Nachdenkseiten ohne nachzudenken

Die Nachdenkseiten sind sicherlich ein wichtiger Sammelpunkt einer Art „Gegenöffentlichkeit“, auch wenn vieles dass da zitiert und verlinkt wird aus den vielgescholtenen konventionellen Medien stammt. Vieles auf den Nachdenkseiten ist vom immer gleichen: „Gesetzliche Rente=gut“, „Konjunkturprogramme=gut“, „Mehr Staat=gut“ usw usf. Die Wahrnehmung der Realität wird durch diese Brille gesehen, aber das ist ja in anderen Ecken des Netzes und auch der althergebrachten Medien ebenso.

Allerdings bedeutet das auch, dass es dort ebenso nervt wie bei den Konservativen, Wirtschaftsliberalen, Linken, Rechten.

Ein Beispiel für die Art und Weise, wie die Nachdenkseiten manchmal nachdenken ist die Kommentierung eines TAZ-Artikels, der mir auch aufgefallen war:

http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=wu&dig=2009%2F01%2F16%2Fa0106&cHash=ccc4b1e1b1&type=98

In diesem heißt es im letzten Absatz:

„Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wird sich wohl ebenfalls über einen weiteren warmen Geldregen freuen dürfen. Bereits im Dezember wurden ihr 430 Millionen Euro zusätzlich versprochen, die sie in diesem und im kommenden Jahr auf den Kopf hauen kann. Eine stolze Summe angesichts der Tatsache, dass es in ganz Deutschland gerade noch 3.800 Binnenschiffe gibt, die 80 Prozent ihrer Transporte auf dem Rhein abwickeln. Doch die mit 13.500 Beschäftigten völlig überdimensionierte Wasser- und Schifffahrtsbehörde baut fleißig weiter Wasserstraßen aus, auf denen fast nie ein Kahn fährt.“

 Das kommentieren die Nachdenkseiten so:

 Gut, bis auf dieses hier [Der og. Absatz wird zitiert] Das könnte man doch ändern – mit einem politischen Projekt, mehr Güterverkehr nicht nur auf die Schiene, sondern auch auf die Wasserwege zu verlagern.

Also das Schema: „Mehr Staat=gut“. Reflexhaftig. Denn mit den Argumenten für oder gegen mehr Binnenschifffahrt auf allen Kanälen hat man sich da nicht auseinandergesetzt, und gerade der BUND gehört zu den großen Kritikern des Ausbaus der Binnenschifffahrt. Infos gibt es auch beim VCD, ebenfalls eines Lastwagenlobbyismus unverdächtig. Auf der Fairkehrsseite heißt es:

Umweltfreundliches Binnenschiff?

Der Gütertransport per Binnenschiff ist mit dem positiven Vorurteil der Umweltfreundlichkeit besetzt. Eine Untersuchung des Umweltbundesamtes zum Energieverbrauch und Kohlendioxidausstoß von Binnenschiffen im Vergleich zur Bahn zeigt allerdings, dass an dieser Stelle umgedacht werden muss.

Verglichen wurde der Transport von 2500 Tonnen Warenmenge für die Strecken Hamburg–Berlin, Duisburg–Mannheim, Mannheim–Basel (und zurück). Primärenergieverbrauch und Kohlendioxidemissionen wurden für die Bahn mit 100 Prozent angesetzt. Verglichen damit ergab sich für ein 1200 Tonnen-Schiff ein Primärenergieverbrauch von 200 und ein CO2-Ausstoß von 263 Prozent. Ein 2500 Tonnen-Schiff verbrauchte 186 Prozent Primärenergie und lag bei 245 Prozent der vergleichbaren CO2-Emissionen.

Besonders eklatant fiel der Unterschied bei den emittierten Stickoxiden aus: Hier lagen die Binnenschiffe noch über dem Ausstoß von Lkw, nämlich bei 129 Prozent. Verglichen mit der Bahn emittierten sie 1593 Prozent Stickoxide (Bahn = 100 Prozent).

„Das Durchschnittsalter der Binnenschiffe beträgt derzeit 51 Jahre, das der Motoren 36 Jahre“, sagt Winfried Lücking vom BUND. Die Vorstellung vom umweltfreundlichen Binnenschiff, sie gehört wohl ins Reich der Legenden.

http://www.fairkehr.de/magframeset.html?fair_0205/titel/fluss.htm

Es zeigt sich, dass der Nachdenkseiten-Reflex nach „dann muss man das halt per Gesetz machen“ manchmal Primat vor dem Nachdenken gewinnt.