Wie er die Welt sieht

Subjektive Realitäten überall

Kurzanmerkungen zur TV-Zukunft

Es sind immer mal wieder die Kollegen von dwdl, die Finger in Wunden legen.

Woran liegt es, dass uns vom goldenen Zeitalter erzählt wird und es sich doch in Deutschland so gar nicht danach anfühlen will? Die Antwort ist möglicherweise so banal, dass es weh tut. Weil wir in Deutschland seit Jahren die Zeit damit vertrödeln, uns mit der Verbreitung von Fernsehen zu beschäftigen – statt über Inhalte zu reden. Gemeint ist insbesondere die Debatte innerhalb der Branche. Die diskutiert mit Vorliebe über Rechte-Fragen, Verbreitungswege und Verwertungsfenster. Wir diskutieren darüber, ob für das Web anders produziert werden muss als fürs Fernsehen. Wir diskutieren alles zu Tode und gerne immer wieder in gleicher Besetzung.

Es geht um das angebliche zweite Goldene Zeitalter des Fernsehens überall rund um uns herum. Das gibt es übrigens wirklich, wie mir Downloads und DVD-Sets verraten. Ich gehöre doch selber zu denen, die ihr TV-Programm schon ganz lange nicht mehr an der Programmierung der Sender ausrichten, sondern an eigener Befindlichkeit und Aufnahmefähigkeit, dem Bedürfnis nach Zerstreuung und Ablenkung. Im Augenblick mit THE GOOD WIFE, CASTLE und BIG BANG THEORY in einer kleinen Rotation.

Doch welche deutschen Serien schaffen es in meine Playlist? Da war MORD MIT AUSSICHT. Toll. Da dauert es Jahre, bis neue Folgen gezeigt werden. (Hier lesen und ärgern) Dann gibts noch den TATORTREINIGER. Ebenfalls ein Trauespiel, dieser „Produktionsrhythmus“). FRÜHSTÜCKSFERNSEHEN, ein One-Shot. Früher habe ich LIEBLING KREUZBERG und EDEL&STARCK gern gesehen.

Soweit, so Mist. Und Abhilfe?

Ein deutsches BREAKING BAD wird angekündigt. Das will ich gar nicht! Mir würde ja irgendwas Einfallsreiches, das kein Krimi ist (!), genügen. Etwa

  • Ein deutsches GOOD WIFE, oder BOSTON LEGAL, oder auch ALLY MCBEAL – eine schlaue Anwaltsserie. DANNY LOWINSKY war es leider nicht, EDEL & STARCK dagegen schon. Eine schlaue Anwaltsserie. Ohne Krimitouch!
  • Ein deutsches BATTLESTAR GALACTICA, BABYLON 5 oder irgendwas Phantastisches, von mir auch aus deutsche X-FILES, TORCHWOOD, FRINGE, GAME OF THRONES, GRIMM. Feige schreckt man aber immer wieder selbst vor der Idee zurück RAUMSCHIFF ORION zu re-booten. Da gäbe es übrigens noch DIE TERRANAUTEN und all die Romane von Andreas Eschbach und Kai Meyer, die man ausschlachten könnte. Phantastisches funktioniert in der deutschen Gegenwartsliteratur gut. Und, Leute: Special Effects sind a. nicht alles und b. längst nicht mehr so teuer wie früher.
  • Schräge Sachen wie LILYHAMMER oder die Family-Soap SOPRANOS, wo Genres kollidieren und neu aufgemischt werden. Um Himmels willen keine weiteren Lokalkrimis. (Gibt es auch in Print viel zu viele …)

Ich bin da skeptisch. Christian Ulmen hat im neuen JOURNALIST ein interessantes, offenes Interview gegeben, es geht um WebTV und seine Firma. Und vielleicht auch darum, warum wir hier so viel Mist haben.

Mir geht es ja nur um die Freiheit. Ich will mich nicht mit Redakteuren darüber streiten müssen, ob ich als Hauptdarsteller rasiert bin oder nicht. Ich will mit den Autoren arbeiten, und da kommt dann nicht noch ein Redakteur dazu, der alles, was man sich ausgedacht hat, über den Haufen wirft. Das ist meine einzige Motivation.

Ich bin übrigens mal gespannt, ob es Krimis sein werden, die den   BERGDOKTOR FORSTHAUS FALKENAU oder den LANDARZT ersetzen – denn dann hätten wir das Minibiotop Serie ein weiteres mal monokulturisiert.

[Update 09.10.2013]Fehlerkorrektur[/Update]

2 Kommentare

  1. Ich finde, „Der Dicke“ war eine gute Anwaltsserie. Auch „Bloch“ war eine tolle Serie, beide aber ohne den leider verstorbenen Dieter Pfaff für mich nicht mehr vorstellbar.

    Unterhalten hat mich auch Danni Lowinski, aber zugegeben auf einem niedrigeren Niveau. Der Tatortreiniger ist großartig, aber ich gebe Dir in allen genannten Fällen recht: Das Warten auf neue Folgen dauert zu lange, und wenn sie dann kommen, dann so sang – und klanglos, daß man es oft gar nicht mitbekommt.

    Eine wirklich niveauvolle Genre-Serie, egal ob SF, Superhelden oder was völlig anderes, das wäre schon toll. Bis dahin wäre ich aber auch durchaus zufrieden, wenn gute fremdsprachige Serien schnell ins Programm genommen und dann auch konsequent gezeigt würden, ohne panikartige und planlose Veränderungen des Ausstrahlungsrhythmus und des Sendeplatzes.

  2. Hmm, DER DICKE kam bei mir wegen des dämlichen Titels nie wirklich auf den Schirm, Bloch waren pro Jahr zwei Fernsehfilme, also irgendwie keine Serie.
    Stimmt, klang- und Sanglos werden die neuen MORD MIT AUSSICHT-Folgen sicherlich im Wiederholungsmarathon erstmal untergehen. Die Methode, aus diesem Erfolg dann die HEITER BIS TÖDLICH Vorabendkrimis zu machen, hat dann ja auch nicht richtig funktioniert.

    Tja, und wie schlecht die US-Serien von deutschen Sendern behandelt werden – siehe Castle Staffel 5 bei Sat 1 – das hat leider unselige Tradition. Kürzungen, verfremdende Synchro, Episoden weglassen (FÜR ALLE FÄLLE FITZ), an verschiedenen Sendeplätzen mit kurzfristigen Programmänderungen platzieren (SOPRANOS, BATTLESTAR GALACTICA). Der Beispiele gibt es sooo viele.