Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

Photo by David Cohen on Unsplash

16. September 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Enthemmung – Biedermänner bei der Arbeit …

Enthemmung – Biedermänner bei der Arbeit …

Wenn sich nicht alle, Medien, Politik, Verfassungsorgane, nachgeordnete Bundesbehörden, und ihre Vertreter, gegen Nazis, Hass und Gewalt, aber auch gegen die dabeistehend applaudierenden „besorgten Bürger“ klar und unzweideutig aussprechen, dann wird es so weitergehen:

 

Screenshot Spiegel Online 16.09.2018 http://www.spiegel.de/panorama/justiz/harz-maenner-greifen-fluechtlinge-in-hasselfelde-und-halberstadt-an-a-1228344.html

Screenshot https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-09/chemnitz-buergerwehr-sechs-tatverdaechtige-festnahme 16.9.2018

Screenshot https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_84456930/chemnitzer-polizei-ermittelt-nach-angriff-auf-41-jaehrigen-tunesier.html 16.9.2018

Screenshot https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Attacke-in-Wismar-Haftbefehl-erlassen,wismar600.html 16.9.2018

Screenshot https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Attacke-in-Wismar-Haftbefehl-erlassen,wismar600.html 16.9.2018

Stattdessen drängt ein intellektuell überforderter Ministerpräsident, ein intriganter Verfassungsschutzchef und ein jenseits von Gut und Böse agierender Bundesinnenminister dem Land und den Medien eine Debatte über Begriffe auf. Hetzjagd ja/nein. Doch das ist nicht die Frage.

Ich verweise jetzt mal wieder gerne auf eine Kolumne von Thomas Fischer, dem in dieser Frage weder eindeutige Haltung noch Wortgewalt abzusprechen sind:

Zum einen ist der Wortstreit ein sensationeller kommunikativer Erfolg der rechtsradikal-nationalsozialistischen Minderheit und daher eine deprimierende kommunikative Insolvenz des von ihr bekämpften „Systems“. Intellektuell und sozial randständige Persönlichkeiten wie Bachmann, Höcke und Weidel zwingen die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaats Sachsen zu einer öffentlichen Diskussion darüber, ob man das „kurzfristige Verfolgen“ von Ausländern durch Nationalsozialisten als „Hetzjagd“ bezeichnen dürfe.

Auf der anderen Seite des Spektrums betätigt sich der Konservativen-Clown Jan Fleischhauer, und ein Chor der möglicherweise ebenfalls intellektuell randständigen Persönlichkeiten stimmt den Gesang von der „Treibjagd“ auf Maaßen an, wundervoll umrahmt vom entlarvenden Hashtag #wirdsindmaaßen von Vera Lengsfeld und Konsorten.

Die FAZ pflegt ihre konservative Indifferenz, indem einmal klar Stellung für den aktuell so verfassten Staat genommen wird (Jasper von Altenbockum), dann aber wieder „das wird man nochmal sagen dürfen“ möglichst platt (Michael Handfeld):

 Es geht um Deutungshoheit, es geht um die Machtfrage, es geht darum, wer Angela Merkel widersprechen darf und wer nicht oder ob das überhaupt jemand darf.

Darum, mit Verlaub, geht es an allerletzter Stelle.

Und wer wissen will, wie es um die FAZ steht, der lese dann nochmal diesen Kommentar zur Lehman-Pleite, einer des Herausgebers Holger Steltzner. Zum einen ist es ungeheuerlich, wie er die Schuld an der Bankenkrise der Politik, namentlich Bill Clinton zuschiebt:

Dabei stand am Anfang der Wunsch von Präsident Clinton, alle Amerikaner zu Hausbesitzern zu machen.

