Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

14. April 2017
nach Michael Scheuch
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Deja vu – 0900 Abzocker

Über Jahre, ach was, fast Jahrzehnte begleitete mich die Abzocke mit kostenpflichtigen, so genannten „Mehrwertdienste“-Rufnummern in meiner journalistischen Karriere. Dubiose „Auskunftsdienste“, Dialer, 0190er-Fakes, WAP-Billing – die Liste der Beiträge, die ich dazu gemacht habe, ist ewig lang, und eigentlich war es immer dasselbe: skrupellose Abzocker betrügen Menschen, die Telefongesellschaften kassieren eifrig ab und verdienen so auch daran, und Rechtssprechung, Gesetzgeber und Regulierungsbehörde hecheln halbherzig motiviert hinterher. Wird eine „Lücke“ geschlossen, tun sich andere auf, und was früher „Regulierungsbehörde“ hieß und dann „Bundesnetzagentur“ wurde ist so ein bisschen hintendran.

Einer dieser Beiträge stammte aus 2011

Wir haben jetzt 2017. Erst jetzt entscheidet der BGH: Eltern müssen solche Rechnungen nicht tragen.

Der Junge wählte diesen Weg, rief die Nummer des Bezahldienstes an und kaufte über Codes des Spieleanbieters in 21 Telefonaten für 1250 Euro weitere Ausrüstung für seinen Kämpfer. Der BGH entschied nun im Gegensatz zu den Vorinstanzen, dass die Mutter für die Kosten nicht aufkommen muss.

Das Gericht verwies darauf, dass die Freischaltung der Zusatzausrüstung nicht unmittelbar im Spiel, sondern über die Freischaltung durch den Dienstanbieter erfolgt sei. Deswegen gelte eine gesetzliche Sonderregel im Telekommunikationsgesetz, wonach Telefonanschlussinhaber nicht haften, wenn ihnen „die Inanspruchnahme von Leistungen des Anbieters nicht zugerechnet“ werden kann.

Das hat lange gedauert, und die Begründung ist natürlich durch die Brust ins Auge. Aber immerhin raffiniert. Und schon 2011 stellte sich ja die Frage, warum ein Online-Spiel einen solchen Zahlungsweg anbietet, wenn es doch in großer Zahl Online-Zahlungsmethoden gibt. Natürlich nur, damit Kids ohne Zugriff auf Kreditkarte oder Paypal auch löhnen können.

So schön das Urteil sein mag: meinen Betroffenen von damals wird es nicht viel geholfen haben. Oder sie haben sich früh verglichen – im Grundsatz wundert es mich ein wenig, dass die Sache bis zum BGH ging, denn höchstrichterliche Rechtsprechnung haben die Anbieter bisher vermieden wo es nur ging – und sei es durch die Rücknahme von Klagen, außergerichtlichen Einigungen etc. Genau wie den Banken ging es häufig darum, gerade ein BGH-Urteil zu verhindern.  Weiterlesen →

1. April 2017
nach Michael Scheuch
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Och nö, Maingau Strom

Die Erfindung der freien Wahl des Stromanbieters war ein positives Deregulierungs-Ergebnis. Es war schon ein langer Weg bis zu einem einigermaßen geordneten Markt, und die Aufsicht könnte ein bisschen verbraucherfreundlicher sein. Allerdings muss der Verbraucher sich auch ertüchtigen, am Marktgeschehen teilzunehmen, und die Abgabe des gesunden Menschenverstandes bei sehr sehr günstigen Angeboten an der Garderobe gehört nicht dazu. Spektakuläre Pleiten wie bei Flexstrom oder Teldafax haben immerhin nicht dafür gesorgt, dass Menschen ohne Strom dastanden.

Ich wechsele jetzt zum wahrscheinlich 10. Mal den Stromanbieter. Im vorvergangenen Jahr ging es zu Maingau-Strom, einem durchaus regionalen Anbieter. Der wirkt seriös, vertrauenswürdig, und ich finde Kommunikation und Service tatsächlich gut.

Man will sich auch gerne ein bisschen von der Konkurrenz absetzen und hat für den Verbraucher wichtige Hinweise:

Bei der Suche nach günstigem Strom ist größte Vorsicht vor sogenannten Billigstromanbietern angebracht. Denn diese haben oft reine Lockangebote vorrätig, deren zu Beginn günstige Strompreise im Laufe der Zeit enorm steigen. Der Verbraucher erhält von vielen Billigstromanbietern also nur für kurze Zeit wirklich günstigen Strom, danach hat er im schlimmsten Fall sogar noch höhere Stromkosten als zuvor.

Stimmt schon.

Also habe ich einen Tarif abgeschlossen „Maingau Strom Smart Öko“ zu 0 Euro monatliche Kosten, 22,81 Ct/kWh. Alles gut.

