Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

Unzufrieden – offline-gehen als Lösung? Talkshowdebatten, Badehosen

Okay, ich muss vielleicht mal offline gehen, die letzten Tage waren nicht gut für mein Weltvertrauen („Alles wird gut“).

Da war die Gaulandsche Badehose. Ich brauche diese „Meldung“ nicht, und ich brauche dieses Foto nicht. Trotzdem bekomme ich das in Social Media und vor allem auf Twitter unglaublich unter die Nase gerieben. Ein relevanter Vorgang? Eher nein. Aber gibt es wenigstens ein hochtrabendes Bekennerschreiben der „anarchistischen internationalistischen Aktionsgruppe Badesee“?

Dann musste mal wieder jemand die Frage durchs Dorf treiben, ob denn die deutschen Talkshows daran schuld sind, dass es die AfD gibt. Das Thema ist so 2017. Aber das macht nichts. Vielleicht war es von der ARD nicht so toll programmiert, dass am Montag eine Doku zum Thema „Das Mädchen und der Flüchtling“ gezeigt und danach bei Plasberg dazu diskutiert wurde, am Mittwoch dann mit „Unterwerfung“ und einer Diskussion zum Reizthema „Islam“ angeschlossen wurde. Auf der anderen Seite beschweren sich immer alle über die Krimiflut und „seichte“ Unterhaltung. Schon klar.

Da werden dann Statistiken fabriziert:

„die Mühe gemacht“. Seit Januar 2015. Als Tortendiagramm sieht das läppischer aus:

Krass, was? Keine Reaktion des Balkendiagrammachers übrigens, Falk Steiner meint aber:

Finden kann man ja alles, nur sind 16 Prozent für wirklich eines der bestimmenden Themen der letzten drei Jahre „viel“?

Es wird in dieser Debatte sowieso viel „gefühlt“ und „gefunden“. Etwa ganz alte Artikel:

Weil gefühlte Wahrheiten so was tolles sind geht auch ein „Rant“ bei der Süddeutschen viral Wir diskutieren viel zu häufig über den Islam 

Dunja Ramadan findet:

Deshalb ist es kein Wunder, dass der Durchschnittsdeutsche davon ausgeht, dass 20 Millionen Muslime in Deutschland leben – dabei sind es nur 4,4 bis 4,7 Millionen, wie Studien belegen. Es ist auch kein Wunder, dass die Angst vor dem Islam so hoch ist, wenn gefühlt jeden zweiten Abend über „den“ Islam diskutiert wird – in einer Brisanz, in der man denkt, in Deutschland herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände.

So. Der Durchschnittsdeutsche ist also desorientiert, weil er „gefühlt“ 20 Millionen Muslime in Deutschland wahrnimmt. Dunja Ramadan ist aber orientiert, weil „gefühlt“ jeden zweiten Abend über den Islam diskutiert wird.

Welches Gefühl ist denn jetzt falscher? Oben die Zahlen: 16 Prozent der Talkshows seit 2015. Gefühlt jeden zweiten Abend. Und dann zitiert sie die Titel der Sendungen, an denen man sicherlich einiges aussetzen kann, die Sendungen selbst gesehen? Scheint Fehlanzeige. Das erinnert an die unzähligen Trolle im Netz, die vor dem kommentieren von Artikeln auch nur die Überschriften lesen.

Über den Film in der ARD haben übrigens anscheinend nur wenige geschrieben oder getwittert. Schade. Aber da muss man ja mal 45 Minuten zuschauen und kann sich nicht unmittelbar über „Talkshows“ aufregen.

Photo by Kev Seto on Unsplash

Kommentare sind geschlossen.