Das lässt jede Art vernünftiger Analysen der Krise außer acht, von denen es schon viele gegeben hat. Der Anfang der Finanzkrise ist weit früher auszumachen. Und die Frage, wer denn Clinton denn eigentlich beraten hat, in Sachen Banken und Liberalisierung, wird gar nicht erst gestellt. Einen nur ersten Einblick in den Einfluss von Goldman Sachs auf die US-Regierungen Reagan, Clinton, Bush und Obama gibt es u.a. beim Handelsblatt:

„Alle Finanzkrisen der jüngeren Geschichte wurden dadurch ausgelöst, dass eine wirtschaftliche Elite zu viel Macht bekam. Die USA unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht von Schwellenländern wie Südkorea oder Indonesien.“ Harte Worte, ausgesprochen von Simon Johnson, einstiger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Aber das ist nicht das unverschämteste an diesem Kommentar. Nein, das ist dieser Absatz:

Nie wieder Lehman! Diese Lehre zogen geschockte Politiker. Doch die Methode, multiple Schuldenkrisen mit noch mehr Schulden zu bekämpfen, hat Konsequenzen. Der staatliche und private globale Schuldenberg ist sprunghaft gewachsen, auf unvorstellbare 169 Billionen Dollar. Die Autorität der Eliten ist untergraben, weil der Finanz- und Euro-Krise schmerzhafte Sparmaßnahmen folgten. Das Vertrauen in die Rationalität demokratischer Entscheidungsprozesse litt auch darunter, dass der Souverän nicht gefragt wurde, ob mit Merkels „Willkommenspolitik“ Millionen Migranten in die EU gelockt werden sollen. Dass man angeblich Grenzen nicht schützen und der Staat nicht darüber entscheiden könne, wer ins Land kommt, zerstörte bei vielen den Rest an Vertrauen.

Echt jetzt?

Ohne die Finanzkrise wäre eine rationale Steuerung der Migration kein ernstes Problem, der Schuldenberg der Staaten kleiner, das Vertrauen in die Marktwirtschaft und demokratische Institutionen voll intakt. Es sind die Banker, die die Grundfesten des sozialen Europas erschüttert haben, und infolge dessen populistische Parteien auf dem Vormarsch sind. Jetzt wieder auf „Flüchtlinge“ zu zeigen – wie schäbig ist das denn …

 

Photo by David Cohen on Unsplash

14. September 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Der Kreuzzug gegen das böse Plastik(becher)

Der Kreuzzug gegen das böse Plastik(becher)

Dem Guten verpflichtet, Aufklärung der Massen, Anleitung zum bewussten Leben, Akzeptanz durch Penetranz – was ohnehin journalistische Sekundärtugenden zu sein scheinen, wird in journalistischen Social-Media-Angeboten noch direkter, man könnte auch sagen, aufdringlicher dargereicht. Junge, engagierte, unterbezahlte idealistische Kräfte gehen da ans moderne Werk, und die Währungen „Klicks“ und „Kommentare“ scheinen ihnen unschlagbar Recht zu geben.

Großartiges Thema: Plastik. In den Meeren. Im Pazifik. Oder woanders. Und der Beitrag des Einzelnen.

Im Juli lief mir eine Multimedia-Grafik über den Weg, die mit diesem Satz angeteasert wurde:

Hannover hat ein Pfandsystem für Kaffeebecher eingeführt und spart damit tausende Tonnen Müll.

Und hier die Zahlen, die in drei Grafiken gezeigt wurden:

 

  • 3 Milliarden Einwegbecher pro Jahr in Deutschland (landen im Papierkorb)
  • Einwegbecher: 40.000 Tonnen (Plastikmüll insgesamt: 6 Mio. Tonnen) p.a.
  • Das System spart schon jetzt 1,2 Millionen Einwegbecher

Weiterlesen →

10. September 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Alberne Behauptung: Mobiles Zahlen per Handy ist „bequem“

Alberne Behauptung: Mobiles Zahlen per Handy ist „bequem“

Okay, es ist hipp, modern, irgendwie cool, großartig. Angeblich. Bezahlen mit dem Handy sei der neueste heiße Scheiß, jeder muss mitmachen, wer nicht, der Doof. In der FAZ versteigt sich Thoams Klemm zum Appell: Weg mit den Plastikkarten! Der Link verrät, warum der ursprüngliche Titel mit „warum-die-zeit-der-plastikkarten-vorbei-ist“ etwas harmloser war.