Es kam, wie es kommen musste. Zum Ende der Preisgarantie kam die Preiserhöhung. Der Preis steigt, weiter ohne monatliche Kosten, auf 28,37 Ct/kWh. Übrigens in einem etwas zu wortreichen Schreiben aber immerhin klar kommuniziert. Das ist aber eine Preiserhöhung um 5,56 Ct/Min., das sind mithin rund 24,4 Prozent (!). Wow!

Also Preisvergleicher angeworfen und nach was Neuem gesucht – ohne Bonuszahlungen einzurechnen. Die nehme ich zwar gerne mit, weiß aber, dass bei hohen Bonuszahlungen ganz sicher nach Ablauf der Preisgarantie ein saftiger Zuschlag fällig wird. Weiterlesen →

20. März 2017
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Der Unterschied zwischen „Nachdenken“ und Journalismus

Es gab eine Zeit, da gehört die Lektüre der Nachdenkseiten durchaus zu meinen Gewohnheiten, denn tatsächlich kamen dort Autoren und Gesprächspartner zu Wort, die einen den journalistischen Mainstream und seine eigene Position überdenken ließen. Nicht alles war nachvollziehbar oder zutreffend dargestellt, aber Persönlichkeiten wie Heiner Flassbeck kamen dort vor und durften gegen die ökonomische Mehrheitsmeinung antreten.

Seit geraumer Zeit sind die Nachdenkseiten nicht mehr dieses Korrektivmedium. Was Jens Berger und Albrecht Müller inzwischen veröffentlichen, das bewegt sich im Bereich des platten Anti-Amerikanismus, Putin-Verehrung und der immer wiederkehrenden Behauptung, die Eliten steuerten via manipulierende Medien die Gesellschaft so, dass man von einer Demokratie in Deutschland und anderen Staaten gar nicht mehr reden könne. Ich muss das so platt formulieren, weil es sich am Ende um die Essenz der Existenz dieses Angebotes handelt. Um den Vorwurf des Anti-Amerikanismus zu entkräften wird dann sicher auf amerikanische Autoren verwiesen, die Amerika kritisch sehen, aber was bedeutet es denn, wenn man da die (immer selben) Stimmen zu Wort kommen läßt? Differenzierte Darstellungen sind die Sache der Nachdenkseiten nunmal nicht, und vielleicht ist man deswegen ja auch so beliebt.

Die Nachdenkseiten behaupten, sie würden das deutsche Mediengeschehen „hart kritisch“ begleiten, aber alleine die Wortwahl in vielen Artikeln läßt das „hart“ hinter sich hin zum verunglimpfend beschimpfenden Tiradenabsondern. Die sich auf Dauer allerdings ermüdend wiederholend lesen. „Inkompetenz“ „Kampagne“ „Unterdrückung“ „Manipulation“ zusammen mit „unerhört“ bilden die Satzfragmente, die immer wieder hervorgehoben werden müssen. Wie auf rechter Seite Herr Wisnewski sind „unterdrückte Nachrichten“ ein Lieblingsthema. Eine Karte, die immer dann gezogen wird, wenn die von Journalisten vorgenommene Einordnung der Relevanz eines Thema von den Machern der Nachdenkseiten nicht geteilt wird.

Ein Beispiel ist der Beitrag von Jens Berger Wikileaks veröffentlicht beunruhigende Daten über Hacker bei der CIA und niemanden interessiert es.

Die Überschrift ist natürlich auf ersten Blick Unsinn, denn dass die Veröffentlichung von Wikileaks „niemanden“ interessiert ist ja schon deswegen falsch, weil viele Medien brav berichtet haben. Doch Bergers Empörung kennt kaum Grenzen, so dass er BILD-typisch seine Sentenz mit einem Einzelwort beendet. Weiterlesen →

9. März 2017
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Haha. Fernsehen halt. Haha.

Verena Maria Dittrich schreibt regelmäßig TV-Kritiken. Seit 2013 ist sie freie Autorin bei n-tv.de. Und bei ihrem Versuch „was mit Medien zu machen“ im Genre „TV-Sendungen, Unterabteilung Nacherzählungen“ hängengeblieben. Das macht sie gut und gerne, auf jeden Fall scheint es ein nachgefragtes Angebot zu sein, wenn etwa unter der Überschrift Der Mumu-Verweigerer hat „das Crone“ eine Dschungelcamp-Folge nacherzählt wird. Es gab Zeiten, als dieses Format noch neu und kontrovers war, da habe ich solche Zusammenfassungen auch gelesen, um a. auf dem Stand der Small-Talk Themen zu sein und b. mir die langatmige Langweiligkeit der Originalsendung zu sparen. Heute ist das ganze kaum noch Gesprächsstoff in meiner Umgebung, und die Nacherzählungen sind sowohl bei SPON als auch bei n-tv in die pure Unverständlichkeit abgeglitten – in dem verzweifelten Versuch, das Dschungelgeschehen (oder den „Bachelor“, „Promi-Irgendwas“ und zur Not auch „Wer wird Millionär“) sprachlich aufzumotzen, tieferzulegen, zu tunen. Verena Maria Dittrich ist da an vorderster Front, was Experimente mit Sprache jenseits von Kommunikation angeht.

