Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

Photo by Patrick Brinksma on Unsplash
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Was ich gewinnbringend gelesen habe (18/3)

Viele Leseeindrücke sind in dieser Woche in diesen Beitrag gewandert: Nazis

Leeramt

Ratlos zurückgelassen hat mich der Artikel Wie sollen Lehrkräfte vermitteln, was sie selbst nicht können? 

Die Texte, die sie von Studierenden zu Gesicht bekommen, lösen bei ihnen zum Teil Erschrecken aus, sagen sie. Voßkamp hat das Thema erst neulich in einer seiner Lehrveranstaltungen zur Sprache gebracht. In einigen Texten hätte es von Zeichensetzungsfehlern, lexikalischen und grammatikalischen Fehlern sowie erheblichen Defiziten in der Kasusbildung und Flexion gewimmelt. Grundlegende Sprachregeln würden nicht beherrscht. „Im Prinzip werden hier Standards nicht erfüllt, die am Ende der Sekundarstufe I – und eigentlich schon nach der 6. oder 7. Klasse – erfüllt sein müssen“, sagt er und fügt hinzu: „Und das im Lehramtsstudium im Master im Fach Deutsch.“ Dabei handele es sich nicht um Einzelfälle. Allein in seinem Seminar seien ihm in drei Texten erhebliche Sprachdefizite aufgefallen. „Es ist ein gravierenderes Problem, als man anfänglich denkt“, so Voßkamp.

Stress

Ein interessantes, auf ordentlichem Reflexionsniveau geführtes Interview mit Naika Foroutan „Deutschland steht unter erheblicher Spannung“:

Wovor genau fürchten sich die Menschen?

Es ist eine emotionale, affektive Unruhe, die viele Menschen erfasst hat. Es gibt Leute, die haben zwei Flat-Screens, zwei Autos und ein Eigenheim, das sie abbezahlen können, weil sie einen sicheren Job zum Beispiel in der Sparkasse haben. Sie sind angesehen. Wenn wir sie fragen, warum sie sich eigentlich bedroht fühlen, dann merken wir, dass die objektiven Parameter, die wir für Angst kennen – also die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust oder dem Verlust des eigenen Status – in Wahrheit gar nicht der Punkt sind. Ein kluger Autor hat das neulich mit dem Zauberberg von Thomas Mann verglichen: Zanksucht, kriselnde Gereiztheit und namenlose Ungeduld hat die Menschen eingenommen, die vorher vielfach eine Leere gespürt haben und das Gefühl der Stagnation. Das Gefühl, dass es sich in Deutschland nicht wirklich weiterentwickelt.

Da helfen kleine Großkoalitionäre, die 2018 „die Digitalisierung“ entdecken und sich über teure Rentenoperationen freuen, nicht weiter.

Sascha Lobo reflektiert ja sonst ganz gerne. Im oben verlinkten, ja, Rant, tickt er aus. Zu Recht:

Man möchte Kauder packen und schütteln und schreien: Wer war denn an der verdammten Regierung in den letzten 12 Jahren? Wer? Wer? Kalter Zorn. Der Iro liegt in blutigen Strähnen im Raum verteilt.

Ein Strauß

Ein bisschen persönlich hat mich dieser Artikel getroffen: In Deutschland sterben die Blumenläden aus aus der SZ. Denn ganz neu ist das nicht:

Jedes Jahr bauten Lidl, Aldi, Rewe und Toom mehr Plastikeimer mit Tulpen und Rosen auf. 2,99 Euro für einen Bund Rosen von Rewe statt 15 Euro für einen Strauß voller Liebe von ihm. Wenn er frühere Kunden bei Rewe traf und sah, wie sie dort Blumen kauften, hätten sie sich geschämt, sagt er. Aber sie kamen trotzdem nicht wieder. Als Karl Bode den Laden 1988 von seinem Vater übernahm, gab es Blumen fast nur in Fachgeschäften. Heute haben sie der AMI zufolge noch einen Marktanteil von 40 bis 45 Prozent.

Und auch ich gehörte zu dem Nachwuchs, der sich nicht vorstellen konnte, in die elterlichen Fußstapfen zu treten. Das hat viele Gründe. Bewusst wurden sie mir erst spät. Und manchmal ist es zu spät.

 

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