Kern des Artikels sind diese Behauptungen. Zunächst die, das Plastikkarten ja doof sind:

98 Prozent der Bevölkerung und damit so viel wie nie zuvor haben eine Girocard, also das, was früher EC-Karte hieß. Auch Kreditkarten werden beliebter, mehr als jeder dritte Deutsche besitzt inzwischen mindestens eine. Dazu kommen Prepaid-Karten, Kundenkarten, um Treuepunkte zu sammeln, sowie Bezahlkarten fürs Tanken, für das Mensaessen oder für Bier und Bratwurst im Fußballstadion.

Was er mit Prepaid-Karten meint? Keine Ahnung, vielleicht „paysafecard“? Gutscheinkarten von Ikea?

Egal, alle doof.

Mehrere Zentimeter dicke Geldbörsen in Hosentaschen oder Handtäschchen herumzutragen, wie wir es tun, ist eine unnötige Bürde. Denn vieles, was hierzulande auf den Chips der Plastikkarten gespeichert ist, könnte ebenso gut und genauso sicher auf einem Smartphone oder einem anderen Gerät hinterlegt werden.

Dann müssen wir aber zu den Zahlungsmitteln zurückkehren, denn darum geht es ja wohl.

„Die Karte wird ins Handy wandern, und die Leute werden weniger Plastik in der Tasche haben“, prophezeit Ralf Ohlhausen, Entwicklungsleiter beim Zahlungsspezialisten PPRO.

Was so Dienstleister, die gerne verdienen wollen, gerne mal prophezeien.

Das liegt zum einen daran, dass junge Generationen allem Digitalen gegenüber besonders aufgeschlossen und mit dem Smartphone groß geworden sind. Außerdem ist das Angebot in diesem Sommer sehr viel breiter geworden. Die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken bieten seit kurzem Smartphone-Apps fürs Bezahlen mit dem Google-Betriebsystem Android an. Auch Google Pay ist jetzt hierzulande verfügbar, Apple Pay für iPhone-Besitzer wird demnächst folgen.

Das sogenannte Mobile Payment bedeutet, dass die Daten einer Girocard oder Kreditkarte auf dem Smartphone hinterlegt sind und der Kontoinhaber an der Ladenkasse nur das Handy vor sein Lesegerät halten muss, um zu bezahlen.

Das ist ja … Revolutionär.

Schade nur, dass das Plastikkarten auch können.

Und zwar ohne diese Voraussetzungen: Bei Google Pay muss man Kunde der comdirect oder Commerzbank sein, demnächst der BW-Bank. Vielleicht auch bald einer anderen Bank. Man muss ein NFC-taugliches Endgerät haben (Hand auf Herz: sicher, dass ihr Smartphone den Standard unterstützt?) Apple Pay wird zunächst auch nur mit einigen Banken zusammenarbeiten, zunächst ist von der Deutschen Bank und N26 die Rede. Cool: Apple sperrt bisher den NFC-Chip für Zahlungsapps anderer Anbieter, die angesprochenen Sparkassen- und Volksbanken-Lösungen sind daher nur für Android verfügbar. So ist das halt, wenn eine Lifestyle-Unternehmen den Umsatz lieber selber machen will.

Übrigens: Kann ich denn per Handy-App an Geldautomaten auch Bargeld ziehen für die Einkäufe, bei denen ich leider noch Bargeld brauche? Nein? Muss ich dann etwa wieder auf Plastikkarten zurückgreifen, ergo die weiter mit mir herumtragen?