Knallplätzchen Hanka kletterte für die Vorspeise in einen Schlemmerbecher, wo sie mit edlem Ekelgedöns überschüttet wurde, angefangen von Fischabfällen, zerbröselten Hühnerfüßen und Schleim, über Kakerlaken, Mehlwürmer und vergammeltes Gemüse bis hin zu einer grünen Kotzlichkeit, die aussah wie Hulks püriertes Gehirn.

Aha. Kann ich mir noch zusammenreimen.

Und die hat La Loth selbstverständlich, denn nach dem Tätscheln von Terenzis Sixpack – uh la la – gerät sie ins Schwärmen: „Ich würde ihn nicht von der Bettkante schubsen, er ist ein schöner Mann.“ Neben heißen Flirts gibt es auf den letzten Poeng aber auch noch jede Menge Beef.

Schon rätselhaft. Kann man sich vorstellen, was es bedeuten muss, so etwas schreiben zu müssen? Und vorher die Sendung sehen zu müssen?

Okay, könnte ich sagen, kurios, womit sich manche Menschen ihre Brötchen verdienen. „Was mit Medien“ sicherlich, „was mit Journalismus“: eher nicht. Das merkt man jetzt vor allem an der Aufgabe, die Geschichte von Joko, Klaas, der Goldenen Kamera und Ryan Gosling wiederzugeben – indem man sich nur so halb interessiert gerade mal die zukünftig auslaufende Sendung Zirkus Halli-Galli ansieht. VMD mit Die ganze Wahrheit über das Gosling-Gate. Das Wort Wahrheit in einer Überschrift ist immer gewagt, aber auch noch die „ganze“?

VMD kommt nicht so recht aus ihrem Dschungelcamp-Duktus heraus:

Inzwischen ist bekannt, dass die beiden ProSieben-Knallchargen, Joko und Klaas das ZDF, allen voran die Verantwortlichen der „Goldenen Kamera“ nicht nur verhohnepiepelt, sondern um es im „HalliGalli“-Sprech zu sagen, sprichwörtlich „gefickt haben“

Hohoho. Das ZDF. Gefickt. Weiterlesen →

22. Februar 2017
nach Michael Scheuch
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Her mit dem Lagerwahlkampf

Dass in der Medienlandschaft allzuoft ein Gleichklang der Meinungen herrscht, das ist eine Klage der letzten Jahre. Die Leitmedien seien zu eng beisammengerückt, so dass die taz da schon mal neoliberal geschimpft wird und der FAZ sozialistische Anwandlungen unterstellt werden, oder zumindest ein so weiter Ruck in die Merkel’sche Mitte, dass es den Konservativen unheimlich wird.

Vielleicht ist das in Zeiten gesellschaftlichen Konsenses und Großer Koalitionen so. Aber jetzt haben sich die Vorzeichen verschoben. Und es ist schön zu sehen, dass da manch altes Klischee wiederbelebt werden kann. Etwa die schwarze Seele der FAZ. Zwei Beispiele dafür, dass man sich in Frankfurt wieder darauf besinnt, selbst mit kurzestmöglichen Gedankengängen die Reote-Socken-Kampagne in Gang zu setzen.

Da ist etwa Manfred Schäfers, der sich darüber echauffiert, dass die CDU/CSU-Fraktion den Vorschlag aufnimmt, die steuerliche Anrechenbarkeit von Managergehältern zu begrenzen:

Es ist unfassbar. Die Union lässt einen der wichtigen Grundsätze im Steuerrecht fallen wie eine heiße Kartoffel: das Nettoprinzip. Man besteuert den Gewinn, also Umsatz minus Kosten. Künftig will man in Gut und Böse trennen. Wo soll das enden? Sind die Millionen, die ein Vorstand verdient, schlechter als die Millionen, die ein Fußballer einstreicht?

Wow, Neid-Debatte in der FAZ, halt nur wenn es gegen Fußballer geht? (Ansonsten eher ein No-go) Dabei ist das alles nichts ganz Neues, etwa 2009 fand schon Horst Seehofer die Idee ganz gut. Und es ist, anders als beschrieben, nicht ungewöhnlich, dass die Möglichkeiten steuerlicher Anrechenbarkeit nicht am „Nettoprinzip“ scheitert. Etwa bei der Anrechenbarkeit der Bezüge von Aufsichtsräten,

Vergütungen, die eine Körperschaft an zur Überwachung der Geschäftsführung beauftragte Personen bezahlt (sog. Aufsichtsratsvergütungen), sind zur Hälfte für körperschaftsteuerliche Zwecke nicht abziehbar (§ 10 Nr. 4 KStG).

Für Einkommensteuerzahler ist die Berücksichtigung der Arbeitskosten bei haushaltsnahen Dienstleistungen begrenzt. Mit den Regelungen zur Abschreibung von Anlagen (afa) greift der Steuergesetzgeber ebenfalls in das Nettoprinzip ein. Also: geht das denn wirklich gar nicht? Ach was. Es geht. Aber immerhin ist es „unfassbar“.

