Corona Lesezeichen (Medien)

Es gibt Dinge, die muss man festhalten.

Die NZZ, „Gastautoren“ und transparente Korrekturen

Okay, letzteres macht die NZZ nicht. In einem wunderbar ideologiefreien Gastbeitrag von „Georges Bindschedler ist promovierter Jurist, Verwaltungsratspräsident der SMH Verlag AG, die den «Schweizer Monat» herausgibt, und Unternehmer in Bern.“ wird die Corona-„Hysterie“ (wer erinnert sich nicht an die „Klimahysterie“) im Sinne „der Wirtschaft“ (wie sie bisher war) auseinander genommen:

Danke an https://twitter.com/kaethe_gloe/status/1251460704911208449

Unter anderem nachdem sich Natascha Strobl in einem Thread der Sprache angenommen hat

verändert die NZZ den Text – ohne das Kenntlich zu machen:

Screenshot vom 18.4.2020

Ups, war dass dann doch zu sehr „Klartext“, liebe NZZ. „Wirtschaftsverträgliches Frühableben“ wurde selten so klar gefordert, da kann man als aufrechtes „Westfernsehen“ für Deutschland doch zu stehen, oder?. Auch der Rest von Strobl Sprachanalyse ist aufschlussreich.

Heinsberg-Protokoll, PR und so

Man muss jetzt nicht alles blöd finden, nur weil Kai Diekmann mitmengt, und sein Nachfolger als BILD CR hat ja gezeigt: es geht immer mehr.

Das Begleiten der Heinsberg-Studie allerdings hat „Geschmäckle“ – aus vielerlei Gründen. Am Ende auch, wer das Ganze denn mit welcher Intention bezahlt, wobei die Intention „schnell wieder in die Normalität zurückfinden“ in diesem Stück de Riffreporter gut beschrieben wird, das Motto: „Schnelle Daten, schnell geliefert„. Langer Text. Überlegt mal, ob ihr dieses journalistische Projekt nicht belohnen wollt. Ich finde diese akribische Arbeit wertvoll:

„Ergebnisoffen“ solle die Heinsberg-Studie sein, hatte Streeck nur eine Woche vorher beteuert. Doch in dem Social-Media-Auftritt klingt das nun anders: Als würden die „Erkenntnisse“ automatisch dazu führen, dass es zu einer Lockerung kommt, und zwar je schneller, je früher Ergebnisse bekannt werden.

https://www.riffreporter.de/corona-virus/corona-streeck-heinsberg-pandemie-exit-laschet/

Das tollste Bild aus der Kampagne von Storymachine war klar das hier, zweite Reihe, rechts:

Richtig in die Seife gegriffen hatte die Uni Heidelberg schon mal mit Storymachine, oder umgekehrt:

CAPITAL hat den PR-Plan der Agentur, die zwischendrin keine mehr sein will und behauptet „einen journalistischen Ansatz“ zu verfolgen (Unverschämtheit!) und schreibt dazu ebenfalls lesenswertes:

Streeck selbst räumte am Karfreitag bei „Zeit online“ ein, die Studie sei „mit heißer Nadel gestrickt“ worden – und nannte auch einen Grund dafür: Man habe sie noch vor der politischen Entscheidung über einen verlängerten Shutdown nach Ostern vorlegen wollen. Zwei Tage später erschien dann ein Interview mit dem „Tagesspiegel“, in dem Streeck sein Vorgehen verteidigte. Darin erklärte der Forscher nun: „Die Veröffentlichung ist keinesfalls leichtfertig erfolgt. Wir haben bis in die Nacht auf Donnerstag darüber diskutiert, ob wir jetzt erste Daten präsentieren sollen.“
Allerdings hatte die NRW-Landesregierung bereits am frühen Mittwochabend die Einladung für die Pressekonferenz am nächsten Vormittag verschickt, auf der „erste Zwischenergebnisse“ der Studie vorgestellt werden sollen. Auf Capital-Anfrage erklärte die Staatskanzlei, die Entscheidung für den Termin am Gründonnerstag sei „vonseiten der mit dem Forschungsprojekt Covid-19 Case-Cluster-Study befassten Wissenschaftler getroffen“ worden – also von Streeck und seinen Kollegen, die noch in der Nacht mit sich gerungen haben wollen, überhaupt Daten vorzulegen.

https://www.capital.de/wirtschaft-politik/corona-studie-der-plan-hinter-dem-heinsberg-protokoll?article_onepage=true

Man wollte die Studie vorstellen, bevor politische Entscheidungen gefällt werden? Was ist das denn für ein wissenschaftlicher Ansatz?

Wissenschaftskommunikation ist ein gutes Thema. Jens Rehländer kommentiert auf Meedia, nicht ohne etwas zu ätzen:

“Wissenschaftskommunikation” – ich denke, allein der sperrige Begriff dürfte bei den Leuten von Storymachine Schnappatmung auslösen: Riecht das nicht so ranzig wie ein Telekolleg im Schwarzweiß-Fernseher? Höchste Zeit also, mag man sich dort gesagt haben, der Welt einmal zu zeigen, wie man den verschnarchten Pressestellen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen ein Schnippchen schlägt und moderne Wissenschaft nach allen Regeln zeitgemäßer PR-Kunst vermittelt: smart, hipp, gefühlig, junge Zielgruppe, Social Media, Bewegtbild – das ganze Gedöns, gut und teuer. Nach eigenen Angaben wurde ein “Chief Strategy Officer” zum Kommandeur eines zehnköpfigen Kreativteams bestellt und der Tross teils virtuell, teils körperlich nach Nordrhein-Westfalen in Marsch gesetzt.

https://meedia.de/2020/04/16/heinsberg-protokoll-gastkommentar-jens-rehlaender/

Einen Gefallen dürfte sich die Uni Bonn und dürfte sich Streeck, der besorgte Bürger, mit dieser Aktion getan haben.

Photo by Rebecca Matthews on Unsplash