Weiterlesen →

6. September 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Die Lügenpresse-Saat der AFD

Die Lügenpresse-Saat der AFD

Eine Frau wird im Darmstädter Ortsteil Arheilgen erschossen aufgefunden – es deutet mal wieder alles auf ein verharmlosend genanntes „Familiendrama“ hin, für das die Bezeichnung „Frauenmord in der Tat zutreffender wäre. Man möge mal nach „Familiendrama“ googlen, es wird einem schlecht.

Auf jeden Fall: die Polizei macht ihren Job, die Presse, das Darmstädter Echo, auch. Dann:

Wenig später mussten sich Polizeisprecherin Kathy Rosenberger und anwesende Medienvertreter von einem älteren Mann Beschimpfungen anhören: „Ich bezahle viele Steuern, die Ihr Gehalt finanzieren, ich möchte mich davon überzeugen, dass Sie Ihren Job richtig machen und möchte mir ansehen, was hier los ist“, raunzte der Radler die Polizeisprecherin an. Ein anderer Passant beschimpfte die anwesenden Medienvertreter als „Lügenpresse“ und „Schmierfinken“, die sich „besser fortmachen“ sollten.

Wahrscheinlich aus diesen Gründen:

  1. Wenn ein Mord passiert, dann kann das nur ein Migrant gewesen sein.
  2. Die Polizei hält das unter der Decke, auf direkte Anweisung von Merkel
  3. Die Presse hilft mit und vertuscht
  4. Die AFD hat nämlich, trotz aller Lügen, die sie erzählt, recht. Rechter jedenfalls als alle anderen. Beispiel:

Screenshot Facebook Afd-Watch 6.9.18

Es ist eine Randnotiz, aber ich finde das beängstigend. Auf die Frage, was dagegen tun, habe ich noch keine Antwort.

 

Photo by Elijah O’Donell on Unsplash

31. August 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Sommerzeit: Bärendienst für die Demokratie

Sommerzeit: Bärendienst für die Demokratie

Die EU-Komission hat eine Online-Abstimmung zur Sommerzeit durchgeführt, beendet, und heute „Schlüsse“ daraus gezogen. Juncker so:

Er werde zuerst in der Kommission dafür werben und „das werden wir heute beschließen“, sagte er dem ZDF morgenmagazin. Dann seien die Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament am Zug. Es mache keinen Sinn, Menschen zu fragen, was sie denken, und das dann zu ignorieren. „Die Menschen wollen das, wir machen das.“

Die Teilzeit-Populisten aus Brüssel – sind sie noch zu retten?

Da soll jetzt eine Umfrage, an der 4,6 Mio. der rund 512,6 Mio. Europäer teilgenommen haben (wobei deren Identität nicht geprüft wurde) jetzt also „nicht ignoriert“ werden. Rund drei Millionen kamen angeblich aus Deutschland.

W.T.F.

Das ist ein Menetekel für die Demokratie, denn es wird jetzt nicht lange Dauern, bis die Vollzeit-Populisten mit einer gewissen Berechtigung fragen, warum denn das „Volk“ nicht gehört werde, wenn es um ernsthafte Fragen gehe – etwa, ob man Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lassen soll, Putin zum Ehrenbürger der EU ernennen soll oder die Monarchie einführen sollte. Oder, oder, oder. Man kann auch linke Fragen stellen: sollen globale Konzerne härter besteuert werden, die Griechen komplett entschuldet werden, oder ähnliches.

Die Grundsatzfrage: warum fragt ihr dann nicht bei anderen Dingen, ist auf einmal berechtigt!

Und das simple „Ja/Nein“-Muster doch sehr verlockend.

Direkte Demokratie, das wollen „wir“ doch alle?

Dass das nicht so einfach ist, hat der Brexit gezeigt, auch da glaubte mal jemand, mit Hilfe einer simplen Ja/Nein-Frage, ohne jede qualifizierte Mehrheit oder ein Quorum der abgegebenen Stimme etwas „demokratisches“ zu tun.