Da ist Walter Hamm, „Autor und Berater der Wirtschaftsredaktion“, zudem aber seit 1988 (!) emeritierter Wirtschaftsprofessor, bis 2002 (!) „Mitglied und langjähriger Vorsitzender des Kuratoriums der FAZIT-Stiftung, der gemeinnützigen Gesellschaft, die über die ausschlaggebende Mehrheit der Anteile am Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verfügt und die als Hüterin der Unabhängigkeit des Blattes errichtet worden ist.“

An ihm ist die Zeit und sind die Diskussionen darüber, was der Kapitalismus und seine neo-liberale Ausgestaltung aus der Gesellschaft gemacht hat, und wie er zur Erosion seiner Grundlagen beiträgt, aber so was von vorübergegangen:

In der verfahrenen Lage kommt es jetzt darauf an, mit geeigneten Maßnahmen die Rahmenbedingungen für eine freiheitliche Ordnung zu verbessern, den nationalen und internationalen Wettbewerb zu stärken, mehr Selbstverantwortung einzufordern, kollektive Hilfe, wo immer möglich, abzubauen und mit wirksamen Anreizen eigene Anstrengungen zu belohnen. Wettbewerb ist das wirksamste Instrument, das mit dem Streben nach individuellem Vorteil eine bessere Leistung für die Allgemeinheit hervorbringt.

Fordert da wirklich jemand „kollektive Hilfe, wo immer möglich, abzubauen“ – willkommen im neoliberalen Wunderland. Wie diese Sichtweise unsere Demokratie und Gesellschaft geschädigt hat, das beschreibt ausführlich dieser taz-Artikel „Die Schuld der liberalen Eliten

Die Komplexität ökonomischer Dynamiken des von der Politik als alternativlos dargestellten Neoliberalismus gilt in Zeiten zunehmender Globalisierung den allermeisten Menschen als intransparent. Die Menschen sehen zwar, wie schnell sich ihre Lebenswelten ganz real verändern, aber die Ursache-Folge-Ketten bleiben ihnen oft verborgen. Aus dieser Ungreifbar- und Unbegreiflichkeit entsteht ein Bedürfnis nach leicht nachvollziehbaren Erklärungen

Und diese liefern Populismen aller Art. Also bitte.

Insgesamt gesehen: spannende Zeiten. Auch für die Medien, sich wieder auszudifferenzieren …

 

 

18. Februar 2017
nach Michael Scheuch
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Schwarzer Tag für CDU / CSU – und schlau eingetütet

Der vergangene Donnerstag (16.2.) kann als Tag des geschickten politischen Timings in die Geschichte eingehen, denn der CDU/CSU ist es tatsächlich gelungen, an diesem Tag drei Regierungsmitglieder in drei Untersuchungsausschüssen aussagen zu lassen. Das ist deswegen geschickt, weil an einem „normalen“ Nachrichtentag jede einzelne dieser Aussagen die Top-Schlagzeile gewesen wäre. Da es definitionsgemäß nur eine Top-Schlagzeile gibt, tja, da musste man sich entscheiden. Und „natürlich“ für die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel vor dem NSA-Untersuchungsausschuss.

Dass hier am allerwenigsten rumkommen würde, das war abzusehen. Der Auftritt der Kanzlerin, die von allem nichts oder viel zu spät gewusst haben will, war ähnlich lähmend wie ihr Auftreten inzwischen Allgemein wahrgenommen wird. Entsprechend auch die Bewertungen in der Presse (Zusammenfassung inforadio rbb). Etwa in der Süddeutschen:

Der NSA-Ausschuss blickt in einen Abgrund von Unwahrhaftigkeit – und der Blick auf den Boden des Abgrunds gelingt nicht, weil die Regierung vieles getan hat, um den Blick zu versperren. Die angebliche Aufklärung der Affäre begann mit der Lüge der Regierung Merkel II, dass man nun dabei sei, ein No-Spy-Abkommen mit den Amerikanern zu schließen, eine Art geheimdienstlichen Nichtangriffspakt. Solche Verhandlungen hat es, wie man heute weiß, nie gegeben.

Heribert Prantl ist sauer:

Man weiß nach diesen vielen Verhandlungstagen nicht, ob man lachen, weinen oder schreien soll.

Na gut, kein Wunder, das schmale schmale Ergebnis. Und schön die Schlagzeilen gemacht. Erfreulich aus Sicht der CDU ist sicher auch, dass das Thema dem gemeinem Wahlvolk ziemlich am Allerwertesten vorbeigeht, Snowden schon lange kein echtes Thema mehr ist und „das machen doch alle“ als Argumentationslinie gut verfängt. Und Merkel hat es geschickt vermieden, irgendeinen Satz wie „geht gar nicht“ loszulassen, den man ihr bei der nächsten Gelegenheit vorhalten könnte. „Glaubwürdiges Dementi“ als Strategie, indem Informationen von der Kanzlerin ferngehalten werden, kennen wir aus „Independece Day“ in Bezug auf den Präsidenten und die Area 51. Punktsieg CDU.

