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So geht Medienkritik

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Nur am Rande: auch der in einer systemkritischen Endlosschleife gefangene Jens Berger von den Nachdenkseiten muss natürlich in seinem aufsehenerregenden Aufsatz „Trump, Trump, Trump … haben wir keine anderen Themen?“  wieder die gar nicht mysteriöse Studie zur negativen Berichterstattung der ARD aufgreifen.

Was den Berichten an Tiefgang fehlt, überkompensieren sie mühelos durch eine ganz klare Agenda. Eine Studie der Universität Harvard ergab, dass unglaubliche 98% der wertenden Beiträge der ARD über Donald Trump überwiegend negativ ausfielen – das ist mehr als in jedem anderen untersuchten Medium weltweit. Das Pendel scheint mit voller Wucht umzuschlagen. So unkritisch wie die deutschen Medien bei Obama waren, so überkritisch sind sie jetzt bei Trump.

Wer sich bei anderen über mangelnden Tiefgang beklagt, der sollte selbst zumindest über ein wenig davon verfügen – Hintergrund zur Studie gab es genug. Das Wort „unglaublich“ ist übrigens ein echtes Lieblingswort von Berger.

Warum gehe ich noch auf die Nachdenkseiten? Zum einen sind sie noch in meinem Feedreader enthalten, zum anderen gibt es manchmal, nur noch selten, interessantes, wie etwa dieses überraschend differenzierte Interview mit Prof. Dr. Klaus Dörre.  Der wagt es etwa, auf die rhetorische Frage „Geht es Deutschland gut“ zu antworten „Dies kann man bis zu einem gewissen Grade nicht abstreiten.“ Das ist nicht der typische Nachdenkseitenduktus – denn danach ist alles „schlimm, schlimm, schlimm“. Schön auch die typisch in 70er-Jahre-Nostalgie des Albrecht Müller (früher war unter den Sozis alles besser) gehaltene (Nicht-)Frage

In meiner Kindheit in den 60er und 70er Jahren konnten Arbeiter als einziger Verdiener die Familie ernähren und nicht selten sogar ein, wenn auch bescheidenes, Eigenheim finanzieren.

Das kriegen Sie heute so nicht mehr hin! Dieses Modell war ja auch nicht unproblematisch, Stichwort Abhängigkeit der Frauen.

Natürlich bekommen Einkommens- und Vermögensungerechtigkeit ausführlich kritische Einordnung. Zu Recht. Reines Schwarz-Weiß scheint allerdings Dörres Sache nicht zu sein. Deshalb lesenswert!

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