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ARD vs. Trump – Ein nachtragender Nachtrag [Update 1.6.]

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Also wirklich. In meinem etwas unklar betitelten Blog-Beitrag und bei Uebermedien ging es um die Frage, welche Aussagekraft hat denn die Meldung, die ARD schlage mit negativer Berichterstattung zu Trump renommierte amerikanische Medien und die BBC aus dem Feld: 98 Prozent der Berichterstattung seien negativ gewesen.

Dabei wurden die angeblich „neutralen“ Berichte einfach mal weggelassen.

Soweit haben, mehr oder weniger, die großartig berichtenden deutschen anderen Medien auch entweder ihre Berichterstattung „ergänzt“ oder auch nicht.

Etwa die WELT (Achtung, wer dem Link folgt, den springt ein Video inkl. Ton an. Das ist so hassenswert.)

In einer immerhin zweiten Korrektur haben sie nicht nur diesen Fehler korrigiert, sondern auch noch die Frage, was denn die angebliche Studie so als „negative Berichterstattung“ auffasst.

„Die Studie erfasste nicht nur journalistische Bewertungen von Trumps Politik, sondern auch vorgeblich aus Trumps Sicht ungünstige Nachrichten (z.B. fallende Umfragewerte oder gescheiterte Gesetzesvorhaben) oder etwa Berichte über Kritik von Seiten der Opposition als „negativ im Ton.“

Genau. Der journalistisch neutrale Bericht über die Kritik auch von Republikanern am Versuch, Obamacare zu beseitigen, ist schon „negativ“.

Die Aussagekraft der Studie: Nahe Null. Oder nicht ganz.

Bei Meedia „Keiner berichtete negativer über Trump als die ARD“  Transparent wurde hier nicht korrigiert:

Hinweis: In den Text wurde nachträglich ein Absatz über die Methodik der Studie eingefügt, sowie eine Stellungnahme der ARD.

Man könnte auch schreiben: so aufgeblasen wie die Überschrift daherkommt ist das nicht zu halten. Aber immerhin.

Richtig nicht viel verstanden hat das Online-Angebot von „Deutschlandfunk Nova“ die Anmerkungen von Uebermedien, aber in diesem hektischen Online-Journalismus-Geschäft bleibt ja auch so wenig Zeit, mal in Ruhe den ganzen Artikel zu lesen:

Im Weltartikel heißt es: „98 Prozent der Berichte im Ersten waren laut der Studie negativ, nur zwei Prozent positiv.“ Doch stimmt das? Die Macher von Übermedien haben in das Kleingedruckte der Studie geschaut und festgestellt, dass sich dieser Wert nur auf wertende Beiträge der geprüften Sendungen bezieht, zu denen zum Beispiel die Hauptnachrichten im Ersten gehören. Neutrale Beiträge, die rund 30 Prozent der Trump-Berichterstattung ausmachen, wurden nicht mit berücksichtigt. Grundsätzlich bleibt der Beigeschmack: Deutsche Nachrichten berichten negativer als ihre US-Kollegen.

Punkt 1: die fehlenden neutralen Beiträge erwähnt. Check. Punkt 2: Die Definition von „negativ“ verstanden. Unchecked. Das war wohl nix.

Die schönste „Korrektur“ oder vielmehr die größte journalistische Bankrotterklärung kam von Telepolis :

Quelle: https://www.heise.de/tp/features/98-Prozent-der-ARD-Berichterstattung-zu-Donald-Trump-eindeutig-negativ-3721738.html vom 27.5.2017

Super Service für den Leser.

Muss jemand wundern, dass eine Seite wie RT Deutsch (Kein Link) nicht im geringsten etwas korrigiert? Und sich der Anti-GEZ-Mob dann in der Kommentarspalte austoben kann?

 

Für Journalisten bleibt die Mahnung: Studien sind was gefährliches, wenn man sie denn nicht liest. Oder wenigstens das Management Summary und die Methodik.

Update 1.6.

Inzwischen hat Telepolis einen klarstellenden Artikel veröffentlicht, den Alten aber mitnichten vom Netz genommen. Aber irgendwie haben die das mit der „Wertung“ und der Wertungsdefinition der Studie nicht verstanden: Trump-Berichterstattung: Überwiegend negativ, nur ein Drittel der Beiträge neutral

Klasse. Aus richtig falsch wird dank des wertenden „nur“ jetzt ein bisschen falsch in der Überschrift.

Auch wenn sich der Autor der Definition ein bisschen nähert:

Wirklich problematisch wird die Studie an der Stelle, an der zum Vorschein kommt, was ihre Macher zur „negativen Berichterstattung“ zählten. Dazu gehörten nämlich auch Nachrichten, die sich auf Vorfälle bezogen haben, die man „objektiv“ als negativ für Trump bezeichnen kann.

Richtig cool wird Telepolis, wenn es dann gilt, dem Leser den schwarzen Peter für die Überinterpretation der Studie zuzuschieben:

Der geneigte Leser dürfte wissen, dass unabhängig davon, ob sich ein Medium schnell und oberflächlich oder tiefergehend mit einer Studie beschäftigt, er selbst immer auch gut daran tut, Studien oder Statistiken so zu hinterfragen, wie es ein kritischer Mediennutzer mit der gesamten Berichterstattung tun sollte. Fehler, Falschdarstellungen, eine irreführende Berichterstattung usw. können viele Ursachen haben. Sie können in den Rahmenbedingungen zu finden sein, unter denen Journalismus entsteht. Sie können mit persönlichen Defiziten des Journalisten zu tun haben. Sie können aber auch auf bewusste Manipulation (aus welchen Gründen auch immer) oder Propaganda zurückzuführen sein.

Dann wähle ich mal „bewusste Manipulation“, angesichts des Anti-ÖR-Bias des Mediums und der gewählten Überschrift der „Richtigstellung“.

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