Am gleichen Tag, anderer Untersuchungsausschuss: Alexander Dobrindt darf sich die Welt so malen, wie er will. Im VW-Skandal darf er recht dreist Aussagen treffen wie, dass niemand seinem Ministerium etwas in Sachen tatkräftiger Krisenbewältigung vormachen könne (NOZ-Artikel):

„Keine andere europäische Regierung hat so eine Vielzahl von Messungen veranlasst.“

Tja. Und Konsequenzen daraus?

Dobrindt bekräftigte seine Forderung, die europäischen Vorschriften zu Abschalteinrichtungen der Abgasreinigung strenger zu fassen.

Das ist das praktische an dieser EU – dass man sie dafür verantwortlich machen kann, nix zu tun. Schließlich ist Deutschland ja auch kein wichtiger Player, der so etwas einbringen und durchdrücken könnte. Weiterlesen →

3. Februar 2017
nach Michael Scheuch
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Gute Vorsätze – think and share [Update]

So, Trump ist vereidigt und Theresa May hat das Brexit-Szenarion ein wenig konkretisiert.

Was tun?

Ein fester Vorsatz von mir ist: beim Teilen von Inhalten in Sozialen Netzen vorsichtiger zu sein, mehr nachzudenken und vor allem die Quellen noch mehr und mehr zu beachten denn je.

Warum? Weil ich fürchte, ein Opfer meiner Reflexe zu werden. Das betrifft Tweets wie diesen:


Denn er gefällt mir so gut.

Bevor ich zukünftig einen Inhalt teile, muss ich mir aber Gedanken machen: Stimmt das, was die Bilder suggerieren? Oder bin ich Opfer meines Wünschdirwas?

Eine Möglichkeit für eine Verfälschung des so genannten Bildbeweis: wurden beide Bilder zu vergleichbaren Stadien rund um die Inauguration aufgenommen, also zu vergleichbaren Uhrzeiten? Was ist die Quelle – kann ich sicher sein, dass diese keine Bildmanipulation vorgelegt hat? Ich muss also, bevor ich Retweete oder Share überprüfen: was weiß ich über diesen Inhalt wirklich?

Denn nur so gibt es eine Chance, gegen die „Lügenpresse“-Schreihälse und die Fans autoritärer Systeme anzukommen. Dabei dürfen in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten nicht viele Fehler passieren – denn jeder Fehler ist nur Wasser auf die Mühlen derer, die eine unfaire Kampagne gegen Trump, Le Pen, AFD oder „Die Besorgten Bürger“ und die „Schweigende Mehrheit“ konstruieren wollen.

In oben genanntem Beispiel hilft schon der Link zu vox.com sehr gut weiter, denn dort wird brav auch die Uhrzeit dazugesagt, zu der die beiden Aufnahmen entstanden sind. Hinzu kommt die Aufzählung weiterer Quellen, die die Behauptung stützen, dass nur vergleichsweise wenige Menschen an der Amtseinführung von Trump teilhaben wollten. Das ist vorbildlich.

But aerial shots of the National Mall from President Barack Obama’s 2009 inauguration and today show that isn’t likely. Here’s an image taken at about 11:30 AM ET in 2009: (..) And here’s what it looks like today as of 11:04 AM ET.

Beide Bilder versehen mit sehr ordentlichen Credits, und dann wird das daraus:

Montage: Vox.com http://www.vox.com/policy-and-politics/2017/1/20/14332462/photos-crowd-trump-inauguration-vs-obama?utm_campaign=vox&utm_content=entry&utm_medium=social&utm_source=twitter

Und auch die BBC geht einigermaßen sorgfältig den Behauptungen nach, dass Trump „unfair“ behandelt würde.

Und vorbildlich mal wieder der Guardian.

Allerdings sind das ja ganz schöne Hürden, bevor man Dinge weiterleitet oder shared. Aber die Mühe muss man sich machen. Sonst geht man unter gegen die „Social-Media-Profis“ der Dunklen Seite.

UPDATE 3.2.17: Stefan Niggemeier hat für uebermedien.de die Bildergeschichte tiefgreifender analysiert. Auch sein Fazit:

Es ist ärgerlich, wie fahrlässig viele Medien in dieser Sache agieren. Ich habe jetzt viele, viele traurige Stunden damit zugebracht, Livestreams durchzusehen, mich bei Google zu verlaufen, Bilder zu suchen und zu vergleichen. Denn an so vielen Stellen, wo Aufnahmen der beiden Amtseinführungen verglichen werden, fehlen diese elementaren Informationen: Wann genau wurden sie gemacht?

Entweder fehlen sie ganz, oder sie sind so vage und ungenau, dass man erst recht Verdacht schöpft – und teilweise scheinen sie auch falsch zu sein. Die Tatsache, dass es ein Foto gibt, das unzweifelhaft während Trumps Antrittsrede entstanden ist, geht dabei völlig unter.

