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„Reform“pädagogen schlagen zurück

Niemand kann mir die Befriedigung nehmen, mit der ich die Ergebnisse einer Studie zur Kenntnis genommen habe, nach der die Methode „Lesen durch Schreiben“ keine besonders guten Ergebnisse im Aneignen von Schreibfähigkeiten aufweist.

Meine Elternerfahrungen mit dieser Methode sind verheerend. Denn wenn der Nachwuchs dicht an LRS chargiert, dann hilft das orientierungslose vor-sich-hin-schreiben nicht, es verunsichert. Und das vor allem dann, wenn man noch das Gefühl haben muss, auch die Lehrkräfte sind damit überfordert. In unseren Elternabend wurde dringend darauf hingewiesen, wir sollten die Kinder ja nicht korrigieren.

Das Ergebnis der Studie ist für die „Reform“-Pädagogik ein einigermaßen schwerer Schlag. So dass man zum Gegenschlag ausholen muss. Stellvertretend etwa der Artikel bei Zeit Online „Die Fibel macht es auch nicht bessa“.  Das ist „lustig“. Oder?

Mich kotzt es an. Parvin Sadigh schwingt die ganz überhebliche Keule:

Leider hat die Studie nämlich nicht danach gefragt, welche Methode Lust auf Schreiben und Lesen macht. Auch nicht danach, wer später Texte besser versteht und sich schriftlich frei ausdrücken kann.

Ja, aber leider scheint Frau Sadigh auch keine Studie anführen zu können, die in diesen Fragen Lesen durch Schreiben vorne sieht, mit dieser „leider“ Formulierung wird zwar unterstellt, dass da die Reformpädagogik die Nase vorne hat, aber leider – ist das eine Unterstellung.

Ja, vielleicht wurde eine Zeit lang Rechtschreibung nicht ernst genug genommen. Aber wie viel Kreativität würde wieder verloren gehen, wenn man die Zeit zurückdreht? Wenn nur noch gepaukt und nicht mehr ausprobiert wird? Wer weiß das?

Ja, lustig, was? Keiner weiß das! Frau Sadigh auch nicht. Es wird einfach unterstellt.

Das Wort „pauken“ wird mehrfach abwertend im Artikel benutzt, darf man da von Framing reden? Oder ist das links vorbehalten, wenn man rechts kritisieren will?

Außerdem kommt die Studie zu spät, denn die Schreiben-nach-Gehör-Methode wird nur noch selten dogmatisch angewandt. An manchen Schulen durften Lehrerinnen und Eltern bei deren Einführung den Schülerinnen und Schülern bis zum Ende der zweiten Klasse nicht verraten, dass die Wörter eigentlich anders geschrieben werden – um die Kinder nicht zu demotivieren.

Tja, auch das weiß Frau Sadigh nicht, ich kann nur sagen: vor fünf bis sechs Jahren war das bei uns noch so.

Und der Satz ist großartig:

Migration und Inklusion sind wahrscheinlich die Hauptursachen für die schlechteren Leistungen in der Grundschule.

Huh. Darf man das schreiben? In der ZEIT? Ist Lesen durch Schreiben doch eine elitäre, weiße, Oberschichtsunterrichtsform?

Zur Verteidigung der Reformpädagogik wird dann noch eine Binse bemüht:

Studien haben längst gezeigt: Auf die Methoden kommt es weniger an als auf engagierte Lehrer, die sich Zeit nehmen können für jedes einzelne Kind.

Ach. Kleinere Klassen, mehr Lehrer, wenig Unterrichtsausfall. Das ist wirklich immer gut. Egal nach welcher Methode. Aber vielleicht mit der klassischen doch ein bisschen besser. Originell aber ist das nicht.

 

 

Photo by Kev Seto on Unsplash

 

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