Corona Lesezeichen III

Okay, was ich, subjektiv, für lesenswert halte.

Wirtschaft & Corona

In dieser Krise gibt es anscheinend sehr viel Rückkopplung zwischen Bundesfinanzministerium und Wirtschaftswissenschaftlern aller möglicher Institute. Und bisherige „ideologische“ Differenzen bestimmen viel weniger das Bild als bisher. So schreibt der Tagesspiegel:

Doch während Homburg in der „Bild“ als einer der klügsten Corona-Skeptiker gefeiert wird, scheinen Deutschlands Spitzenökonomen an direktem Einfluss auf die Politik zu gewinnen. Seit Olaf Scholz (SPD) das Bundesfinanzministerium führt, ist der Austausch zwischen Politik und Wirtschaftswissenschaftlern intensiv wie nie geworden. Anfang vergangenen Jahres holte der Vizekanzler den Wirtschafts- und Finanzexperten Jakob von Weizsäcker als Chefvolkswirt in sein Haus. Der brachte sein Netzwerk mit und initiierte einen E-Mail-Austausch mit rund 150 Ökonomen und Finanzexperten. So wurden auch Wissenschaftler in die Ideenfindung einbezogen, die nicht im wissenschaftlichen Beirat sitzen oder dem Sachverständigenrat angehören.

https://amp.tagesspiegel.de/wirtschaft/neue-allianzen-in-der-coronakrise-wie-eng-der-austausch-zwischen-oekonomen-und-olaf-scholz-ist/25835786.html?__twitter_impression=true

Das ist eine durchaus faszinierende Entwicklung, denn auch der Widerspruch gegen Abwrackprämien ist deutlich. Und am Ende schreibt das IW Köln gar, dass die Niedrigzinsen der EZB eigentlich die große Masse gar nicht am Vermögensaufbau hindern – schlimmer wäre es, wenn sie kein Einkommen hätten. Wenn das mal jemand dem BVerfG gesagt hätte:

Update 22.5.: Extrem bemerkenswert auch die Stellungnahme des Sachverständigenrats via Süddeutscher Zeitung, die sich vor allem gegen kurzlebigen Konjunkturaktivismus ausspricht, also Autokaufprämien. Auch sehr deutlich formuliert:

Insbesondere sollte sich die Politik nicht unter dem Einfluss einzelner Branchen zu einer Vielzahl an branchenspezifischen Maßnahmen, wie etwa einer Kaufprämie für Fahrzeuge, verleiten lassen, die tendenziell bestehende Strukturen verfestigen, ohne eine durchschlagende konjunkturelle Wirkung zu erzielen.

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftsweise-coronakrise-ratschlaege-1.4913986

Studien und Praktiker. Soziale Komponente

Die Studie um den ersten Ausbruchscluster in Deutschland ist spannend:

Patientin vier traf den Gast aus China während dessen dreitägigen Aufenthalts mehrfach und löste am 22. Januar in der Webasto-Kantine eine Kettenreaktion aus. Obwohl sie zu dem Zeitpunkt noch keine Symptome hatte, steckte sie einen Kollegen an: Patient fünf. (..)
Die beiden saßen Rücken an Rücken an verschiedenen Tischen, allerdings drehte sich Patient fünf einmal um, um sich einen Salzstreuer zu leihen. Eine Auswertung der Virussequenzen der beiden Infizierten legt nahe, dass das für eine Ansteckung gereicht hat.
Diese eine unglückliche Begebenheit war letztlich entscheidend dafür, dass der Ausbruch bei Webasto so große Kreise zog. Fünf der 16 Infektionen stehen im direkten Zusammenhang mit Patient fünf, wenn man ihn selbst mitzählt. Insgesamt infizierten sich in der Ansteckungskette um ihn neun Personen, ihn selbst eingeschlossen.

https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/coronavirus-studie-untersucht-cluster-um-patientin-null-a-1307061-amp.html

Zur Kenntnis nehmen muss man auch, dass die Übersterblichkeit in ärmeren Bevölkerungsgruppen höher ist, dass Schicht und in den USA die Zugehörigkeit zu Minderheiten eine wichtige Rolle spielen. Eine Quelle ist die FAZ und ihre Interviews mit einem Darmstädter Arzt.

Viele sozioökonomische Faktoren tragen dazu bei, ob man diese Krankheit bekommt und wie schwer sie verläuft. Fettleibigkeit kann zu einem schweren Verlauf führen, das ist vor allem in sozial schwachen Schichten ein Problem, genau wie ein Mangel an gesundheitlicher Aufklärung, an gesunder Ernährung, an Sport. Symptome werden außerdem oft erst später erkannt oder ernst genommen. Ärmere Menschen sind weniger gut an Ärzte angebunden, Migranten können teilweise ihre Beschwerden nicht so gut auf Deutsch schildern. Die Menschen leben auf engerem Raum und arbeiten in Berufen, in denen sie vielen Kontakten ausgesetzt sind. Armut macht krank, das ist bei vielen Krankheiten ein Problem. 

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/arzt-interviews/corona-arzt-ueber-obdachlose-patienten-und-lungenschaeden-16771004.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

In den USA. Die NY Times hat gerade ein günstiges Abomodell im Angebot!

But Covid-19 has been particularly virulent toward African-Americans and Latinos: Nursing homes where those groups make up a significant portion of the residents — no matter their location, no matter their size, no matter their government rating — have been twice as likely to get hit by the coronavirus as those where the population is overwhelmingly white.

https://www.nytimes.com/article/coronavirus-nursing-homes-racial-disparity.html?action=click&module=Spotlight&pgtype=Homepage

Verschwörungsmtyhen

Ohne ausführlich werden zu wollen: Was Qanon ist und wie die Legenden zu uns kommen – hier:

All of this, taken together, defined a worldview that would soon have a name: QAnon, derived from a mysterious figure, “Q,” posting anonymously on 4chan. QAnon does not possess a physical location, but it has an infrastructure, a literature, a growing body of adherents, and a great deal of merchandising. It also displays other key qualities that Pizzagate lacked. In the face of inconvenient facts, it has the ambiguity and adaptability to sustain a movement of this kind over time. For QAnon, every contradiction can be explained away; no form of argument can prevail against it.

https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2020/06/qanon-nothing-can-stop-what-is-coming/610567/?utm_medium=social&utm_campaign=the-atlantic&utm_source=twitter&utm_content=edit-promo&utm_term=2020-05-14T04%253A00%253A25