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Aha: so stellen sich Verleger das Netz vor

Ein Rant darüber, dass viele von DIGITALISIERUNG schwadronieren, nicht aber den geringsten Schimmer davon haben, was das denn sein könnte, ist extrem überfällig. Und dabei habe ich gerade ein anderes Beispiel vor Augen, aber jetzt kommt das daher, die „Positionen der deutschen und europäischen Verlegerverbände zum EU-Leistungsschutzrecht“.

Fällt was auf? Normalerweise verlinke ich an dieser Stelle den Artikel, auf den ich mich beziehe.

Die Verleger, die uns gerade das „Leistungsschutzrecht“ auf EU-Ebene bescheren wollen, behaupten auf Twitter vollmundig

Screenshot Twitter 23.6.18

Auch hier mal kein Link von mir, kein embedden. Nix.

Und warum? Weil die Verleger genau das, das Verlinken, in ihren „Hier die Fakten“ Beitrag auch nicht machen. Da werden die dicksten Tatsachenbehauptungen aufgestellt, aber: keine Links zu den Quellen gesetzt. Etwa hier:

Untersuchungen der EU-Kommission haben ergeben, dass fast 50 % aller Internetnutzer nur die Ausschnitte lesen, die Online-Dienste aus Presseveröffentlichungen auf ihren Seiten anzeigen und nicht den Artikel im Presseerzeugnis. Die von manchen behauptete „Win-Win-Situation“ gibt es deshalb nicht. Das hat die Kommission in ihrem umfassenden Impact Assessment ausführlich beschrieben. Stattdessen führt der geltende Rechtszustand zu einem Marktversagen zu Lasten der Presse.

Es wäre jetzt mal zu klasse, diese Untersuchungen der EU-Komission unter die Lupe zu nehmen. Aber verlinken ist nicht. Und das gilt für den ganzen langen Artikel: wo behauptet wird, fehlt der Beleg.

Genau so stellen sich die Verlage und ihre Verbände das Netz vor: immer erstmal glauben, was die behaupten. Nicht belegen, nicht nachprüfbar machen. Ich sage dann mal:

Fast 100 Prozent aller Kioskbesucher betrachten die Schlagzeilen und Titelseiten der angebotenen Zeitungen und Magazine und kaufen dann doch nicht alle.

Ich muss das ja jetzt nicht belegen, glaubt mir.

Grundlegend: das Verlinken ist das Wesen des Internet. Das haben Verleger, Verbände, EU-Abgeordnete, Politiker aus fast allen Parteien nicht verstanden, und sie wollen es auch nicht verstehen. Sie wollen, dass alles noch so ist wie damals, als man seine Tageszeitung abonniert hatte und alles geglaubt hat, was da drin steht.

Um das zu erreichen gehen sie alle möglichen Wege. Zur Freude der „alternativen Medien“ von Rechts. Die werden sich weiter teilen lassen, ohne Rücksicht auf fehlende Einnahmen. Denn denen geht es nicht ums Geld, es geht um die Vernichtung des Nachkriegsdeutschland als Emanzipationsprojekt. Zurück ins Vorkriegsdeutschland.

 

 

Photo by Caroline Methot on Unsplash

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