30. Januar 2017
nach Michael Scheuch
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Alternative Fakten

„Mögest Du in interessanten Zeiten leben“ wird als chinesischer Fluch gehandelt, und sicherlich leben wir in interessanten Zeiten. Denn überm Atlantik hat ein Regime den Kampf um die Fakten und die Deutungshoheit aufgenommen, ohne Rücksicht auf Verluste. Und hierzulande sind viele Journalisten und Medien in berechtigter Aufregung darüber.

Mit „Alternativen Fakten“ haben wir es aber auch immer wieder hierzulande zu tun, kein Wunder, denn im September wird der Bundestag gewählt, und davon das ein oder andere Landesparlament, am Wichtigsten sicher das in NRW.

In einem Kommentar am 23.1. in der FAZ und verkürzt im Netz mahnt FAZ-Redakteur Reinhard Müller vor dem Erstarken der Rechtpopulisten. Online heißt es

 (Die „sprechende“ URL verrät übrigens, dass der Autor seinen gereckten Zeigefinger eigentlich nur der SPD hinstrecken wollte – WordPress-Besitzer, die nachträglich die Überschrift ändern, kennen das:

)

Zurück zum Thema. Müller kann nur schwer verstehen, weshalb Rechtspopulisten Zulauf haben, und sieht an und für sich Deutschland sicher gegenüber einer Trumpisierung, denn in Deutschland fehle es an den Voraussetzungen „eines solchen Siegeszugs“ nämlich einer „tief gespaltene(n) Gesellschaft und eine(r) skrupellose demagogische Führungsfigur.“

Es ist paradox: Der insgesamt recht große Wohlstand und die relativ geringe Ungleichheit, also die gesellschaftliche Stabilität, führt zum Ruf nach einem „Erwachen“ aus der angeblich gleichgeschalteten politischen Landschaft.

Hallo? Die relativ geringe Ungleichheit?

Die Zeiten, in denen geleugnet wurde, dass die deutsche Gesellschaft sich in einer bedrohlichen Schieflage befindet, sollten doch vorbei sein. Selbst in der FAZ, wenn auch nur in einem „Gastbeitrag“ ist das Thema doch angekommen:

In den letzten 15 Jahren hat sich nicht nur das Produktionsmodell in der deutschen Hochproduktivitätsökonomie verändert, es ist auch ein neues Proletariat in Deutschland entstanden. Die politische Maxime, jede Arbeit ist besser als keine Arbeit, hat zusammen mit dem Kostenreduktionsmodell der Fremdvergabe einfacher Dienstleistungen dazu geführt, dass 12 bis 14 Prozent der Beschäftigten in Dienstleistungsjobs ohne Aufstiegsmöglichkeiten und mit geringer Bezahlung tätig sind.

(Heinz Bude: „Die neue soziale Spaltung„)

Dass das DIW unter Marcel Fratzscher das Thema in den Ökonomen-Mainstream getragen hat, ist bemerkenswert. Und interessant zu sehen, dass zwar die Ungleichheit von anderen Ökonomen nicht wirklich bestritten wird, wohl aber dessen Auswirkungen – so sind es wohl nicht gerade die abgehängten Armen, die Trump gewählt haben (oder hierzulande AFD wählen). Allerdings ist kaum zu bestreiten, dass die Abgehängten eher gar nicht wählen gehen. Und das ist demokratietheoretisch eher bedenklicher als die Stimmabgabe für Populisten.

Auch wenn die Mahnung der OECD diskutiert wird, Deutschlands Vermögensverteilung sei ungerecht, dann geht es häufig darum, ob das denn wirklich so schlecht sei. Und nicht um die Tatsache an und für sich. (Darum geht es in dem reißerisch betitelten Artikel der FAZ „IW Köln widerlegt OECD Studie zu Ungleichheit“.  Widerlegt wird nicht die Feststellung der Ungleichheit bei Einkommensentwicklung und Vermögen, „widerlegt“ wird die Annahme, dass das Wirtschaftswachstum kosten könne. Dass es die Zustimmung zu demokratischen Parteien und zum Wirtschaftssystem an sich kosten könnte, war nicht Gegenstand des Interesses des arbeitgebernahen Instituts

Je nach statistischer Schätzmethode lasse sich für Deutschland sogar ein positiver Zusammenhang zwischen steigender Ungleichheit und dem Wirtschaftswachstum zeigen, legte Hüther dar.

Hier tauchen wir aber tief ab in die Ökonomen-Trickkiste.)

Hier nochmal ein Überblick zum Thema Ungleichheit und mangelnde Aufstiegschancen.

Zurück zu „Alternative Fakten“. „Relativ geringe Ungleichheit“ attestiert Müller in seinem Meinungsartikel zu Populismus. Man darf sich nichts vormachen: wer es nicht einmal schafft, die Ausgangslage richtig dazustellen, der wird keine Rezepte gegen Populismus finden. Journalisten müssen ihr Weltbild immer mal wieder in Frage stellen – das gilt auch für diejenigen, die ausschließlich soziale Ungleichheit unter der Prämisse des berühmten dramaturgischen „immer mehr“ betrachten.