Wer direkte Demokratie ernsthaft als Säule stärken will, der muss es sich schon schwerer machen, wie etwa die Schweizer, bei denen Volksabstimmungen zwar das normalste von der Welt sind, das zugehörige Verfahren aber doch sorgfältig austariert ist. Die Aktion der EU-Komission dagegen zeigt die Pseudo-Demokratie von Ersatzhandlungen.

Das hilft niemanden. Noch nicht mal mir, der die Zeitumstellung nicht gut findet.

 

30. August 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Studies from Hell: Sozialwissenschaftliche Experimente nachgespielt

Studies from Hell: Sozialwissenschaftliche Experimente nachgespielt

Skepsis gegenüber Studien ist angebracht, das schreibe ich immer wieder, und jetzt gibt es dazu eine Untersuchung, die ich hier als Lesetipp verlinke: Evaluating the replicability of social science experiments in Nature and Sciencebetween 2010 and 2015. Der Spiegel-Artikel dazu:

Von den 21 sozialwissenschaftlichen Studien aus den Jahren 2010 bis 2015 aus „Science“ und „Nature“ ließen sich nur 13 replizieren, berichten Forscher im Fachmagazin „Nature Human Behavior“. Das entspricht knapp 62 Prozent. Im Umkehrschluss konnten die Wissenschaftler gut 38 Prozent der Studien nicht bestätigen.

Das ist in einer Art und Weise niederschmetternd, die den Sozialwissenschaften zu denken geben sollte, vor allem da auch Studien aus der Psychologie in einer anderen Untersuchung durchfielen:

 In der Psychologie hatten Forscher beispielsweise vor einigen Jahren 97 Studien aus anerkannten Fachjournalen nachgestellt, nur in 35 Fällen führte die Prüfstudie zu einem ähnlichen Ergebnis wie das Original.

Sheldon Cooper findet, dass Geisteswissenschaften keine echte Wissenschaft seien. Das geht vielleicht zu weit, aber …

 

 

Foto: Martin Fisch

23. August 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für „Nischt ins Gesischt“

„Nischt ins Gesischt“

Erfreulicherweise findet die Berichterstattung um die Vorkommnisse bei Dreharbeiten von Frontal21 breiten Raum – schon vergangenen Freitag schüttelte ich den Kopf ganz arg, musst angesichts der Tweets des sächsischen MP die Stirn runzeln und seit gestern, als klar wurde, dass der „das ist verboden“-Typ Mitarbeiter des LKA ist donnert mein Kopf noch auf die Tischplatte.

Hier die Aufarbeitung der Kollegen:

Der „ins gesischt“ gefilmte Mensch:

Und der Typ mit der „Anzeige wegen Beleidigung“

Man kann nur fragen: was geht ab in Sachsen? Haben wir uns mit Pegida & Co. abgefunden? Macht die #pegizei da mit?

Übrigens könnte diese „sie dürfen das nicht“-Haltung durch die Diskussion über digitale Aufnahmen, die durch die #DSGVO aufgekommen ist, befördert worden sein – schließlich wirbeln da jetzt „Erlaubnisvorbehalt“ und „Verbot“ wild durcheinander!

Zu kurz kommt in der Debatte übrigens ein wenig die Frage: wann dürfen Bilder angefertigt werden, und wann dürfen sie veröffentlicht werden? Das sind immerhin auch zwei getrennte Vorgänge.

Aber eigentlich habe ich diesen Blogbeitrag vor allem geschrieben, um die neue „embedding“-Funktion der ZDF-Mediathek auszutesten: in Webseiten oder Foren kann jetzt per HTML eingefügt werden, was in der Mediathek zu finden ist. Ich finde das gut.

