Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

Studies from hell: Trinkgeld

Also, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, jetzt wird es albern.

WELT, Berliner Zeitung, WAZ, mein Lokalblättchen: alle miteinander verwursteln eine „Studie“ aus Frankfurt. Hochtrabender Titel zumeist: „Studie: Diese sozialen Faktoren beeinflussen das Trinkgeld

Screenshot: Google NEws v. 16.6.2018

Ich mag gar nichts zitieren. Das ist so hohl, von der dpa verbreitet und muss deswegen halt auch rausgepustet werden. (Die Frage „Wie viel Geld geben Deutsche im Restaurant“, liebe WELT, wird weder in der so genannten „Studie“ noch im Artikel beantwortet. Thema verfehlt.)

Dabei könnte jeder Redakteur die Meldung nehmen, durchlesen, wegklicken. Spätestens bei diesem Satz:

Unter Anleitung von Professor Christian Stegbauer haben Studierende in einem Forschungsseminar in ausführlichen Interviews rund 40 Kellner und Gäste befragt.

Hat irgendwer schon mal was von „Stichprobengröße“ gehört?

Kellner und Gäste, macht also 20 Kellner und 20 Gäste. Sagenhaft. Egal, wie ausführlich die Interviews sind. Hier die Quelle

Unter Anleitung von Professor Christian Stegbauer haben Studierende in einem Forschungsseminar in ausIm Rahmen des Forschungspraktikums für Wirtschafts- und Finanz soziologie bei Prof. Christian Stegbauer führten die Teilnehmenden leitfadengestützte Interviews mit 40 Kellnerinnen und Kellnern sowie Restaurantgästen. Ein Teil der Interviewten arbeitet als KellnerIn in Vollzeit, als studentische Aushilfe oder Barkeeper in Lokalitäten vom Edelrestaurant über internationale Küchen bis hin zu gewöhnlichen Bistros. Der andere Teil bestand aus RestaurantbesucherInnen aus verschiedenen Berufsbranchen und Studierenden. Die Interviews thematisierten die soziale Einbettung der Trinkgeldgabe in soziale Routinen und die Aushandlung zwischen den Beteiligten. Am Seminar nahmen 19 Studierende teil, die in fünf unterschiedlichen Gruppen jeweils eine Teilfrage bearbeiteten.führlichen Interviews rund 40 Kellner und Gäste befragt.

Ich will hier nicht bestreiten, dass man so wissenschaftliches Arbeiten üben kann. Ich bestreite nur massiv, dass eine solche Arbeit diese Aufmerksamkeit verdient hat. Nicht dabei steht übrigens, wo die Interviews geführt wurden, ich gehe mal verwegen davon aus: ausschließlich in Frankfurt. Aber könnte es in eher tradtionelleren Städten mit weniger internationalem Publikum nicht anders zugehen? In Dorfgaststätten? Mittelzentren? Autobahnraststätten?

Ach, egal. Wieder eine „Studie aus der Hölle“. Und Journalismus wird nicht nur durch das Abpinnen von Titanic-Fakes kaputt gemacht.

 

 

Photo by Raphael Schaller on Unsplash

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