16. Dezember 2016
nach Michael Scheuch
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#keingeldfürrechts und die Heuchelei der FAZ

Ist es denn nicht die banalste Weisheit der liberalen Welt, dass Unternehmen alleine entscheiden können, ob, wie und bei welchem Werbeträger sie Reklame für ihr Geschäft machen? Oder gibt es jetzt eine Vorschrift, nachdem sie ihre Werbetöpfe gleichmäßig über alle Plattformen auszustreuen hätten? [Hintergrund ist die Aktion #keingeldfuerrechts, bei der ein Werbe-Stratege Firmen empfahl zu überlegen, ob sie auf Seiten wie „Breitbart“ wirklich werben wollen – was Kellog’s wohl nicht mehr tun mag. Ein Taz-Artikel hier. Mit erschreckenden Einblicken in die Wirkmächtigkeit der Broders und Tichys dieser Welt – wir brauchen kein Breitbart hierzulande, alles schon da.)

Den Eindruck bekommt man, wenn man den FAZ-Artikel von Michael Hanfeld „Wirb nicht bei den Schmuddelkindern“ liest – das sind ungewohnt sozialistische Töne für das Blatt. Okay, die Begründung lautet:

Ein Werbeboykott ist übrigens nicht nur ein Mittel gegen vermeintlich gefährliche (Meinungs-)Blogs und Netzportale, sondern vor allem gegen kritische Presseberichterstattung. Wer auf so etwas setzt, erst recht als Stratege einer Werbeagentur, bringt wirtschaftliche Macht gegen die Meinungsvielfalt und die Pressefreiheit in Stellung.

Wow. „kritische Presseberichterstattung“ „Meinungsfreiheit“ „Pressefreiheit“ in Gefahr, wenn Unternehmen von ihrem Recht Gebrauch machen sollten, keine rechten Krawallmacher zu finanzieren. (Bei Tichy gab es schon Fake-News bevor es den Begriff gab)

Den hehren Anspruch würde ich Hanfeld vielleicht abnehmen – wenn er denn irgendwann mal bemerkt hätte, dass das alles nichts Ungewöhnliches ist. Was etwa ein Blick in die taz verrät, die ich Wochenends abonniert habe: denn da sieht man den Werbeboykott. Unmengen an Firmen haben entschieden, in der taz nicht zu werben – denn Anzeigen veröffentlichen würde die taz schon machen wollen (wie die Bundeswehr-Werbung plus zugehörige Debatte gezeigt haben).

2,3 Millionen Euro hat die die taz im Jahr 2014 an Erlösen durch die Veröffentlichung von Anzeigen eingenommen. Eine ganz schöne Menge, wenn man bedenkt, dass allein die Position Redaktionskosten, in denen Text- und Bildhonorare, Reise- und Agenturkosten undsoweiter addiert werden, im selben Zeitraum 2,7 Millionen Euro betrugen.

Ganz schön wenig, wenn man feststellt, dass damit der Anteil an den gesamten Umsatzerlösen nicht einmal 9 Prozent beträgt. Und erst recht, wenn man diesen Anteil ins Verhältnis setzt zu den marktüblichen 33 Prozent*. Wir spüren dies Monat für Monat an den traditionell niedrigen taz-Gehältern, die wir uns auszahlen können.

Hat denn jemals die FAZ die Beschneidung der Möglichkeit „kritischer Presseberichterstattung“ „Meinungsfreiheit“ „Pressefreiheit“ durch den Werbeboykott gegen die taz beklagt?

Also.

Fragt sich dann, warum die FAZ  glaubt, für die Einnahmen der kruden Publikationsplattformen achgut und tichyseinblick in die Bresche springen zu müssen.

Muss ich nochmal drüber nachdenken.

 

Übrigens kaufe ich auch deshalb gerne bei Fielmann, weil die Kette seit Jahren schon ihre Anzeigenkampagnen ganz selbstverständlich auch in der taz schaltet.

 

 

marfis75 on flickr

9. November 2016
nach Michael Scheuch
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Deja Vu und wieder eine neue Welt

Ich hatte das in diesem Jahr schon einmal. Eine Abstimmung, man geht ins Bett und wacht in einer anderen Welt auf. Diesmal ist es der vorhergesagte klare Erfolg für Hillary Clinton, der sich dann doch in einen klaren Erfolg für Donald Trump verwandelt. Und wieder ist das Vertrauen in die menschliche Intelligenz, das demokratische System, die Aussagekraft von Umfragen und die Einschätzung kundiger Beobachter des politischen Prozesses tief erschüttert.

Was nicht so schlimm wäre. Immerhin haben das andere kluge Menschen auch kommen sehen. Etwa dieser Michael Moore. Ganz überrascht kann ich also nicht tun …

Es gibt aber ein paar Gedanken, die sich jetzt im mir breit machen, vor allem nach den Post-Brexit-Erfahrungen.

