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Der Online-Journalismus ist kaputt

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[Update 24.2.2014] Dazu passt sehr schön diese Wutrede, die Andreas Grieß im Rahmen der Social Media Week in Hamburg gehalten hat.[/Update]

Ach.

Will man da in loriot’schem Tonfall antworten. Ganz was Neues. Unglaublich. Nicht?

Also: neu ist das nicht. Aber was ist das schon? Aus dem Nachrichtengeschäft weiß man: es gibt nichts Neues. Nur neue Meldungen, Permutationen von Bekanntem und Themenzyklen. Was halt gerade in redaktionelle Filterblasen eindringt oder von Oben als „Wow, da sollte man mal was zu machen“ markiert wird.

Doch zurück zum Thema: Online-Journalismus.

Was ich richtig witzig finde, dass sind die Klagen, dass diese jungen Nachwuchjournalisten am liebsten Print machen könnten. Dabei wird doch konstatiert, dass Print keine echte Zukunft habe, auf jeden Fall im Schrumpfungsprozess oder gar schlimmstenfalls im Freien Fall sei. So gerade wieder hier im Jakblog. [Dass mir das Theme gefällt kann ich nicht behaupten.]

Nach wie vor ist es für Jung-Journalisten nicht sonderlich erstrebenswert, irgendwas mit Online-Medien zu machen. Man darf wetten: Selbst wenn man die Frage um die Online-Medien erweitert hätte, sie wären vermutlich ganz am Ende der Skala gestanden. Was im Übrigen einen hübschen Widerspruch illustriert: Nirgendwo treiben sich junge Medienkonsumenten mehr herum als im Netz. Für den Rest gilt (frei nach Tocotronic): Aber hier arbeiten, nein danke.

Ja, das ist so.

Am gleichen Tag benennt Mario Sixtus im Tagesspiegel die eine Seite des Problems: die Angebote von Huffpo bis DWN oder Vice.

Das Internet ist ein quasi-unendlicher Raum und die oben aufgeführten journalistischen Totalversager wären keine Erwähnung und kein Kopfschütteln wert, wären sie nicht erfolgreich in ihrer Niveau-Vernichtungs-Strategie: Facebook und Twitter sind voll von Links auf deren oft geradezu groteske Artikel (..)

Das alles sehen Nachwuchsjournalisten.

Und auch das, was die Kollegen in den Internetauftritten auch etablierter Publikationen machen (müssen) – die reden dann gerne von „Qualitätsjournalismus“, aber das ist ja eher eine Nebelkerze als irgendein sinnvoller Begriff. Die andere Seite des Problems.

Etwa das Internet-Genre der „Fernsehabendnacherzählung“ – da werden Mittelstufenfähigkeiten abgerufen, den Ablauf von Talkshows oder Krimis wiederzugeben. Wenn’s hochkommt wird dann noch sehr freihändig das Urteil „hat nichts Neues gebracht“ eingestreut, als würde das dem Format auch nur annähernd gerecht werden.

Und dann ist frühmorgens (man will ja der Erste sein, oder man war der Letzte Abends, der noch getippt hat) niemand da, der Korrekturlesen kann oder will. Und so kommt man dann mit diesen vielen Fernsehsendern auch mal gerne durcheinander:faznetfrühkritikAch. Immerhin dann nach geraumer Weile die Korrektur:

faznetfrühkritik2

 

Ganz schlimm war es dann für einen Kollegen, der sich Maischberger ansehen musste – bis zum Rande der Erschöpfung, so scheint es:

faz2faz4

 

faz5

faz1

Und da ist jetzt nicht der arme Kollege dran schuld, sondern Strukturen, die es erlauben, solche Tippfehler nicht auszumerzen. Dass ich hier keinen Korrekturleser im Blog habe, das wird schon aufgefallen sein. Aber das hier ist nur so ein Blog und nicht faz.net.

Zur hohen Kunst des Online-Journalismus gehört auch die Bild(strecken)auswahl. SPON ist da gerne mit dabei.

Wie könnte das Lead-Foto auf der Artikelseite zu diesem Teaser aussehen?

spon3

Natürlich so:

spon1

Da hat man mal die Teilnehmerliste und das Wort Sexy gegoogled und dann mal Marina Weisband, wahrscheinlich auf einem Parteitag geschossen, eingeklinkt. Ist ja schön, mal das Bild von einer Frau zu haben, die nicht hochgeschlossene Oberteile trägt.

Scheint dann aber jemandem aufgefallen zu sein, Stunden später dann dieses Aufmacherfoto, das wenigstens was mit der besprochenen Talkshow zu tun hat …

spon2

Und das sind ja nur zwei Beispiele für ganz viele Sachen, die im Online-Journalismus schiefgehen. Zurück zum oben zitierten Blog-Beitrag: es ist gar kein Wunder, dass eine Generation, die vor allem das Internet als Informationsquelle nutzt davon träumt, dass es auch noch anderen Journalismus geben muss und den dann bei Print vermutet. Vermutet, denn natürlich gibt es auch ebenda eine scharfe Qualitätsdebatte. Vielleicht ist es aber auch nur eine Abwägungssache, welchem Medium man die größeren journalistischen Potentiale zutraut. Mit den neuen Angeboten, die Mario Sixtus zeichnet, wird das Zutrauen zur schönen, neuen digitalen Welt nicht größer.

Vielleicht wäre es gut mal nachzufragen, warum junge Menschen Journalisten werden wollen. Und welche journalistischen Leistungen sie besonders beeindruckt haben. Dann wird sicher auch klarer, warum Online so unbeliebt zu sein scheint …

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