Unbehagen

Ich will nur kurz ganz meinem Unbehagen darüber Ausdruck verleihen, dass Jasper von Altenbockum von der FAZ im Umgang mit der extremen Rechten alle die verunglimpft, die sich dem Kuschelkurs der AFD gegenüber verweigern. Etwa im Kommentar „Widersinnige Ausgrenzung“ zur Nicht-Wahl einer AfD Vertreterin zum Bundestagspräsidium:

Die Ausgrenzung, die sie praktizieren, ist, was die Integrationskraft des Parlaments angeht, selbstzerstörerisch.

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommentar-zu-afd-politikerin-mariana-harder-kuehnel-widersinnige-ausgrenzung-16124684.html

Ist es Aufgabe des Bundestages, Integrationsleistungen zu erbringen? Davon habe ich nichts gehört. Und wie der Versuch, Rechte zu „integrieren“ und damit zu normalisieren aussehen kann, dazu gibt es Vorbilder. Und das mit dem „aus dem Bundestag ausziehen“ haben andere vorgemacht

Er warnt die „Weltöffentlichkeit“, dieses Parlament noch ernst zu nehmen und droht den Vertretern des Zentrums wörtlich: „Es kommt der Tag, und er kommt sehr bald, an dem Ihnen für Ihr schamloses Verhalten die Quittung ausgestellt werden wird, die Sie verdienen! Wir verlassen zum Protest gegen Ihre Handlungsweise den Saal.“ Während die von Stöhr geführten Abgeordneten aufstehen, rufen sie „Heil!“ und singen die NS-Hymne, das Horst-Wessel-Lied.


https://www.swr.de/swr2/wissen/archivradio/der-reichstag-vor-hitler-1931-nsdap-droht-und-verlaesst-das-parlament-und-singt-horst-wessel-lied/-/id=2847740/did=21050146/nid=2847740/a5ppyw/index.html

Noch bedenklicher finde ich allerdings, dass JvA alle Erkenntnisse über die Frage der Toleranz gegenüber Intoleranten fahren lässt, wenn er die SPD auffordert, Thilo Sarazzin weiterhin eine Bühne zu bieten:

Über die Thesen Sarrazins lässt sich trefflich streiten. Was ist aber aus der SPD geworden, dass sie dazu weder in der Lage noch willens noch fähig ist? Man fragt sich: Was ist intoleranter, die Islam-Feindschaft Sarrazins oder die Sarrazin-Feindschaft der SPD?

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/thilo-sarrazin-mit-rest-afd-im-blut-kommentar-16119320.html

Erstens: es lässt sich nicht mehr trefflich streiten, denn alle Argumente sind ausgetauscht, seine falschen und irreführenden „Fakten“ aufgedeckt. Das muss man nicht wieder und wieder tun, auch zu seinem neuen Buch wurde, auch in der FAZ, alles gesagt. Und zum Thema Toleranz gegenüber den Feinden der Toleranz auch. Karl Popper:

Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.


https://www.welt.de/print-welt/article154640/Karl-Popper-ueber-Toleranz.html
https://www.welt.de/print-welt/article154640/Karl-Popper-ueber-Toleranz.html

Damit stellt sich die Frage nicht.

[Update 5.4.]

Die Reaktionen der AFD zeigen nur, dass man sie nicht eher nicht normalisieren sollte:




Lesenswert:

Vielen ging der „Vogelschiss“ des Parteivorsitzenden zu weit. Wer wie Alexander Gauland die deutsche Geschichte zu relativieren sucht, wer nicht in der Lage oder nicht Willens ist, den nationalistischen rechten Flügel zu bändigen oder Rechtsaußen wie Björn Höcke aus der Partei zu schmeißen, braucht sich über den heutigen Protest nicht zu wundern.

https://www.deutschlandfunk.de/wahl-zur-bundestagsvizepraesidentin-das-nein-fuer-harder.720.de.html?dram:article_id=445517

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