HuffPo vs. BamS

[Update 11.10.2013] Und jetzt muss das Feindbild des BAMS-Chefredakteurs ganz tapfer sein: in der aktuellen Vergleichsstudie zu der Schülerleistung in den Naturwissenschaften stehen die von der SPD regierten Bundesländer ganz gut da. Pech für die deutsche Tea-Party-Befürworterin. [/Update]

Das Feindbild heißt Huffington Post, nicht nur bei Springer-Chef Mathias Döpfner, der von einem „Anti-Geschäftsmodell für Journalismus“ spricht. Wie ein Anti-Modell zu ernsthaftem Journalismus aussieht, das zeigen uns aber am ehesten seine Analogblätter mit BILD im Namen an jedem Wochentag. Auch Sonntags. Bei BamS (wunderbar lautmalerisch) ist nun als neuer Chefredakteur (sic!, siehe Selbstbeschreibung unter @marionhorn) Marion Horn am Ruder und fordert mal schnell eine Tea-Party-Bewegung für Deutschland.

Screenshot: twitter.com/marionhorn
Screenshot: twitter.com/marionhorn

Begründet wird das  unter anderem damit, dass die Sozis das Geld nicht richtig ausgeben und

Nun sind Straßen und Brücken kaputt und die Schulen in SPD-Ländern laut PISA ganz hinten.

Dank ausgewiesener journalistischer Kompetenz wird der Platz 4 für Rheinland-Pfalz in der PISA-E-Studie von 2003 (sic!) ignoriert und olle Kamellen gelutscht. Zur PISA-2009-Studie stellen die Verantwortlichen fest:

Während sich bei der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 die Leistungen noch unter dem OECD-Durchschnitt befanden, liegen nun die Leseleistungen im OECD-Durchschnitt, die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Jugendlichen liegen deutlich darüber. „Besonders erfreulich ist“, so Klieme, „dass sich vor allem der Anteil der Jugendlichen mit schwachen Leistungen reduziert hat.“ Der Leistungsunterschied zwischen guten und schwachen Leserinnen und Lesern hat sich so stark verringert wie in keinem anderen Staat der OECD.

In vielen Köpfen hat sich PISA als Synonym für Bildungsversagen so festgebrannt, dass es neue Nachrichten, und gerade die guten, nicht mehr leicht haben einzusickern. Dass die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialen Status in Deutschland immer noch sehr hoch ist, das darf man nicht unterschlagen, auf der anderen Seite aber auch nicht die positiven Veränderungen. Und zur sozialen Benachteiligung dürften die Top-Gymnasialverteidiger aus den südlichen Bundesländern ihren Anteil beitragen.

Dass sich „Springer“ über eine Tea-Party-Bewegung und damit mehr Konfrontation und Demagogie in Deutschland freuen würde, das verwundert nicht. Es droht eine große Koalition mit einer sehr marginalisierten Opposition aus GRÜNEN und LINKEN – denen wird man ja eher ungern eine Spielfläche für Angriffe auf die Bundesregierung geben wollen. Daher wäre eine Opposition von Rechts doch was Schönes für auf Krawall gebürstete Blätter. Nachdem das Lieblingskind FDP ja leider aus dem Bundestag verabschiedet wurde.

Vielleicht freuen sich ja deswegen so viele auf die deutsche Huffpo – weil dann Journalismus vielleicht doch eine Zukunft hat,