 

Photo by Sven Scheuermeier on Unsplash

 

8. August 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Klimawandel – Für Springer kein Grund zur Aufregung

Klimawandel – Für Springer kein Grund zur Aufregung

Es ist ja schon viel geschrieben worden zur „herrlich“ „absurden“ Kolumne des immer mehr abdrehenden Ex-Berzirks-Bürgermeisters von Neuköln Heinz Buschkowsky. Hier, hier oder als Thread

Im Kern: früher war es angeblich die Atombombe, heute ist es der Fleischesser, aber das läßt sich einer wie Buschkowsky gar nicht erst einreden, nein, er weiß Bescheid.

Ihm Ignoranz zu unterstellen ist fast zu schwach.

Doch was wir Normalmenschen durchaus als Klasse-Sommer empfinden, ist angeblich der Niedergang des Planeten. So predigen es uns jetzt sich selbst so empfindende Experten.

Wir, die Normalmenschen. „Empfundene Experten“. Also Klimaforscher, Menschen mit Examen, wissenschaftlicher Arbeitsweise und Kenntnis. Alles Spinner, im Vergleich zu dem Mann mit der Wurst.

Buschkowsky kokettiert mit seiner intellektuellen Schlichtheit:

Also früher war am Klimawandel ja die Atombombe schuld. Das war einfach. Danach kamen die Autos und die alten Glühbirnen. Schon schwieriger. Dass es jetzt aber mein Kotelett sein soll – kaum noch zu verstehen …

Wenn er Dinge nicht vesteht – dann können die ja nur falsch sein.

Im Visier: die Veganer. Ganz schlimm.

Jetzt mal ehrlich: Es kann doch einfach nicht sein, dass man als ganz normaler Mensch für den Satz: „Was für ein schöner Sommer, heute Abend werfe ich ein Steak auf den Grill“ von den selbst ernannten Weltverbesserern gegrillt wird.

Rhetorisch alles richtig gemacht: Ehrlichkeitsanspruch, Aufrichtigkeit, Authentizität geheuchelt. Als „ganz normaler Mensch“ (ich würde bei Buschkowsky widersprechen wollen: die Menschen sind nicht so). Und angeblich wird er von „selbst ernannten Weltverbesserern“ gegrillt. Das überhöht den Hinweis darauf, dass Fleischkonsum keine gute Klimabilanz hat, auf einen körperlichen Angriff. Wie Gaga kann man sein.

Wer Springer liest und sich für BILD zu schlau hält, der landet dann bei der Welt. Dort gibt es, großartigerweise, einen Chefkommentator. Und auch der hat Buschkowskyhafte Qualitäten. Natürlich auf „gehobenem“ Nievau. Oder nicht?

Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Um die 40 Grad bei 95 Prozent Luftfeuchte sind in weiten Teilen Chinas die Regel. Auch viele Amerikaner können ein Lied davon singen, wie sich ein echter Sommertag anfühlt – ein Tag, an dem schon morgens der Dunst schwer über der Straße hängt, das Thermometer nachts kaum unter 30 Grad sinkt und die Hausmauern mittags so viel Hitze abstrahlen wie ein Backofen.

Deswegen nennt man die Gegenden, von denen er spricht, auch Subtropen. Schon mal von Klimazonen gehört? Hier eine Karte.

Doch so lässt sich der studierte Historiker und Sinologe nicht von eiskalten Klimaargumenten abbringen.

Immerhin erkennt er an:

manche deutsche Gegenden haben seit Ende April erstaunlich wenig Regen abbekommen.

Ach.  Es ist ja auch die Dürre, die schlecht ist für die Landwirtschaft, nicht die heißen zwei Wochen. Das haben viele Journalisten erstaunlich wenig verstanden. Krauel auch. Und in manchen Gegenden dürfte eine Formulierung wie „erstaunlich wenig“ auch sauer aufstoßen, „gar kein Regen“ seit April ist im Osten nicht selten.

