja in einem Krimi, aber zur italienischen Spielart gehören Korruption, Perversion und die Lust am Morbiden dazu. Kein Wunder dass Montalbano gerade in seinem ersten Fall zwar eine Menge löst (So heißt jedenfalls der Titel: Die Form des Wassers. Comissario Montalbano löst seinen ersten Fall von Andrea Camilleri ) aber kein bürokratisch korrektes Ende zustande kommt.
Allerdings: Mir sind das zu viele Zufälle, die Montalbano immer so pünktlich beispringen. Zu „durchsichtige“ Schurkereien, die „Bösen“ sind tatsächlich „die Bösen“ und ein Hauch des Zweifels fehlt. Zu glatt, und dazu stilistisch rasant bis geradezu knapp. Keine der Figuren des Romans, und schon gar nicht der Hauptdarsteller, gewinnen Format. Hintergründe: Fehlanzeige. Und dabei wird dann manches gerne schnell zum Abziehbild des Trivial-Italienischen. Dabei ist der Autor (im Gegensatz zu Donna Leon) Italiener, und die Italiener lieben seine Bücher. Vielleicht werde ich noch einen weiteren lesen, aber da muss dann mehr Butter bei die Fische.
Der Vergleich mit seinem schwedischen Kollegen Wallander sei erlaubt: der bringt zwar die selbe deprimierende Weltsicht mit, aber der ermittelt wenigstens, und realistischerweise verschwinden die meisten mühsamen Ermittlungsansätze im Orkus. Diese Menge an Realismus ist zwar auch nicht immer seitenfüllend unterhaltend, aber immerhin wird mir bei den Schilderungen aus Schweden schon mal kühl, so wirken die Beschreibungen. Auf Sizilien wurde mir nicht einmal heiß.