    • Es wird ein „Weiter so“ geben. Nach dem Brexit-Votum haben viele gesagt, getan, geschrieben als müsse man jetzt „endlich“ mal ganz neu an die europäische Frage, die europäischen Institutionen und alles mögliche herangehen. In Wirklichkeit haben aber eigentlich alle, die ich wahrgenommen habe, danach nur gesagt und geschrieben, was sie vorher auch gesagt und geschrieben haben. Das gilt für die Europapolitiker von Juncker bis Schulz, die als Antwort eigentlich nur ein engeres, schnelleres, effektiveres Zusammenwachsen hatten – eigentlich dieselbe Position wie zuvor. Die EU-Zerstörer sahen sich eh bestätigt und sagen „Weiter so“. Und das gilt aber auch auf der Seite der linken Europakritiker – von Linkspartei bis Nachdenkseiten, eigentlich wurde dann auch wieder nur alles gesagt und geschrieben, vielleicht ein bisschen verbalradikaler. Und alle, wirklich alle Seiten, legitimierten das durch den Brexit. Doch wenn alle sagen, ein „Weiter so kann es nicht geben“ und dann einfach weitermachen, ohne auch nur ein Jota die eigene Position zu überdenken – dann passiert eben nichts. Das „Weiter so kann es nicht geben“ richtete sich immer an „die anderen“. Tja, und da stehen wir jetzt. Übrigens wird sich das in den „Brexit heißt Brexit“-Verhandlungen auch zeigen: bewegen müssen sich immer die anderen. Das wird ein Spaß.
      Die liebe Sahra Wagenknecht macht schon mal vor, wie das so geht:

Es könnte sich zu einem lustigen Mythos wandeln, wenn man davon ausgeht, dass Bernie Sanders gegen Trump bessere Chancen gehabt hätte – ganz ehrlich: das ist doch eher unwahrscheinlich. Ja, in den Städten hätte Sanders ein paar frustierte Junge mehr geholt, aber die Mobilisierungsrate bei den Konservativen hätte nochmal gesteigert werden können – wenn man noch die Angst der Amis vor dem Sozialismus einpreist.
Und jetzt darüber zu mäkeln, dass die Demokraten ihn nicht aufgestellt haben – ich weiß noch, wie im Frühjahr das amerikanische Vorwahlsystem völlig überraschend von den Linken als die beste aller Welten gepriesen wurde  – nur ist da halt auch nicht das Ergebnis bei herausgekommen, dass sich die Linken gewünscht haben. Also doch ein Scheißsystem. Und natürlich gilt jetzt: die Sozis müssen sich bewegen, nicht wir. Das Ganze garniert von unvermeidlichen Volker Pispers, von dem ich allerdings nicht weiß, wie viele Tage des letzten Jahres er in den USA verbracht hat und wie viele Menschen er dort gesprochen hat (und von wann diese Grafik ist). Der Beitrag aus europäisch-linker Perspektive erklärt gar nichts. Er ist die lautmalerische Darstellung von Statistiken, aber die können in die Irre führen. Ein bisschen näher gekommen bin ich diesen unverständlichen Menschen durch diesen taz-Artikel, der ja zu Recht für große Aufmerksamkeit gesorgt hat. Übrigens scheint es ein Mißverständnis zu sein, dass die Armen und Abgehängten Trump gewählt haben, etwa die Gruppen, die Wagenknecht sieht. Die Exit-Polls zeigen da ein anderes Bild, auch wenn das vorläufig ist (zu Income scrollen). Das selbe Mißverständnis erfüllt übrigens die Analysen der Erfolge der AFD in Deutschland.

  • Es scheint eine wunderbare Lust am Untergang zu geben. Wenn sich die Wirklichkeit den Weltuntergangs-Blockbustern aus Hollywood annähert, dann schaut man angegruselt zu. In der Hoffnung, wie im Kinositz und auf dem Sofa betrifft das dargestellte nicht das eigene Leben. Dazu passt der Kommentar von Tim Klimes:

  • Haben wir uns, habe ich mich nicht schon damit abgefunden, dass im kommenden Jahr Marie Le Pen in die Stichwahl um die französische Präsidentschaft kommen wird? Und wer sagt denn heute ernsthaft, dass sie keine Chancen hat, Präsidentin zu werden? Ja, die beschwichtigenden Stimmen. Aber wir haben hier zwei beispielhafte Ereignisse, die durchaus auch eine Sogwirkung entwickeln können.
  • Und wir und ich haben uns auch damit abgefunden, dass die AFD im nächsten Bundestag sitzen wird – aber wie stark? Stärker als die beiden jetzigen Oppositionsparteien? Zusammen? Ach nein, ach was? Wirklich? Und anscheinend gibt es auch hier das“Weiter so“. Wenn mir als erste Reaktion einfällt, ob es denkbar ist nach Irland auszuwandern, was bedeutet das?

Und wie ich das jetzt wieder meinen Kindern erkläre …