Jetzt erinnert sich der Chefkommentator an vergangene Sommer, in denen es auch schön warm war. Er erinnert sich selig an die Sommer 1963, 1958 und auch an 1939. Grandiose Leistung.

Auch hier schlägt die intellektuelle Stärke zu:

Es hat Sommer gegeben, da regnete es im Juli bei zwölf Grad. Es hat Sommer gegeben, da konnte man kaum je die Windjacke ablegen.

Was könnte das bedeuten?

Und wer ist an der „Hysterie“ schuld?

Aber über 2018 klagt man mancherorts wie bei Weltuntergangspredigern. Er sei die größte Anomalität seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Wasser wird knapp. Der Meeresspiegel steigt. Esst vegan, sonst geht das immer so weiter.

Die Veganer! Buschkowsky lässt Grüßen. Diese ewigen Spaßverderber haben das doch bestellt.

Großzügig der Satz:

Es ist nicht falsch, Risiken zu benennen und zu bewerten.

Warum macht der „Chefkommentator“ das dann nicht?

Auf diesem Nievau können Frau von Storch, Herr Buschkowsky und Herr Krauel noch Jahre weiterkrakelen. Ich gehe davon aus, dass ihnen furchtbar egal ist, wie die Welt in 30-50 Jahren aussieht. Schade eigentlich. Jetzt warte ich noch auf die launige „die Veganer sind schuld“-Bilderstrecke bei Focus Online.

Immerhin: in der Welt auch dieser Artikel.

8. August 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Lokaljournalismus: Klimawandelfrage geklärt

Lokaljournalismus: Klimawandelfrage geklärt

Mein Lokalblatt hat zum Glück auch in einem Artikel zu den Überschwemmungen in meinem Wohnort nebenbei die Frage nach dem Klimawandel geklärt:

Ob die Unwetter Vorboten des Klimawandels sind? „Wir sind Überschwemmungen gewohnt. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Das gab’s schon immer“, sagt J. H. (Kürzung von mir) aus der Schloßstraße.

Danke, Lokaljournalismus.

27. Juli 2018
von Michael Scheuch
Kommentare deaktiviert für Nicht so einfach mit dem Wissen wissen

Nicht so einfach mit dem Wissen wissen

In der vergangenen Woche beschäftigte mich die Frage, ob es denn eine Chance gibt, Falschnachrichten und -informationen jemals wieder einzuholen. Das ist übrigens kein Problem, das durch das Internet verschärft wurde, eigentlich hat das Internet einen Beitrag dazu geleistet, dass häufig Fehler schneller erkannt werden müssten.

Vergangene Woche in meinem Lokalblättchen unter der Rubrik

 

Darmstädter Echo v. 21.7.18

findet sich ein launiger Beitrag von Malte Blumberg

Darmstädter Echo v. 21.7.18

in dem es um Innovationsfreude gehen soll, ein „mach einfach mal“ positiver Appell. Allerdings: hier wird wieder einmal von einem Journalisten die Geschichte von der Hummel, die nicht fliegen können sollte erzählt. Und die ist jetzt wirklich – falsch. Kurz gesagt: die Hummel ist nunmal kein Flugzeug. Nachzulesen:

Warum die Hummel fliegen kann – Wissen vor acht

Sind Hummeln wirklich zu dick zum fliegen? Spektrum

Der Mythos um die Hummel, die eigentlich nicht fliegen dürfte, es aber irgendwie doch tut, geht auf den französischen Entomologen Antoine Magnan zurück. 1934 verwies er in seinem Buch „Der Flug der Insekten“ auf Berechnungen des Mathematiker André Sainte-Laguë. Demnach könne eine Flugzeugtragfläche in der Größe eines Hummelflügels mit Hummelgeschwindigkeit nicht fliegen. Die Aussage stimmt bis heute. Nur haben Hummelflügel und Flugzeugflügel eben nicht viel miteinander gemein, außer eines: wie sie Auftrieb erzeugen.

Weiterlesen →